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03.10.2012
Fachartikel

Das Zauberwort heißt Vertrauen

Vertrauen in das Kind, dass es alles tun wird, was es schaffen kann, aber auch Vertrauen in sich selbst als Pflegeeltern, dass auch Sie das tun werden, was Sie ermöglichen und schaffen können. Hilfreich natürlich auch Vertrauen in die Sie und ihr Kind begleitenden Fachkräfte und Helfer.

Vertrauen in das Kind, dass es alles tun wird, was es schaffen kann, aber auch Vertrauen in sich selbst als Pflegeeltern, dass auch Sie das tun werden, was Sie ermöglichen und schaffen können. Hilfreich natürlich auch Vertrauen in die Sie und ihr Kind begleitenden Fachkräfte und Helfer.

Wie schon erwähnt, ist das Kind extrem darauf angewiesen, dass die Pflegeeltern es verstehen. Dass sie sich fürsorglich Verhalten und ihm Sicherheit vermitteln. Fürsorgliches Verhalten bedeutet, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und entsprechend angemessen darauf zu reagieren.

Sieben Phasen eine Kindes bis hin zum festen Vertrauen

In ihrem Buch "Praxisbuch Pflegekind" beschreibt Alice Ebel sieben Phasen eine Kindes bis hin zum festen Vertrauen und zur Bindung des Kindes an die Pflegeeltern.
Ich möchte diese Phasen kurz wiedergeben:

1. Überanpassung des Kindes – es lebt in einer Pseudo-Normalität, die es aber nicht lange durchhalten kann, weil es mit den Beziehungsangeboten der Pflegeeltern konfrontiert wird

2. Die Phase setzt schon ein gewisses Vertrauen in die Zuneigung und Stärke der Pflegeeltern voraus. Das Kind gibt seine Maske auf und zeigt das Ausmaß seiner Störungen durch auffälligesVerhalten.

3. Diese Phase ist davon geprägt, dass das Kind immer deutlicher Bindungsverhalten zeigt und beginnt, seine innere Not zu zeigen. Es drückt sich nicht mehr nur in auffälligem Verhalten und Krankheit aus, sondern zeigt auch, dass es akut von Ängsten, seelischen und körperlichen Schmerzen oder Albträumen geplagt wird. Dies setzt ein noch größeres Vertrauen voraus
als nur das reine Fallenlassen der Maske in der zweiten Phase.

4. Hier zeigt das Kind eine vertiefte Bindung an die Pflegeeltern, was sich an einem klammernden Verhalten zeigt. Es möchte sich nicht mehr von ihnen trennen. Das nun erreichte Vertrauen dürfen die Pflegeeltern als echte Liebeserklärung werten.

5. Noch mehr Sicherheit und Vertrauen setzt diese fünfte Phase voraus, denn in dieser spricht das Kind nicht nur über frühere Erlebnisse oder Nöte, sondern es zeigt den Pflegeeltern auch die mit den frustrierenden, verletzenden und bedrohlichen früheren Bindungserfahrungen zusammenhängenden Gefühle. Es konfrontiert die Pflegeeltern mit voller Wucht mit seinen schlummernden negativen Gefühlen. Hier ist es besonders wichtig, dass die Pflegeeltern diese
Gefühle nicht persönlich nehmen, sondern sie den früheren Erfahrungen des Kindes zuordnen.

6. Hat das Kind ausreichend erfahren, dass es von den Pflegeeltern auch in seinem Schmerz angenommen wird, beginnt es die Pflegeeltern als "sicheren Hafen" anzusehen zu denen es sich in Momenten der Angst und des Schmerzes flüchten kann. Macht es damit positive Erfahrungen, dann kann es echte Bindungssicherheit entwickeln.

7. Ist es nach vielem Auf und Ab eines Tages gelungen, eine wahrhaft heilsame Bindung aufzubauen, dann besteht nun in der siebten Phase die reelle Chance, dass das Kind folgende Eigenschaften und Fähigkeiten entwickelt:

  • eine echte Fähigkeit, zu entspannen und zu genießen
  • die Fähigkeit, Liebe zu geben und zu empfangen
  • ein gutes Selbstwertgefühl
  • Konzentrationsvermögen und die Entwicklung intellektueller Fähigkeiten
  • Empathiefähigkeit
  • Engagement und Gemeinsinn.

Weitere Infos zum Praxisbuch Pflegekind finden Sie hier

Jetzt hat das Kind wirklich tiefes Vertrauen zu seinen neuen Eltern entwickelt und kann mit diesem neuen Vertrauen und der auf diesem Vertrauen beruhenden neuen positiven Sicht der Welt ein erfülltes Leben erreichen.

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