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Was Familien und Kinder stark macht – Momente, die zählen
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Kurz-Steckbrief für die Veröffentlichung
Pascal Hofmann ist Autor, Speaker und Pädagoge sowie Gründer von The Foster Child. Als ehemaliges Pflegekind verbindet er seine persönliche Lebensgeschichte mit seiner langjährigen pädagogischen Berufserfahrung. Sein Schwerpunkt liegt auf Pflegekindern, Kinderschutz und traumasensibler Pädagogik.
In Vorträgen, Lesungen, Workshops und über seine Social-Media-Kanäle setzt er sich dafür ein, Verhalten von Kindern nicht vorschnell zu bewerten, sondern nach dem zu fragen, was sich dahinter verbirgt. Seine zentrale Botschaft lautet: „Nicht der Sturm macht Kinder stark. Es sind die Menschen, die im Sturm bleiben.“
Als Autor verarbeitet Pascal Hofmann sowohl persönliche Erfahrungen als auch seine pädagogische Perspektive. In seinem autobiografischen Buch „Ich bin nicht anders, ich bin stärker.“ erzählt er von seinem eigenen Weg und davon, welche Bedeutung Beziehung, Zugehörigkeit und Menschen, die bleiben, für ein Kind haben können.
Ich bin 34 Jahre alt.
Ich bin Erzieher. Autor. Ehemann. Papa.
Aber bevor ich all das werden durfte, war ich ein kleiner Junge.
Ein kleiner Junge, der viel zu früh lernen musste, dass die Menschen, die dich eigentlich beschützen sollten, auch die Menschen sein können, vor denen du Schutz brauchst.
Ich war ein Pflegekind.
Und weil dieser Programmblock heute die Frage stellt, was Familien und Kinder stark macht, möchte ich Ihnen darauf keine theoretische Antwort geben.
Ich möchte Sie für ein paar Minuten auf die andere Seite des Tisches mitnehmen.
Auf die Seite des Kindes.
Als Kind wusste ich nicht, was ein Jugendamt ist. Ich kannte keine Paragraphen. Ich wusste nicht, was Trauma oder Kindeswohlgefährdung bedeutet.
Ich wusste nicht einmal, dass das, was mir passiert war, einen Namen hatte.
Ich wusste nur: Irgendetwas stimmt nicht.
Und irgendwann kommen Erwachsene. Sie sprechen miteinander. Sie entscheiden. Sie schreiben Dinge auf. Sie bringen dich irgendwohin.
Und als Kind fragst du dich nicht nach Zuständigkeiten.
Du fragst dich:
Ist das jetzt mein Zuhause?
Wie lange darf ich hierbleiben?
Muss ich wieder gehen?
Kann ich meinen Koffer überhaupt auspacken?
Und hinter all diesen Fragen steckt eigentlich nur eine einzige:
Bleibt diesmal jemand?
In meinem Buch beschreibe ich, wie sich dieses Gepäck später gezeigt hat:
Und zu meiner Geschichte gehört auch PFAD.
Meine Pflegeeltern sind seit mittlerweile rund 30 Jahren Mitglied bei PFAD. Und dadurch war PFAD auch ein Teil meiner Kindheit.
Ich selbst bin als Kind bei Freizeiten von PFAD mitgefahren. Damals war das für mich einfach eine Freizeit: andere Kinder treffen, gemeinsam etwas erleben, Spaß haben und dazugehören.
Heute verstehe ich, wie wichtig genau solche Räume sind. Orte, an denen Pflegekinder nicht erklären müssen, warum ihre Familie vielleicht anders aussieht. Orte, an denen sie einfach Kind sein dürfen.
Und gleichzeitig ein Netzwerk, in dem Pflegeeltern Menschen finden, die verstehen, was Pflegefamilie wirklich bedeutet.
Deshalb stehe ich heute auch nicht einfach als Gast bei 50 Jahren PFAD hier.
Ein Stück meiner eigenen Geschichte steht heute mit auf dieser Bühne.
Und dafür möchte ich Danke sagen.
