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06.12.2008
Fachartikel

Adoption im Doppelpack? Chancen und Risiken gemeinsamer Vermittlung von Geschwisterkindern aus dem Ausland

Abwägung unterschiedlicher Sichtweisen zur Frage der Geschwistervermittlung - besonders im Rahmen der Auslandsvermittlung.

von Dr. Petra Kleinz

ADOPTION IM DOPPELPACK?
Chancen und Risiken gemeinsamer Vermittlung von Geschwisterkindern aus dem Ausland

1. Einleitung

„Wie kann man diese süßen Geschwister trennen?“ Diese Schlagzeile einer großen deutschen Tageszeitung neben einem Foto der betroffenen Kinder erregt die Gemüter, gilt „Geschwisterliebe“ doch in unserer Kultur als unantastbar. Die getrennte Vermittlung von Geschwistern in Adoptivfamilien wird in der Öffentlichkeit oft als
herzlos beurteilt und tabuisiert. Auch in Fachkreisen trifft man vielfach auf die Haltung, dass im Regelfall eine gemeinsame Vermittlung vorzuziehen sei. So empfiehlt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter: „Die Trennung von Geschwistern sollte nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen, z.B. wenn erkennbar ist, dass eine gemeinsame Vermittlung einer positiven Entwicklung der Kinder entgegensteht (Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter, München 2007, S.24).

Im Kontext von Auslandsadoptionen kommt hinzu, dass manche Herkunftsländer von den Vermittlungsstellen erwarten, Geschwister, manchmal sogar mehr als zwei, gemeinsam in einer Familie zu platzieren. Man möchte den Kindern dadurch die Trennung voneinander ersparen und ihre Geschwisterbeziehungen erhalten. Damit wird auch die Hoffnung verbunden, dass die Kinder sich besser an ihre neue Situation gewöhnen, wenn sie sich gegenseitig Halt und Sicherheit geben und in ihrer Muttersprache miteinander kommunizieren können.
Manchmal mag darüber hinaus eine Rolle spielen, dass ein jeweils älteres Geschwisterkind nur sehr geringe Chancen auf eine Adoption hätte, wenn es einzeln vermittelt werden müsste. So kommt es auch vor, dass Geschwisterkinder, die sich noch nie begegnet sind, weil sie von Geburt an in verschiedenen Heimen lebten, gemeinsam in eine Adoptivfamilie vermittelt werden.

Dieses Bestreben mancher Herkunftsländer korrespondiert mit der Motivation nicht weniger Bewerberpaare, mit einem Adoptionsverfahren gleich zwei oder mehr Kinder aufnehmen zu wollen. Sie möchten damit den Kindern etwas Gutes tun, aber sich selbst vielleicht auch die Mühen und Kosten eines zweiten Adoptionsverfahrens ersparen. Gelegentlich schwingt zudem die Sorge mit, aufgrund des Alters für eine weitere
Adoption nach einigen Jahren nicht mehr akzeptiert zu werden. Oder die Sehnsucht nach einem kleinen Kind ist ausschlaggebend, welches sie nur dann adoptieren können, wenn sie das größere Geschwisterkind mitadoptieren.

Aber liegt die gemeinsame Vermittlung von Geschwistern wirklich immer im Interesse der Kinder? Welche Chancen, welche Risiken gilt es zu berücksichtigen?

Zur Klärung dieser Fragen und der Entwicklung von Kriterien für einen fachlichen Umgang mit dem Wunsch nach Geschwisteradoption, bot die Auslandsvermittlungsstelle des Sozialdienst katholischer Frauen am 31.10.2007 einen Fachtag an. Als Referent konnte Oliver Hardenberg, Diplompsychologe und Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeut, gewonnen werden. 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Vermittlungsstellen freier Träger, Jugendämtern und Landesjugend-ämtern sowie psychotherapeutischen Praxen nahmen teil. In die folgenden Ausführungen fließen Inhalte und Erkenntnisse aus dieser Veranstaltung zu großen Teilen mit ein.

Nach grundlegenden Betrachtungen zu Geschwisterbeziehungen und der Eltern-Kind-Bindung folgen Erfahrungen mit der Geschwisterpro-blematik in einigen Herkunftsländern. Anschließend werden Chancen und Risiken der gemeinsamen Geschwisteradoption beleuchtet sowie beachtenswerte Aspekte bei der praktischen Vermittlungstätigkeit vorgestellt. Überlegungen zur Risikominimierung bei gemeinsamer
und zum Erhalt von Geschwisterbeziehungen bei getrennter Vermittlung, gefolgt von einem Ausblick, bilden den Abschluss des Fachbeitrags.

2. Geschwister – nicht immer ein Segen

Geschwisterbeziehungen wird im Adoptionskontext ein hoher Stellenwert beigemessen. Auf den ersten Blick verwundert dies, denn in Deutschland und anderen Industrienationen besitzen Ein-Kind-Familien bereits den Status der Normalität; d.h. es wachsen zunehmend mehr Kinder als Einzelkinder auf, ohne dadurch erkennbare „Schäden“ zu erleiden. In Deutschland lebt bereits in 51% aller Familien nur ein Kind.
Anders ist es in vielen so genannten Entwicklungsländern. „Über 90% der Geschwister, die es auf der Erde gibt, leben in der Dritten Welt oder in Ländern, die sich auf dem Wege zur Industrialisierung befinden“ (Kasten, H., 2003, S.22). Die für eine Auslandsadoption in Frage kommenden Kinder sind eher selten Einzelkinder. Oft haben sie mehrere Geschwister.

