Sie sind hier

17.05.2022
Positionspapier

Inklusion gestalten! Wie inklusive Hilfen zur Erziehung möglich werden können

Ein Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ. Seit mehr als 10 Jahren ist die VN-Behindertenrechtskonvention (VN-BRK) in Kraft. Sie verpflichtet Deutschland, sein bestehendes Hilfesystem, dessen strukturelle Barrieren und Exklusionswirkungen zu überprüfen und neu zu gestalten, so dass gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen möglich wird. Die AGJ begrüßt daher ausdrücklich die Reform des SGB VIII und die damit verbundene Zielsetzung, die Kinder- und Jugendhilfe zu einem inklusiven Leistungssystem weiterzuentwickeln und die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft für alle jungen Menschen zu sichern.

Themen:

Aus der Einleitung des Positionspapiers der AGJ

In dem vorliegenden Papier setzt sich die AGJ mit Fragen zur fachlichen und organisatorischen Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe auseinander, zeigt Optionen zur schrittweisen Umsetzung eines inklusiven SGB VIII auf und spricht Empfehlungen aus. Dabei werden die mit dem inklusiven Paradigma verbundenen Anforderungen in den Blick genommen: an Verfahren und Instrumente zur Information, Beratung und Partizipation, an die Kooperation mit der Eingliederungshilfe, an den Kinderschutz sowie an die Jugendhilfeplanung und Qualitätssicherung. Die mit Verabschiedung des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes – KJSG im Sommer 2021 in Kraft getretenen Vorgaben zur Verbesserung der (zunächst) weiterbestehenden Schnittstelle zwischen SGB VIII und SGB IX-2. Teil und die spätestens 2024 vorzuhaltenden Verfahrenslotsen werden aufgegriffen.

Die AGJ ermutigt die freien und öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe ausdrücklich, sich jetzt gemeinsam auf den Weg zu begeben. Es gilt, tragfähige Verfahren, Konzepte und Rahmenbedingungen zu konzipieren, die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe der Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen in den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe langfristig gewährleisten. Das KJSG enthält wichtige Weichenstellungen, die an seit langem vertretene Fachpositionen anknüpfen und diese bestärken. Es gilt nun, die erforderliche Umsetzung in einer breiten Allianz aus Politik (Bund, Land und Kommune), öffentlichen wie freien Trägern beider Leistungssysteme, Wissenschaft, Praxis sowie weiteren relevanten Akteur*innen aus anderen Gesellschaftsbereichen (u. a. Gesundheit, Bildung) aufzubauen.  

INHALT

Einleitung

Information – Beratung – Partizipation neu ausrichten
1.1  Anforderungen an eine inklusionssensible Kommunikation und Interaktion
1.2  Hilfeplanung inklusiv denken – jetzt und zukünftig
1.3  Die neue Institution des Verfahrenslotsen gem. § 10b SGB VIII in der Praxis ausgestalten

 Inklusion erfordert Kooperation von Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe
2.1  Beratende Teilnahme des Jugendamtes am Gesamtplanverfahren
2.2  Übergangsplanung vom SGB VIII in das SGB IX

Kinderschutz mit Blick auch auf spezifische Bedarfe
3.1  Neue Anforderungen an die insoweit erfahrene Fachkraft
3.2  Inobhutnahme auch von Kindern mit geistiger und / oder körperlicher Behinderung
3.3  Inklusionssensible Schutzkonzepte in den Hilfen zur Erziehung

Planung und Qualitätssicherung
4.1  Jugendhilfeplanung und Qualitätssicherung als Weichenstellung
4.2  Vereinbarungen zur Qualitätsentwicklung anpassen
4.3  Inklusiv ausgerichtete Konzeptentwicklung in der (teil-) stationären Betreuung junger Menschen

Begleitende Forschung und kontinuierliche Anpassungsanstrengungen der Strukturen auf dem Weg zu einer inklusiven KJH

Das könnte Sie auch interessieren

Stellungnahme

von:

Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien - Berücksichtigung im Bundesteilhabegesetz

Das 'Aktionsbündnis Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien' hat in einer Stellungnahme die Berücksichtigung der Pflegekinder im Bundesteilhabegesetz angemahnt.
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Eltern geben inklusiven Schulen gute Noten

Eltern geben inklusiven Schulen bessere Noten als solchen, die keinen gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Handicap anbieten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap für die Bertelsmann Stiftung hervor.
Stellungnahme

Stellungnahme von Pfad-Niedersachsen e.V.

