Sie sind hier

18.08.2023
Stellungnahme

Stellungnahme von Pfad-Niedersachsen e.V.

Der Pfad Niedersachsen e.V. - Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien in Niedersachsen - hat eine Stellungnahme zu einem Sommerinterview des MDR veröffentlicht, in dem es um eine Einschätzung zur Inklusion geht.

Themen:

Stellungnahme

Die Aussagen Björn Höckes, Fraktionsvorsitzender der AFD Thüringen, im Rahmen des Sommerinterviews im MDR haben viele Menschen in unserem Land erschüttert und machen Angst!

Auch Pfad-Niedersachsen e. V. mit seinen Familien ist hinsichtlich der Inhalte und Standpunkte der AFD in großer Sorge und verurteilt die Äußerungen und Inhalte aufs Schärfste. Die Aussage Höckes, die Inklusion sei ein Ideologieprojekt und das System Schule müsse von ihr befreit werden, steht eklatant gegensätzlich zu unserem Grundgesetz, indem seit 1994 fest verankert ist; „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“. Wir lehnen es ab und verurteilen es zutiefst, dass Politikern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unter Verwendung solch menschenverachtenden Vokabulars hinsichtlich Kinder mit Behinderungen, Migrationshintergrund und Lernschwächen ohne Konsequenzen eine Bühne geboten wird. Die Inklusion ist keine Sache; hinter ihr stehen Menschen!

Wir fordern hier auch die Medien zu mehr Verantwortungsübernahme auf!

Eine nur sehr schwache und schleppende Inklusion darf nicht zur Abschaffung, sondern muss zur guten und verlässlichen Ausstattung führen. Es braucht Innovationen, Mut und Mittel.

Seit Jahrzehnten setzt sich der Pfad-Niedersachsen e. V. für die Belange von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ein, die vorrübergehend oder auf Dauer nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können. Diese Kinder und Jugendlichen haben oft schwerste Traumatisierungen, sexuellen Missbrauch oder größte Vernachlässigungen erfahren und stellen somit eine hoch vulnerable Gruppe dar, die ganz besonders des Schutzes der Gesellschaft und des Staates bedürfen.

Die aktuell sehr angespannte Situation der Jugendhilfe, bedingt durch immer mehr Inobhutnahmen von Kindern bei gleichzeitigem Fachkräfte- und Pflegeelternmangel, muss politisch wie gesellschaftlich aufrütteln und dafür sorgen, dass Kinder und Familien in den Fokus genommen und die Bedarfe priorisiert werden, statt die Herausforderungen mit reaktionären und ausschließenden Forderungen zu beantworten. Wir alle sind hier gefordert, gemeinsam die Bedingungen zu verbessern und die Regierungen entsprechend aufzufordern, den Rotstift nicht bei den Kindern und Jugendlichen anzusetzen.

Pflegefamilien spiegeln einen Querschnitt der Bevölkerung wider. Alle sind wertvoll und schützens- und unterstützenswert. Durch diese bunte Vielfalt wird Kindern mit einem schweren Start ins Leben die Chance auf ein sicheres, geborgenes, schützendes und förderndes Aufwachsen gegeben.

ALLE Kinder sind unsere Zukunft!

Pfad Niedersachsen e. V. Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien

August 2023

Das könnte Sie auch interessieren

Arbeitspapier

Hilfeplanung inklusiv gedacht - Ansätze, Perspektiven, Konzepte

Das Bundesnetzwerk Ombudschaft in der Kinder- und Jugendhilfe hat einen Sammelband zur inklusiven Hilfeplanung veröffentlicht, in dem erstmals verschiedene theoretische Ansätze, fachliche Perspektiven und pädagogische Konzepte aus dem Bereich der Eingliederungs- und der Kinder- und Jugendhilfe gebündelt werden.
Bericht zur Veranstaltung

Tagungsbericht: Die Große Lösung - Warten auf Godot?

Das Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH hat einen Tagungsbericht zu seiner Fortbildung im Sept. 2014 über die Frage der 'Großen Lösung' veröffentlicht.
Stellungnahme

von:

von:

Zusammenführung der Leistungen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung im Sozialgesetzbuch VIII

Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege zur 'Großen Lösung' vom Jan. 2015
Stellungnahme

von:

Grundbedingungen für eine Inklusive Lösung

Ein Diskussionspapier der Fachverbände für Menschen mit Behinderung zu einer Inklusiven Lösung innerhalb der Reform des SGB VIII - u.a. auch in der Pflegekinderhilfe.
Arbeitspapier

von:

Der Verfahrenslotse als Inklusionslotse - eine Profilbeschreibung

Die vorliegende Profilbeschreibung ist aus Sicht des Bundesverbandes behinderter Pflegekinder (BbP) e.V. unter Mitwirkung der interdisziplinären Fachgruppe „Inklusive Pflegekinderhilfe“ entstanden und als Orientierung gedacht. Kontroverse Diskussionen und intensive Gespräche haben diese Veröffentlichung und das Meinungsbild angeregt. Der BbP begrüßt ausdrücklich weitere Impulse und Anregungen von der Basis bis zur Fachwelt und nimmt diese gerne mit in die laufende Arbeit auf.
Stellungnahme

Inklusion mit Augenmaß

Die Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin fordert mehr Teilhabe für Kinder mit hohem Betreuungsbedarf. „Inklusion ist möglich.“ Politische Absichtserklärungen allein reichen aber längst nicht mehr aus. So fehlen derzeit ausreichende Mittel zur barrierefreien Gestaltung von Räumen und vor allem ausreichend qualifiziertes Personal.
Stellungnahme

von:

Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien - Berücksichtigung im Bundesteilhabegesetz

Das 'Aktionsbündnis Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien' hat in einer Stellungnahme die Berücksichtigung der Pflegekinder im Bundesteilhabegesetz angemahnt.
Gutachten

von:

Schulbegleitung als Beitrag zur Inklusion

Diese Publikation zur Schulbegleitung ist eine überarbeitete und rechtlich aktualisierte Fassung der ersten Ausgabe aus 2016. In die Überarbeitung eingeflossen sind wesentliche Elemente aus dem gültigen Bundesteilhabegesetz (BTHG) sowie der Reform des SGB VIII.
Stellungnahme

von:

Auf dem Weg zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe

Der gesellschaftliche Diskurs über den Umgang mit Vielfalt bewegt sich im Spannungsfeld von Exklusion, Separation, Integration und Inklusion. Die AGJ erläutert diese verschiedenen Möglichkeiten und verweist auf die Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe für das Konzept der Inklusion.
Arbeitspapier

Inklusion in der Jugendhilfe - das in Kraft treten der neuen Gesetzesregelungen

Mit der Reform der Kinder und Jugendhilfe wird der Weg für eine inklusive Hilfe bereitet. Die im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz KJSG benannten Regelungen werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten rechtlich gültig und treten zum Teil erst zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft. Die Lebenshilfe hat ein Arbeitspapier erstellt mit einem Überblick über die für junge Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien relevanten Inkrafttretenszeitpunkte.