Mit dem Begriff „Geschwister“ bezeichnet man im biologischen Sinn in den meisten Kulturen „Personen, die eine teilweise identische genetische Ausstattung haben, weil sie dieselben Eltern, bzw. dieselbe Mutter oder denselben Vater haben. Daneben bezeichnet man als Geschwister auch Personen mit spezifischen Verwandtschaftsver-hältnissen, die in Abhängigkeit von der Kultur festgelegt werden. So werden in vielen Gesellschaften – abweichend von unserem Sprachge-brauch – auch Cousins und Cousinen der Kategorie ‚Geschwister’ zugeordnet“ (Karle, M. u. a., 2000, S.156). In einigen islamisch geprägten Ländern werden nicht verwandte Kinder, die von derselben
Amme gestillt wurden („Milchgeschwister“), biologischen Geschwistern
gleichgestellt. Eine Liebesbeziehung zwischen ihnen gilt als Inzest (Hellweger Anzeiger, 19.1.08, S. 32).

Es lassen sich interkulturell starke Unterschiede feststellen sowohl hinsichtlich der Begriffe für das Verwandtschaftsverhältnis „Geschwister“, als auch der darin gespiegelten Verhaltensmuster, Einstellungen, Werthaltungen und Gefühle. Diese wirken sich entscheidend auf das Verhalten von Geschwistern aus (Kasten, H. 2003, S. 22f.). Es gibt Kulturen, in denen „Geschwister füreinander sehr bedeutsame Aufgaben übernehmen“, vor allem in den Bereichen Versorgung, Betreuung und Unterrichtung der jüngeren Brüder und Schwestern (ebd. S. 33). Dies gilt besonders für Stammesgesell-schaften. Auch in der westlichen Kultur können Geschwister höchst
unterschiedliche Rollen in ihren Beziehungen einnehmen, die nicht immer als positiv empfunden werden. Unterscheiden lassen sich neben dem solidarischen Kumpel und Spielgefährten z.B. der Helfer und Lehrer, der Gehasste, der Beneidete, der Rivale, der Elternersatz, der Sündenbock, der Verführer, der erotische Partner sowie der Ersatz bei Tod eines Geschwisters (Seiffge-Krenke, I., 2001, S.426ff.) Durch Geschwister wird man „beglückt oder bestraft“ (Klosinski, G., 2000, S.9).

Geschwisterbeziehungen sind die in der Regel am längsten dauernden Beziehungen im Leben eines Menschen. Sie können einen prägenden und modifizierenden Einfluss auf seine Entwicklung haben, und zwar in allen Lebensphasen, allerdings in unterschiedlicher Akzentuierung. Neben ihrer erzieherischen Bedeutung ist insbesondere ihre unter-stützende Rolle bei der Identitätsentwicklung hervorzuheben. Das
Entdecken von Unterschieden, vor allem aber Ähnlichkeiten im Aussehen, bei typischen Charakterzügen sowie gleiche Erlebnisse und Erfahrungen durch das gemeinsame Aufwachsen helfen dabei, sich selbst besser kennen zu lernen und einschätzen zu können (vgl. Cierpka, M., 2001, S.444f.). Die große Bedeutung von Geschwistern
bzw. des Fehlens von Geschwistern wird durch die Tatsache unter-strichen, dass ca. 20 bis 30 % der Kinder vom Vorschul- bis zum Jugendalter „imaginäre Gefährten“ (nur in der Phantasie existierende Geschwister) entwickeln. Dies betrifft auffällig viele Erstgeborene und Einzelkinder (Seiffge-Krenke, I., 2001, S.423).

Ausschlaggebend für die Qualität einer geschwisterlichen Beziehung sind neben der Geschwisterposition vor allem Einflüsse des elterlichen Erziehungsverhaltens, jedoch auch „unterschiedliche konstitutionelle Anlagen sowie abweichende biographische Lebensverläufe zwischen den Geschwistern und einschneidende Lebensereignisse“ (Klosinski, G., 2000, S. 12). Natürlich können die einzelnen ambivalenten Aspekte
einer Geschwisterbeziehung auch gemischt auftreten oder nacheinander
Dominanz erlangen. Mal sind die Geschwister beste Spielkameraden, mal schärfste Konkurrenten. Typisch sind biografische Verschiebungen: Nach anfänglich recht enger Beziehung zueinander können Jugendliche sich in der Ablösephase auch von ihren Geschwistern distanzieren, um sich als Erwachsene nicht selten wieder anzunähern. Mitunter werden die Beziehungen im Alter wieder recht eng (vgl. Seiffge-Krenke, I.2001, S.437f.). Ihre Bedeutung verlieren sie selbst dann nicht, wenn der persönliche Kontakt abgebrochen wird.

Allerdings wird die Komponente der biologischen Verwandtschaft wohl überschätzt: „Für Kinder, die Geschwister haben, ist es unbedeutend, ob sie biologisch miteinander verwandt sind oder nicht. Tatsache ist, dass sie in ein- und derselben Familie aufwachsen und sich miteinander auseinandersetzen müssen – und das täglich“ (Richard-
Kopa, A.-D.).
Adoptivkinder, die in eine Familie mit bereits vorhandenen leiblichen
oder angenommenen Kindern aufgenommen werden, entwickeln oft recht enge Beziehungen zu ihren sozialen Geschwistern, die ähnliche Höhen und Tiefen aufweisen können, wie bei biologischen Geschwistern. Diese Erfahrung von Adoptivfamilien und Vermittlungs-stellen wird durch die Forschung bestätigt, so dass „davon ausgegangen
werden kann, dass sich – eine u. U. nicht immer ganz komplikationslose Eingewöhnungszeit vorausgesetzt – zwischen Kindern in Adoptiv- und Pflegefamilien ganz normale geschwisterliche Beziehungen entwickeln“ (Kasten, H., 2000, S.176). Dies gelingt vor allem, wenn das Adoptivkind in sehr jungen Jahren aufgenommen wird.

3. Vorrang der Eltern-Kind-Bindung

Nach diesem Blick auf die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen soll nun der Focus auf das Eltern-Kind-Verhältnis gerichtet werden. Ein Rekurs auf die Bindungstheorie und ihr Konzept der elterlichen Feinfühligkeit ist hilfreich, um einerseits die Entstehung einer gesunden Bindung des Kindes an die Eltern beschreiben und andererseits
Bindungsstörungen als Resultat von familiär bedingten traumatischen Erfahrungen erklären zu können.