Heute weiß ich etwas, das ich als Kind nicht wissen konnte:
Nicht das, was uns passiert ist, hat uns stark gemacht.
Missbrauch macht Kinder nicht stark.
Vernachlässigung macht Kinder nicht stark.
Verlassenwerden macht Kinder nicht stark.
Ein Kind sollte nicht erst Schlimmes erleben müssen, damit wir später seine Resilienz bewundern können.
Was Kinder stark macht, sind Beziehungen.
Ein Mensch, der sie sieht.
Ein Mensch, der ihnen glaubt.
Ein Mensch, der ihr Verhalten nicht mit ihrem Wesen verwechselt.
Ein Mensch, der hinter einem „Hau ab!“ vielleicht ein „Bitte verlass mich nicht auch noch“ hören kann.
Nicht der Sturm macht Kinder stark.
Der Fels.
Und genau deshalb passt für mich dieses Bild von Pflegefamilien als Felsen in der Brandung so gut.
Ein Fels hält den Sturm nicht auf.
Er verhindert nicht die nächste Welle.
Er kann die Vergangenheit eines Kindes nicht ungeschehen machen.
Aber er ist da.
Wenn die nächste Welle kommt.
Und die nächste.
Und die nächste.
Für ein verletztes Kind kann genau diese Erfahrung etwas völlig Neues sein:
Du darfst wütend sein – ich bleibe.
Du darfst Angst haben – ich bleibe.
Du darfst mich wegstoßen – und ich versuche trotzdem zu verstehen, warum.
Du musst nicht dankbar, angepasst oder perfekt sein, damit du dazugehören darfst.
Du darfst einfach Kind sein.
Vielleicht sitzen heute Menschen hier, die einem Pflegekind genau das gegeben haben.
Vielleicht haben Sie telefoniert, gestritten, Anträge geschrieben, Termine begleitet oder nachts wachgelegen.
Vielleicht haben Sie ein Kind ausgehalten, das alles dafür getan hat, Sie wegzustoßen.
Und vielleicht haben Sie sich irgendwann gefragt: Hat das überhaupt etwas gebracht?
[Pause.]
Dann möchte ich Ihnen heute als ehemaliges Pflegekind etwas sagen:
Vielleicht erinnert sich dieses Kind später nicht an jeden Termin. Nicht an jeden Antrag. Nicht an jedes Gespräch.
Aber vielleicht erinnert es sich an ein Gefühl.
Da war jemand.
Da war jemand, der mich gesehen hat.
Da war jemand, der mir geglaubt hat.
Da war jemand, der nicht gegangen ist.
Meine Pflegefamilie konnte nicht verhindern, was mir passiert war.
Aber sie konnte verhindern, dass das, was mir passiert war, alles bleibt, was mein Leben ausmacht.
Und für mich ist genau das Hoffnung.
Hoffnung bedeutet nicht: Alles wird gut.
Hoffnung bedeutet: Deine Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Manchmal braucht ein Kind einen Menschen, der daran glaubt, lange bevor das Kind selbst daran glauben kann.
Ich weiß nicht, ob die Erwachsenen, die damals Entscheidungen über mein Leben getroffen haben, geahnt haben, wer einmal aus diesem kleinen Jungen wird.
Dieser kleine Junge ist heute Ehemann.
Er ist Papa.
Er arbeitet selbst mit Kindern.
Er schreibt Bücher.
Und heute sitzt er erst an einem Flügel – und steht wenige Minuten später hier vor Ihnen.
Mein Name ist Pascal Hofmann.
Ich war Pflegekind.
Und wenn ich Ihnen heute aus dieser Innenperspektive nur einen Gedanken mitgeben darf, dann diesen:
Nicht der Sturm macht Kinder stark.
Es sind die Menschen, die im Sturm bleiben.
Meine sind geblieben.
Und vielleicht stehe ich genau deshalb heute hier.
Weitere Informationen zu Pascal Hoffmann, seinem Buch und seiner pädagogischen Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit finden Sie auf der u.a. Website The Foster Child