Der Pfad Niedersachsen e.V. - Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien in Niedersachsen - hat eine Stellungnahme zu einem Sommerinterview des MDR veröffentlicht, in dem es um eine Einschätzung zur Inklusion geht.
Bericht zur Veranstaltung

Tagungsdokumentation: Von der Wiege bis zur Bahre... die UN-Behindertenrechtskonvention einmal zu Ende gedacht

Menschen mit und ohne Behinderung kamen am 5. Februar 2013 in Frankfurt a. M. zur Fachtagung des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik zusammen. Die Ergebnisse wurden nun von der ISS veröffentlicht.
Arbeitspapier

von:

Der Verfahrenslotse als Inklusionslotse - eine Profilbeschreibung

Die vorliegende Profilbeschreibung ist aus Sicht des Bundesverbandes behinderter Pflegekinder (BbP) e.V. unter Mitwirkung der interdisziplinären Fachgruppe „Inklusive Pflegekinderhilfe“ entstanden und als Orientierung gedacht. Kontroverse Diskussionen und intensive Gespräche haben diese Veröffentlichung und das Meinungsbild angeregt. Der BbP begrüßt ausdrücklich weitere Impulse und Anregungen von der Basis bis zur Fachwelt und nimmt diese gerne mit in die laufende Arbeit auf.
Stellungnahme

von:

Inklusion ist mehr als eine Verschiebung von Leistungen und Zuständigkeiten!

Neben dem langfristigen Ziel einer möglichst klaren Regelung der Zuständigkeiten sind aus Sicht des Deutschen Vereins besonders kurz- und mittelfristig Lösungen zur Verringerung der bestehenden Abgrenzungsschwierigkeiten erforderlich.
Stellungnahme

von:

„Inklusion als Impuls: Hinweise und Anmerkungen aus der Sicht der Kinder- und Jugendhilfe

Stellungnahme des DIJuF - Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht - vom Mai 2015 zur Inklusionsumsetzung
Arbeitspapier

von:

Der Verfahrenslotse gemäß § 10b SGB VIII - Impulse für die Anforderungen und Umsetzungen der neuen Aufgabe

Das zehnte Papier im Zyklus der IMPUL!SE der AFET - Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. Das Papier setzt sich mit der neuen Aufgabe des Verfahrenslotsen auseinander, die ab dem 1. Januar 2024 vom Träger der örtlichen Jugendhilfe zu leisten ist.
Fachartikel

von:

herausgegeben von:

Inklusion in der Pflegekinderhilfe? Pflegeverhältnisse für Kinder mit Behinderung

Dieser Artikel befasst sich mit Anforderungen an Pflegeverhältnisse in denen Kinder mit einer Behinderung leben. Dafür werden Untersuchungsergebnisse vorgestellt und Konsequenzen für begleitende Soziale Dienste vorgeschlagen. Abschließend werden Chancen und Grenzen von Inklusion in der Pflegekinderhilfe diskutiert.
Gutachten

von:

Schulbegleitung als Beitrag zur Inklusion

Diese Publikation zur Schulbegleitung ist eine überarbeitete und rechtlich aktualisierte Fassung der ersten Ausgabe aus 2016. In die Überarbeitung eingeflossen sind wesentliche Elemente aus dem gültigen Bundesteilhabegesetz (BTHG) sowie der Reform des SGB VIII.