Unter „normalen“ Umständen, wenn ein Kind in eine funktionsfähige, liebevolle Familie hineingeboren wird oder zumindest von einer primären Bezugsperson, die nicht verwandt sein muss, umsorgt wird, entwickelt es bereits im ersten Lebensjahr ein genetisch verankertes Bindungsverhalten. Dieses wird beobachtbar, wenn das Kind Gefühle von Angst oder Unwohlsein erlebt und in neuen Situationen oder bei Abwesenheit der Bezugsperson deren Nähe und den Kontakt zu ihr sucht. Das kindliche Bindungsbedürfnis und -verhalten korrespondiert mit feinfühligem Verhalten der Bezugsperson, die die kindlichen Signale und Bedürfnisse „wahrnimmt, richtig interpretiert und prompt und angemessen beantwortet“ (Papousek, M., 2006, S. 62). Dies geschieht idealerweise zuverlässig und in dem Alter des Kindes entsprechender
Weise, ohne Verzerrungen durch eigene Wünsche und Bedürfnisse der Bezugsperson. Es handelt sich dabei um fein aufeinander abgestimmte Interaktionen durch Körperkontakt, Mimik, Gestik und Sprache, auch in ihren nonverbalen Anteilen wie Tonfall, Melodie, Rhythmus und Lautstärke. Sie finden in sämtlichen Prozessen statt, „in denen die ersten sozialen Beziehungen des Kindes mit seinen primären Bezugs-personen ihren Ausdruck finden, reguliert und geformt werden, in Belastungskontexten ebenso wie beim Füttern, Wickeln, Schlafenlegen, beim Zwiegespräch und Spiel“ (ebd. S. 63) So entsteht im Laufe der ersten drei Lebensjahre eine sichere Bindung des existenziell abhängigen Kindes zu seiner Bezugsperson, erkennbar daran, dass
das Kind die Gegenwart dieser Person wünscht, unter einer Trennung von ihr leidet, sich über ihre Rückkehr freut und sich auch bei Abwesenheit an ihr orientiert. Aus einer sicheren Bindung resultiert ein existentielles Geborgenheitsgefühl, das so genannte „Urvertrauen“ als positive Grundeinstellung der Welt und dem Leben gegenüber. Die Bindung ermöglicht dem Kind das Überleben und eine gesunde Entfaltung seiner Persönlichkeit in all ihren Funktionen und Facetten. Es gewinnt Selbstvertrauen, entwickelt Explorationsverhalten und bildet sein Gewissen und Sozialverhalten aus. Auf dieser Grundlage wächst seine Fähigkeit zur Selbststeuerung. So wird es befähigt, als erwachsener Mensch selbständig und selbstverantwortlich in allen Lebensbezügen wie Partnerschaft und Familie, Beruf und Freizeit, Gesellschaft und ggf. Religion ein erfülltes Leben zu führen. Die Eltern-Kind-Bindung erweist sich demnach als Grundvoraussetzung für eine ungestörte menschliche Entwicklung. Sie kann durch keine Geschwister-beziehung ersetzt werden. Das zum Bindungsaufbau nötige Zusammen- spiel von kindlichen Signalen einerseits und empathischen Reaktionen der Bezugspersonen andererseits ist recht störanfällig. Insbesondere Kinder, für die eine Adoptivfamilie gesucht wird, mussten oft traumatische Erfahrungen in ihren Herkunftsfamilien machen, die den Aufbau einer sicheren Bindung behindern und ihr Bindungs-, aber auch Leistungs- und Sozialverhalten nachhaltig prägen. „Von traumatischen Erfahrungen sprechen wir dann, wenn von Eltern die elementaren Bedürfnisse des Kindes nicht wahrgenommen und respektiert werden und wenn das Kind von seinen Eltern überwältigt wird und sie dadurch
als Schutzobjekt verliert“ (Nienstedt, M,/Westermann, A., 1998, S. 90).

Traumatische Erfahrungen wie lang dauernde gravierende Vernachläs-siung, Beziehungsabbrüche, das Erleben oder Miterleben von Gewalt oder sexuellem Missbrauch gehen oft mit dem Erleben von Todesangst einher und bewirken „so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis“ (Fischer, G./Ridesser, P., 1999, S.79). Die betroffenen Kinder können kein Urvertrauen entwickeln. Störungen der Persönlich-keitsentwicklung sind die Folge.

Es liegt auf der Hand, dass sich auch bei längerfristiger Heimunter-bringung nur schwer sichere Bindungen aufbauen lassen. Unter bindungstheoretischen Gesichtspunkten ungünstige Faktoren wie Fluktuation, Schichtdienst, Urlaub und Freizeit der Erzieher ohne die Kinder, Zuständigkeit für eine große Gruppe von Kindern und fehlende
existentielle Verbundenheit zwischen Erziehern und Kindern, um nur einige zu nennen, sind dieser Form institutioneller Erziehung mehr oder weniger immanent, zumindest wenn es sich um traditionelle Großheime handelt. Dadurch fehlen den Kindern oft verlässliche, konstante primäre Bezugspersonen, an die sie sich langfristig binden können. Stattdessen besteht die Gefahr wiederholter Beziehungsabbrüche, die sich belastend auf die spätere Bindungsfähigkeit auswirken können. Früh erworbene Bindungsstörungen werden nach der Adoption in die neue Familie übertragen. Sie lassen sich nur sehr schwer, unter Aufbieten von sehr viel Mühe und Geduld, manchmal in Kombination mit therapeutischer Hilfe, langsam korrigieren, wenn die Kinder ihre neuen Eltern als zuverlässig und beschützend erleben und sich Befürchtungen in Hinblick auf eine Wiederholung der negativen Erfahrungen nicht
bestätigen. So können seelische Wunden mit der Zeit heilen und der Aufbau einer Bindung zu den Adoptiveltern glücken (vgl. Brisch, K. H., 2006, S. 26ff. und Hardenberg, O., 2006, S. 95ff.)

