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Beispiel B für einen Namensänderungsantrag

Beispiel für einen Antrag auf Namensänderung

An das
Landratsamt/- Ordnungsamt- in X

Antrag auf Namensänderung nach § 3 NÄG für unsere Pflegekinder
Josefine, geb. ...........
Anna, geb. ..........
in den Familiennamen der Pflegefamilie

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wurden am 15.8.2005 zum Vormund für unsere Pflegekinder Josefine und Anna bestellt. Die Bestallungsurkunde legen wir bei. Wir haben für die Antragsstellung als Vormund für die Kinder die vormundschaftsgerichtliche Genehmigung beantragt. Wir werden Ihnen diese, sobald sie vorliegt, übersenden.

Wir begründen unseren Antrag wie folgt:

1. Vorgeschichte:

Die Kinder kamen im Dezember 1996 in unsere Familie. Josefine war 3,7 Jahre alt und Anna kam im Alter von einem Jahr in unsere Familie. Anna kam aus der Klinik zu uns. Dort wurde sie in einem lebensbedrohlichen Zustand eingeliefert. Aus Zeitungsartikeln, die wir dem Antrag beilegen, geht hervor, wie bedrohlich die Situation für Anna war. Wenn die Mitarbeiterin des Programms Mutter-und-Kind vom Jugendamt sich keine Sorgen gemacht hätte, weil die Mutter der Gruppensitzung fernblieb, wäre das Kind nicht in die Klinik gekommen und es hätten die lebensrettenden Maßnahmen nicht eingeleitet werden können. Die Mutter wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt, weil nicht geklärt werden konnte, ob sie oder ihr Partner das Kind misshandelt hat. Wir legen eine Kopie des Gutachtens von Herrn Prof. Dr. YZ vom 17.07.1997 bei, woraus zu ersehen ist, welchen Qualen die Kinder in der Herkunftsfamilie ausgesetzt waren.

2. Die Entwicklung der Kinder in unserer Familie

Die Kinder haben sich voll in unsere Familie integriert. Wir haben auch versucht, zu der leiblichen Mutter trotz all der Belastungen, die sie den Kindern aufgebürdet hat, einen freundlichen Kontakt aufzubauen. Das war leider nicht möglich, weil sie nach wie vor leugnet, dass sie den Kindern Leid zugefügt hat. Vielmehr macht sie die Behörden, die Gerichte und die Polizei für alles verantwortlich. Die Kinder, je älter sie wurden und je deutlicher ihnen wurde, dass die leibliche Mutter Dinge erzählt, die sie nicht akzeptieren können, lehnten sie diese ab und sie weigern sich, ohne unsere Begleitung sie zu sehen. Sie brauchen unseren Schutz, den wir ihnen auch gewähren. Dies war auch der Grund, warum wir die Vormundschaft beantragt hatten.

Insgesamt haben die beiden Mädchen eine sehr positive Entwicklung durchgemacht. Sie haben sich immer voll zu unserer Familie zugehörig gefühlt und haben uns zu ihren Eltern gemacht. Sie weigern sich, mit dem Namen der Herkunftsmutter zu unterschreiben. Sie reagieren auf diesen Namen nicht. Es ist schon immer für die Mädchen eine große Not gewesen, dass sie wissen, dass sie einen anderen Namen wie wir haben. Sie wollen sich vor den Klassenkameraden nicht offenbaren, dass sie eine Geschichte haben, wie sie nun einmal ist. Sie schämen sich, obwohl sie die Einzelheiten der Misshandlungen von uns nicht gesagt bekommen haben. Sie wünschen sich, dass wir sie adoptieren, was wir auch sofort tun würden, wenn die rechtlichen Möglichkeiten vorhanden wären. Die Mutter wird nach unserer Einschätzung jedoch die Einwilligung zur Annahme als Kind durch uns nicht geben. Deshalb ist der zweitgrößte Wunsch beider Mädchen, dass sie endlich den Namen auch zu Recht tragen dürfen, mit dem sie sich identifizieren.

3. Die rechtliche Situation und unsere Einschätzung

Der Mutter wurde das Sorgerecht im Dezember 1996 für beide Mädchen entzogen und dieses wurde auf das Kreisjugendamt X übertragen. Mit dem Beschluss vom 15.08.2005 wurden wir als Einzelvormund vom Vormundschaftsgericht X eingesetzt. Wir legen das Protokoll von der Anhörung der Kinder beim Vormundschaftsgericht X vom 30.06.2005 dem Antrag bei. Daraus können Sie die Haltung beider Mädchen ersehen.

Für uns steht außer Zweifel, dass die Namensänderung dem Wohl der Kinder förderlich ist (BVerwG vom 24.04.1987, FamRZ 1987, 807). Wir sind darüber hinaus zur Überzeugung gekommen, dass sie für das Wohl der Kinder erforderlich ist. Dass ein „wichtiger Grund“ vorliegt, dürfte aus der Vorgeschichte der Kinder hervorgehen.

Gerade in der Pubertät und Vorpubertät ist es wichtig, dass die Kinder sich mit den Menschen, die sie zu ihren Eltern gemacht haben, auch nach außen, identifizieren können. Beide Mädchen haben große Probleme, wenn sie auf ihre Geschichte angesprochen werden. Bei dem, was diesen Kindern von ihrer Mutter angetan wurde, kann sich diese nicht auf schutzwürdige Belange zur Beibehaltung ihres Namens berufen.

Wir möchten die Mutter bitten, dem Wunsch der Kinder entgegenzukommen, damit könnte sie den Kindern ein Zeichen setzen, dass sie Josefine und Anna als Persönlichkeiten akzeptiert und ihrem Willen die erforderliche Bedeutung zumisst. Dass ihre Zustimmung unerheblich ist, wenn die beabsichtigte Einbenennung das Wohl der Kinder fördert und überwiegende Interessen an der Beibehaltung des Namens dem nicht entgegenstehen (§ 3 Abs. 1 NÄG), steht für uns außer Frage.

Wir bitten um baldige Entscheidung.

Mit freundlichen Grüßen

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Auszug aus dem Buch „Praxishandbuch Pflegekinderwesen – Wir gehen gemeinsam in die Zukunft“

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin Paula Zwernemann

Letzte Aktualisierung am: 
11.09.2008