Die Bedeutung einer sicheren Bindung wird auch von der Protektions-forschung bestätigt, welche Risiko- und Schutzfaktoren in der kindlichen Entwicklung untersucht. Sie hat gezeigt, dass „eine dauerhafte, gute Beziehung zu mindestens einer primären, erwachsenen, elterlichen Bezugsperson einen erstrangigen Schutzfaktor darstellt, damit ein Kind die Chance hat, aus seiner Kindheit gesund hervorzugehen und auch hoch belastende Kindheitserfahrungen wie Vernachlässigung und andere traumatische Erfahrungen zu bewältigen, so dass sie nicht bestimmend für sein Leben werden“ (Nienstedt, M./Westermann, A., 2007, S.344, unter Bezug auf Dornes, N., 2000, S.103ff.). Dagegen haben Geschwister „keine entsprechende und eigenständige Bedeutung als Schutzfaktor. Der Status als Einzelkind (oder ein großer Geschwisterabstand von mehr als 6 Jahren) gilt als günstige Voraussetzung für eine schließlich gesunde Entwicklung trotz belastender früher Erfahrungen“ (ebd., unter Bezug auf Dornes, N., 2000, S. 109), was sich auch bei Pflegekindern (und Adoptivkindern,
P.K.) als die günstigste Konstellation erweist (ebd.).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Entstehung einer Bindung des traumatisierten Kindes an seine Adoptiveltern der Vorrang vor dem Erhalt von Geschwisterbeziehungen gebührt, die zwar unbestrittener Maßen bei der Eingewöhnung und bei der Bewältigung von Krisen hilfreich sein, aber für sich allein keine gesunde
Persönlichkeitsentwicklung garantieren können.

4. Ausländische Adoptivkinder und ihre Geschichte

In den einzelnen Ländern, aus denen Kinder nach Deutschland vermittelt werden,spielt die Frage der Geschwisteradoption eine unterschiedliche Rolle. Dies wird im Folgenden exemplarisch anhand der Länder dargestellt, mit denen die Auslandsvermittlungsstelle des Sozialdienst katholischer Frauen Kooperationen unterhält.

Für Bolivien lässt sich konstatieren, dass es sich bei den zu vermittelnden Kindern überwiegend um Findelkinder handelt. Ihre Abstammung sowie etwaige Geschwisterverhältnisse bleiben meist ungeklärt und spielen beim Matching (Zuordnung) keine Rolle. In den sechzehn Jahren Vermittlungs-tätigkeit hat es lediglich zweimal die Situation gegeben, dass Zwillinge gemeinsam vermittelt wurden.

Anders sieht es in Costa Rica aus. In diesem Land begünstigt nicht selten materielle Not eine Zerrüttung der Familien mit vielfältigen Facetten, wie Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, Gewalt, Kriminalität, Prostitution, Wohnungslosigkeit usw. Vielfältige Traumatisierungen der Kinder und die Notwendigkeit einer Heimunterbringung sind häufig die Folge. Dabei ist man behördlicherseits bestrebt, Geschwistergruppen
möglichst nicht zu trennen, sondern sowohl im Heim wie später in die Adoptivfamilie gemeinsam zu platzieren.

Auch in Litauen führen soziale Probleme, sehr oft in Kombination mit Alkoholmissbrauch, zur Heimunterbringung. Dabei werden getrennte Heime für die einzelnen Altersstufen der Kinder vorgehalten. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Geschwister auch bei bekannter Verwandt-schaft, oft von Geburt an, in verschiedenen Heimen untergebracht werden und ein Kontakt zueinander nicht vorgesehen ist. Dennoch wird auch hier auf eine gemeinsame Vermittlung Wert gelegt.

Unabhängig vom Herkunftsland ist häufig zu beobachten, dass Geschwister unter traumatisierenden familiären Bedingungen genötigt werden, sogenannte „Notgemeinschaften“ zu bilden, um sich gegen-seitig den Mangel an elterlicher Fürsorge und Liebe auszugleichen. iese Kinder wirken in der Geschwistergruppe meist unauffällig; erst die Vereinzelung offenbart die Persönlichkeitsstörungen ihrer Mitglieder.
Nicht selten kommt es zur „Parentifizierung“- Generationsschranken werden aufgehoben. Dabei sichert das ältere Kind dem jüngeren das Überleben, indem es unter Aufgabe seiner eigenen Kindheit eine Elternrolle für das Geschwisterkind übernimmt, es z. B. versteckt oder Nahrungsmittel für es organisiert, es füttert und sauber hält.

Auch in materiell und personell schlecht ausgestatteten Heimen, in denen die Kinder unter deprivierenden Bedingungen (Mangel an Nahrung, Stimulation, Zuwendung usw.) leiden, werden ähnliche geschwisterliche Rollenaufteilungen beobachtet. Trotz der bisweilen pathologisch verzerrten Beziehungen der Geschwister steht eine getrennte Vermittlung oft nicht zur Disposition.

5. Chancen der Geschwisteradoption

Geschwister besitzen unterstützende Bedeutung für die Identitätsent-wicklung. Zudem wirken die gemeinsame Abstammung und identische Erfahrungen in Herkunftsfamilie oder Heim verbindend, fördern Solidarität und geben Sicherheit sowie Geborgenheit. „Ein Bruder ist wie eine Schulter“, sagt deshalb ein Sprichwort aus Somalia. Es kann daher bei einer Adoption, insbesondere einer Auslandsadoption, eine Erleichterung zumindest in der Anfangsphase für Geschwister sein, gemeinsam vermittelt zu werden. So kann ein Stück Kontinuität gewahrt bleiben und die Auswirkungen von Beziehungsabbrüchen, abruptem Wechsel von Kultur, Sprache, Klima usw. abgemildert werden.

Es gibt Studien, die nahe legen, dass bei älteren Kindern (über sechs Jahre) unter Umständen eine gemeinsame Vermittlung von Geschwistern zum Gelingen der Adoption beiträgt (Kasten, H., 2006, S. 246) Allerdings scheint die Forschung in dieser Frage nicht eindeutig zu sein. Eher selten trifft man in der deutschsprachigen Literatur und auch in mündlichen Berichten von Praktikern dagegen auf Beispiele gelungener Adoptionen von sehr jung adoptierten Geschwistern.

Eines davon wird in dem Themenheft „Geschwister. Zusammen oder getrennt platzieren?“ der Schweizer Zeitschrift „Netz“ geschildert. Ein Brüderpaar im Alter von ca. 2 und 3 Jahren wurde gemeinsam in eine Pflegefamilie vermittelt, obwohl es zuvor in der dysfunktionalen Herkunftsfamilie eine Notgemeinschaft gebildet hatte. Trotz schwierigen Integrationsverlaufs vor allem bei dem älteren Jungen gilt die Platzierung als geglückt, denn noch 11 Jahre nach der Vermittlung leben die Brüder in derselben Pflegefamilie (Zatti, K.B.; 2003, S. 8ff.).

Praktiker von Vermittlungsstellen berichten gleichfalls gelegentlich von positiven Verläufen gemeinsamer Vermittlungen, wobei manchmal damit lediglich gemeint ist, dass kein Abbruch erfolgte. Offen bleibt die Frage, wie die Entwicklung der Kinder jeweils bei getrennter Vermittlung verlaufen wäre.

6. Risiken der Geschwisteradoption

Die Risiken gemeinsamer Vermittlung werden leicht unterschätzt. Schon ein einzelnes in der Vorgeschichte familiär traumatisiertes Kind, also ein Kind, dass nicht durch Unfall oder Katastrophe, sondern durch das Verhalten seiner Familienmitglieder traumatisiert wurde, kann seine Adoptiveltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen. Es überträgt seine traumatischen Erfahrungen und seine psychischen Strategien zu ihrer Bewältigung, die sich als Auffälligkeiten äußern, in die neue Familie. Ein adäquater Umgang damit erfordert enorme Anstrengungen der Adoptiveltern, denen großes Einfühlungsvermögen sowie überdurch-schnittliches pädagogisches und psychologisches Geschick abverlangt wird. So neigen viele Kinder zu Auffälligkeiten wie extremen Unruhe-zuständen oder emotionaler Starre, Apathie und Depression. Manche können Erregung, Affekte und Emotionen nicht regulieren oder zeigen
eine Pseudoautonomie, indem sie die Kindrolle ablehnen und sich von den Adoptiveltern nichts sagen lassen,weder elterlichen Aufforderungen nachkommen noch Verbote befolgen („Pippi-Langstrumpf-Syndrom“).

Als Folge einer Traumatisierung kommt es nicht selten zur Spaltung (Dissoziation) von Gefühlen und Erinnerungen oder auch dem Einnehmen einer Opferrolle. Das Bindungsverhalten kann so nachhaltig
gestört sein, dass das Kind keinen Unterschied macht zwischen Eltern und Fremden (Distanzlosigkeit). Möglicherweise ist es nicht in der age, Nähe und Zärtlichkeit zuzulassen, oder verhält sich extrem aggressiv, identifiziert sich mit dem früheren Aggressor.

Phasenweise reinszeniert das traumatisierte Kind alte Konflikte. In Übertragungssituationen werden die neuen Eltern mit den Herkunfts-eltern „verwechselt“; sie werden provoziert und getestet, wobei die Gefahr besteht, dass sie sich in ihrer Überforderung zu ähnlichen Verhaltensweisen hinreißen lassen, die das Kind von der Herkunfts-familie gewohnt war. So wird ihm die Chance genommen, korrigierende und damit heilende Erfahrungen zu machen. Stattdessen wird sein Trauma wiederbelebt und verfestigt.

Bei der gleichzeitigen Aufnahme zweier traumatisierter Kinder erhöhen sich die Belastungen für die Eltern erheblich. In vielen Fällen wechseln sich die Kinder in ihren problematischen Verhaltensweisen ab oder verstärken bzw. „triggern“ sich sogar gegenseitig, so dass den Eltern und auch den Kindern kaum Ruhepausen zur Erholung vergönnt sind.

Die Gefahr besteht, dass die Kinder sich auch in der neuen Familie gegenseitig unterdrücken und evtl. sogar physisch gefährden. Auf der anderen Seite kommt es nicht selten vor, dass zu enge Beziehungen zueinander, im Extremfall sogar symbiotische Beziehungen, erhalten bleiben. Manche Kinder bilden selbst in der Adoptivfamilie noch eine Notgemeinschaft und isolieren sich dadurch, insbesondere wenn durch die ausländische Herkunft zunächst eine Sprachbarriere zwischen Eltern und Kindern existiert. Auf diese Weise behindern sich die Geschwister gegenseitig im Bindungsaufbau zu den Adoptiveltern. Dies gilt auch dann, wenn sie sich wechselseitig an ihre dysfunktionale Herkunftsfamilie erinnern und dieser dadurch die Loyalität bewahren (vgl. Nienstedt, M./Westermann, A., 2007, S.350). Die Gewinnung von therapeutisch notwendiger sicherer Distanz zur Herkunftsfamilie und dort erlittener Traumatisierung wird so verhindert.

Nicht selten ist zu beobachten, dass ein Kind oder beide in der Anpassung oder im Agieren verharren und ihre Integration stagniert. Chronische Rivalitätskonflikte um die Zuwendung der Eltern können die Befriedigung primärer Bedürfnisse verhindern, so dass es trotz bester Absicht zu erneuten Mangelerfahrungen kommt. Besonders für ein älteres Kind ist es schwierig, seinen Nachholbedarf an Befriedigung existentieller Grundbedürfnisse zu decken und dazu phasenweise auf frühere Entwicklungsstufen zurückzufallen (zu regredieren), weil das jüngere Geschwisterkind altersbedingt intensivere Pflege und stärkere Zuwendung fordert. So kommt das ältere, das eigentlich die ungeteilte Zuwendung seiner Eltern benötigt, schnell zu kurz und kann seine Entwicklungsdefizite nicht ausgleichen. Diese Problematik verschärft sich noch, wenn das ältere Kind für das jüngere eine Elternrolle übernommen hat, denn dann wird es sehr schwer bis unmöglich sein, aus dieser Rolle wieder herauszukommen und eine altersent-sprechende Kindrolle einnehmen zu können, wenn das jüngere Kind ständig zugegen ist. Dadurch verringern sich seine eigenen Chancen, in der Regression eine Möglichkeit zum Bindungsaufbau zu den neuen Eltern zu erhalten. Unter Umständen leidet das ältere Kind sogar, wenn die Adoptiveltern ihm die Versorgung des Geschwisters abnehmen. Es hat das Gefühl, dass ihm etwas genommen und es degradiert wird.
Manche ältere Geschwisterkinder werden in ihrem Selbstwertgefühl geschwächt, weil sie erkennen, dass sie lediglich „in Kauf genommen“ wurden, da die Eltern nur durch die „Adoption im Doppelpack“ das eigentlich begehrte jüngere Kind bekommen konnten.

Dies kann ein Grund sein, dass sich sowohl in der Wahrnehmung der Eltern als auch im Verhalten und in der Selbsteinschätzung der Kinder zwei extreme Rollen der Geschwister herausbilden: Das unkomplizierte und angenehme Kind und das anstrengende und auffällige Kind. Meist ist das jüngere das unproblematischere und das ältere das problematische Kind. Es ist nicht verwunderlich, dass bei einem Eskalieren der familiären Situation eher das ältere Kind aus der Familie genommen und z.B. in einem Heim untergebracht wird (vgl. Nowacki, K./Ertmer, H., 2002, S. 9)

Umgekehrt kann es passieren, dass ein jüngeres Geschwister „zu kurz kommt“ und ins Abseits gerät, weil die Eltern sich gezwungener Maßen hauptsächlich mit dem auffälligeren älteren Kind befassen müssen.
All diese Risiken und Belastungen können zum Scheitern der Adoption führen. In dem Schweizer Themenheft zur Geschwisteradoption wird so ein Fall anschaulich beschrieben. Ein Geschwisterpaar, 14 und 11 Jahre alt, wurde auf eigenen Wunsch gemeinsam vermittelt. Während sich der ältere Bruder recht gut integrieren konnte, fühlte sich die jüngere Schwester weiterhin der Herkunftsfamilie zugehörig und scheiterte als „schwarzes Schaf“, wie sie sich selbst empfand, in der Pflegefamilie. Sie verließ diese recht bald (Zatti, K.B., 2003, S. 8ff.). Allerdings stellt sich angesichts des recht hohen Alters der Kinder zum Zeitpunkt der Vermittlung die Frage, ob hier noch mit der Entstehung von Eltern-Kind-Bindungen im Sinne der Bindungstheorie gerechnet werden durfte.

In der Forschung deutet vieles trotz nicht eindeutiger Befunde darauf hin, dass bei jüngeren Kindern (unter 6 Jahren) Adoptiv- und Pflegever-hältnisse häufiger scheitern, wenn sie mit Geschwistern platziert werden (Kasten, H., 2006, S. 244) Diese Auswertung einer Literaturanalyse deckt sich mit Befunden einer Studie, in der die Daten des Pflegekinder-dienstes der Stadt Herten über 15 Jahre ausgewertet wurden. Diese Studie kommt zu der Empfehlung, dass eine getrennte Unterbringung von Geschwistern, insbesondere bei jüngeren Kindern, vorzuziehen ist (Nowacki, K./Ertmer, H., 2002, S.41). Auch viele Praktiker von Adoptionsvermittlungsstellen berichten von erhöhten Abbruchquoten bei gemeinsamer Platzierung. Im Hinblick auf das Scheitern eines Adoptivverhältnisses ist zu bedenken, dass die Herausnahme eines Geschwisterkindes aus der Adoptivfamilie viel dramatischer erlebt
wird, als wenn die Kinder von Anfang an getrennt untergebracht worden wären. Das herausgenommene Kind empfindet sich dann häufig als Versager und minderwertig, während das verbleibende Kind Schuldgefühle entwickelt.

Ein weiterer Aspekt verdient Augenmerk: Die besonderen Belastungen einer „Adoption im Doppelpack“ können zu chronischer Überlastung der Eltern bis hin zum Zerbrechen von Ehe und Familie oder der Entstehung von Erschöpfungszuständen und Erkrankungen führen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Vermittlungsstellen auch eine gewisse Verantwortung für die Adoptivbewerber übernehmen, die die Risiken
einer Geschwisteradoption nicht immer realistisch einschätzen können.

7. Kriterien für einen fachlichen Umgang mit Geschwisteradoption

Sicherlich gibt es nicht „die“ Kriterien, deren Erfüllung einen glücklichen bzw. deren Fehlen einen problematischen Verlauf einer Geschwister-adoption zuverlässig prognostizieren ließen. Immer spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die sich zudem wechselseitig beeinflussen können. Dennoch weisen Ergebnisse der Geschwisterforschung (vgl. z. B. Kasten, H., 2003, S. 41ff.) sowie Erfahrungen von Adoptionsver-mittlerInnen und TherapeutInnen auf einige Aspekte hin, die zumindest tendenziell im Zusammenhang mit der Höhe des Risikos einer Geschwisteradoption stehen können. Sie verdienen, beim Abwägen des Für und Wider einer Geschwisteradoption im Einzelfall mit bedacht zu werden.

Vor der Platzierung ist eine Klärung der geschwisterlichen Beziehungs-struktur unabdingbar, und zwar unabhängig davon, ob die Kinder bislang bei den leiblichen Eltern oder im Heim aufwuchsen. Relativ unproblematisch scheint eine Geschwisteradoption dann zu sein, wenn die Kinder in einer vitalen Geschwisterbeziehung lebten, in der jedes Kind Raum für Unterschiede in der Persönlichkeit besaß und gleichzeitig
Verbundenheit bestand. Dies ist z.B. denkbar bei Kindern, die ihre funktionsfähige Herkunftsfamilie durch Tod der Eltern verloren (vgl. Nienstedt, M./Westermann, A., 2007, S. 348f.).

Risiko mindernd scheint es weiterhin zu sein, wenn die zu vermittelnden Geschwister unterschiedlichen Geschlechts sind.Auch ein Altersabstand
von mindestens 3 bis 6 Jahren hat sich als günstig bei einer gemein- samen Vermittlung erwiesen. Beide Faktoren können geschwisterlichen Konkurrenzdruck und seine negativen Folgen für die familiäre Harmonie und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder reduzieren.

Bedenken sind auf der anderen Seite bei einem Entzug der elterlichen Sorge angebracht, denn dann muss immer von dysfunktionalen Beziehungsmustern in der Herkunftsfamilie ausgegangen werden, die sich auch negativ auf die geschwisterlichen Beziehungen auswirken. Waren die Geschwister gar schweren Traumatisierungen in den Eltern-Kind-Beziehungen, z. B. durch Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen,
Vernachlässigung, Eingesperrtsein u. ä. ausgesetzt, sind pathologisch verzerrte Geschwisterbeziehungen zu erwarten und eine gemeinsame Vermittlung empfiehlt sich nicht. Die Risiken für die Integration und Bindung beider Kinder, insbesondere des älteren, wären extrem hoch, insbesondere dann, wenn die Kinder vor der Vermittlung in einer Notgemeinschaft oder durch Parentifizierung geprägten Beziehung lebten.

Vorsicht ist gleichfalls geboten bei Geschwistern, bei denen eines das andere durch Aggression in existentielle Gefahr bringt. Waren die Kinder bereits vor der Vermittlung getrennt untergebracht, und konnte
deshalb bisher keine geschwisterliche Beziehung entstehen, bietet eine gemeinsame Vermittlung keinen Vorteil und sollte vermieden werden. Allerdings gilt es, die Gründe für die vorherige Trennung zu berücksichtigen.

Eine gemeinsame Vermittlung von Geschwistern verlangt in jedem Fall eine psychosoziale Diagnostik der Bewerber. Nur besonders „fitte“ Bewerber sind dieser extremen Herausforderung von Elternschaft gewachsen. Das bedeutet vor allem, dass sie überdurchschnittlich belastbar sein und in einer gefestigten Partnerschaft leben müssen
sowie nicht anderweitig, z.B. durch Berufstätigkeit so absorbiert sein dürfen, dass zu wenig Zeit für die Kinder bleibt. Sie müssen im Gegenteil beide als Bezugspersonen ausreichend präsent und emotional verfügbar sein, damit jedes Kind phasenweise ein Elternteil individuell und exklusiv für sich beanspruchen darf. Nicht zuletzt spielt die Offenheit der Adoptiveltern für fachliche Beratung und Unterstützung
eine entscheidende Rolle. Die Haltung, alles alleine schaffen zu können,
verbunden mit einer gewissen Beratungsresistenz, vergrößert die Gefahr des Scheiterns nach den vorliegenden Erfahrungen.

Die einzelnen Aspekte sind gerade bei Auslandsadoptionen teilweise nur schwer einzuschätzen. Beim Matching selbst sind die Hauptbeteiligten, also die Kinder und die potentiellen Adoptiveltern, der entscheidenden Instanz im Herkunftsland in der Regel nicht persönlich bekannt. Umso wichtiger ist es, dass die elternbezogenen Faktoren
wie Belastbarkeit und Beratungsoffenheit bereits im Sozialbericht und gegebenenfalls im psychologischen Gutachten adäquat erfasst werden. In Bezug auf die Kinder muss darauf geachtet wird, dass Informationen über die Qualität der Geschwisterbeziehung vorliegen. Nach im Ausland erfolgter Zuordnung obliegt es der deutschen Vermittlungsstelle einzuschätzen, ob die ins Auge gefasste Geschwisteradoption unter
fachlichen Gesichtspunkten wirklich im Interesse beider Kinder und auch der Adoptiveltern liegt.

8. Risikominimierung bei gemeinsamer Vermittlung

Sind Geschwister gemeinsam in einer Familie platziert worden, so muss alles getan werden, damit beide Kinder individuelle Eltern-Kind-Bindungen aufbauen können, sofern dies vom Alter der Kinder her noch möglich ist. Das setzt voraus, dass die Kinder möglichst oft getrennt werden, damit jedes ausreichend Zeit mit jeweils einem
Elternteil verbringen und seine ungeteilte Aufmerksamkeit genießen darf. Nur dann kann es sich wenigstens phasenweise als exklusiv erleben und verpasste Entwicklungsschritte nachholen, indem es regrediert und sich wie ein Baby oder Kleinkind z.B. tragen und füttern lässt. Über diese zwar nicht altersentsprechende, aber für die
Integration und den Bindungsaufbau notwendige intensive Bedürfnis-befriedigung kann schrittweise Heilung ermöglicht werden.

Ebenso ist es erforderlich, die Kinder im „Sich-Unterscheiden“ zu unterstützen, so dass sich jedes eine eigene Nische suchen kann, z.B. ein besonderes Hobby, ein Sachgebiet oder eine Fertigkeit, um sich damit hervorzutun und die Aufmerksamkeit der Eltern zu sichern. So lässt sich Rivalität konstruktiv nutzen. Diese Nischenbildung mildert Rivalitätskonflikte und Konkurrenz (Richard-Kopka, A.-D., 2003).
Dennoch bestehende Rivalitätskonflikte sollten angenommen und nicht durch starke Harmoniewünsche in der Familie verleugnet werden. Es hilft nicht sehr, „jedem Rivalen mehr Verständnis für den anderen Rivalen zu vermitteln und den Kindern die Berechtigung ihrer Gefühle auszureden“ (Nienstedt, M./Westermann, A., 2007, S.356). Kinder können diese Gefühle besser aushalten, wenn sie von den Eltern angenommen und verstanden werden, und dann auch helfende Eingriffe besser annehmen (ebd.). „Der Wunsch also, die Mama oder den Papa nur für sich alleine haben zu wollen, ist berechtigt“ (Hardenberg, O., Vortragsmitschrift). Auch eine „stetige Gleichbehandlung der Kinder hilft nicht, sie schürt oftmals noch die Rivalitätskonflikte. Es gilt die Unterschiedlichkeit zu sehen und zu thematisieren.“ (ebd., vgl.
Nienstedt, M./Westermann, A., 2007, S.357).

Bei Therapiebedürftigkeit empfiehlt es sich unbedingt, für jedes Kind einen eigenen Therapeuten auszuwählen, damit sich beide während der Behandlung als konkurrenzlos erleben und ihre Probleme individuell bearbeiten können. Es liegt auf der Hand, dass eine gestaffelte Platzierung viele Vorteile bieten würde. Dabei käme das jüngere Kind erst in die Familie, wenn dass ältere dort bereits „Fuß gefasst“ und eine Bindung zu den neuen Eltern aufgebaut hätte. (vgl. Wohnlich, A., 2003, S.23f.). Unter den besonderen Bedingungen einer Auslandsadoption scheint es jedoch fraglich, wie ein solches Procedere durchzuführen sei. Selbst wenn es gelänge, Einvernehmen mit der ausländischen Adoptionsbehörde hinsichtlich einer Staffelung zu erzielen, wäre es sehr schwierig, das jüngere Kind noch für viele Wochen oder Monate im Heim zu belassen und dann eine erneute, meist wochenlange Reise ins Herkunftsland zu unternehmen, um die zweite Adoption durchzuführen.

9. Erhalt geschwisterlicher Beziehungen bei getrennter Vermittlung

Entschließt man sich aus den vorgenannten Gründen zu einer getrennten Vermittlung, so kann dies zunächst sehr schmerzhaft und irritierend für die Kinder sein, auch wenn ihre Chancen für einen guten Neuanfang in der jeweiligen Adoptivfamilie erhöht werden. Das Geschwisterkind bleibt bedeutsam und ein Kontakt kann dann wieder gestaltet werden, wenn bei jedem Kind in der Adoptivfamilie neue Eltern-Kind-Beziehungen entstanden sind und die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen schon gut vorangeschritten ist. Anders sieht es aus, wenn die Geschwisterbeziehung durch massive Gewalt geprägt war oder eine Verzerrung z. B. durch Parentifizierung bestanden hat.

Im Falle einer früheren Parentifizierung sollte dem älteren Kind die Gewissheit vermittelt werden, dass es dem Geschwisterkind gut geht. Dann ist unter Umständen gar kein persönlicher Umgang mit dem bislang „versorgten“ jüngeren Geschwister notwendig und das ältere kann endlich die Chance ergreifen, selbst Kind sein und Bindungen zu seinen Adoptiveltern aufbauen zu dürfen.

10. Ausblick

Auch Adoptivfamilien sollten wie biologische Familien wachsen können. Nur so hat jedes Kind eine angemessene Zeit lang den gesamten Focus der Eltern, was insbesondere für traumatisierte Kinder höchst wichtig ist. Sie sollten für eine längere Zeit einziges oder jüngstes Kind in ihrer neuen Familie sein dürfen, um die so dringend benötige „Exklusivität“ genießen zu können. Jede Abweichung von dieser Regel ist tendenziell riskant und sollte gut abgewogen werden. Wenn man der Eltern-Kind-Bindung den Vorrang vor der Geschwisterbeziehung einräumt, dann müsste die entscheidende Frage bei einer geplanten Vermittlung von Geschwistern folgende sein: Würde eine gemeinsame Platzierung die Entstehung sicherer Bindungen eines oder beider Kinder an die Adoptiveltern voraussichtlich belasten oder gar behindern? In diesem Fall empfiehlt sich eine gemeinsame Vermittlung
nicht. Sie wäre nicht nur den Kindern gegenüber kaum zu verantworten,
sondern auch im Interesse der potentiellen Eltern abzulehnen, denen oft die Sachkenntnis über die komplizierte Psychodynamik und die Risiken der von ihnen angestrebten Geschwisteradoption fehlt. Hier hat die Vermittlungsstelle eine Verantwortung für Kinder und Adoptivbewerber. Sich dieser Verantwortung zu stellen, erfordert viel Fingerspitzengefühl und Standhaftigkeit.

Gleichfalls kann es schwierig sein, sich im Einzelfall dem Verlangen mancher Herkunftsländer nach gemeinsamer Geschwisteradoption zu widersetzen. In jedem Fall sind detaillierte Informationen über die Kinder erforderlich, um ihre Vorerfahrungen und ihre individuelle Geschwister-beziehung in ihren Implikationen für eine gemeinsame Vermittlung einschätzen zu können. Die Kinderberichte sind in dieser Hinsicht nicht immer aussagekräftig genug, sondern sollten ggf. durch entsprechende Gutachten ergänzt werden. Ein intensiver Fachaustausch zwischen Vermittlungsstelle und ausländischem Kooperationspartner kann da hilfreich sein, um zu einem realistischen Urteil zu gelangen.

Abschließend bleibt zu wünschen, dass zukünftig weitere Forschung im Bereich Geschwisteradoption fachlich vertretbare Entscheidungen erleichtert. Dringend erforderlich sind nicht nur quantitative Erhebungen, sondern auch qualitative Längsschnittuntersuchungen über die Entwicklung gemeinsam und getrennt vermittelter Geschwisterkinder
bis ins Erwachsenenalter hinein. Sie ermöglichen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die Chancen und Risiken der Geschwister-adoption und führen zu höherer Sicherheit bei zukünftigen Vermittlungen.

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Dieser Fachartikel erschien in "Kindschaftsrecht und Jugendhilfe" Ausgabe 10-2008

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