Sie sind hier

10.09.2026
Nachricht

Eingliederungshilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung

In der Pressemitteilung "Schulbegleitung und Co.: Zahl der Eingliederungshilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt" erläutert das Bundesamt für Statistik anhand der Zahlen und Ursachen der letzten Jahre, wieso sich diese Hilfe so stark erhöht hat.

Zahl der Eingliederungshilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt

  • Psychische Belastungen und Entwicklungsauffälligkeiten sowie schulische oder berufliche Probleme häufigste Gründe
  • Ausgaben für entsprechende Eingliederungshilfen für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung lagen 2024 bei 3,5 Milliarden Euro
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler mit emotionalem und sozialem Förderbedarf nahm binnen zehn Jahren um 44 % zu

Die geplante Reform der Kinder- und Jugendhilfe betrifft auch die Schulbegleitung von Kindern mit sogenannter seelischer Behinderung. Die Zahl der Eingliederungshilfen für betroffene Kinder, Jugendliche und junge Volljährige, unter die auch individuelle Schulbegleitungen fallen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Im Jahr 2024 haben die Träger der Kinder- und Jugendhilfe gut 174 000 solcher Eingliederungshilfen gewährt, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Das waren mehr als doppelt so viele (+115 %) wie im Jahr 2014 mit knapp 80 800 Eingliederungshilfen für seelisch behinderte junge Menschen. Diese Hilfen sollen Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen, die von einer seelischen Behinderung betroffen oder bedroht sind, die Teilhabe am sozialen Leben erleichtern. Das umfasst beispielsweise Beratungs- und Therapieangebote, aber auch Kita- und Schulbegleitungen und Integrationsassistenzen. Diese haben im Schulalltag an Bedeutung gewonnen und dürften eine Ursache für den Anstieg der gewährten Hilfen sein. Die Hilfen richten sich an junge Menschen, deren seelische Gesundheit von dem für ihr Alter typischen Zustand abweicht und deren Teilhabe am Leben in der Gesellschaft deshalb beeinträchtigt oder bedroht ist.

Häufigste Gründe sind psychische Belastungen und Entwicklungsauffälligkeiten

Die Eingliederungshilfen wurden 2024 aus einer Vielzahl an Gründen neu eingeleitet. Mit Abstand am häufigsten waren es seelische Probleme oder Entwicklungsauffälligkeiten (69 %), dazu zählten zum Beispiel Ängste, suizidale Tendenzen oder Entwicklungsverzögerungen. In 53 % der Fälle wurden die Hilfen aufgrund von schulischen oder beruflichen Problemen gewährt, etwa bei ADHS, Hyperaktivität oder schulvermeidendem Verhalten. Auffälligkeiten im Sozialverhalten wie Isolation, Drogenkonsum oder Aggressivität waren in 36 % der Fälle ein Grund. Es konnten auch mehrere Gründe für die Einleitung einer Hilfe genannt werden. Im Schnitt dauerte eine Eingliederungshilfe knapp zwei Jahre (23 Monate).

Sieben von zehn Betroffenen sind Jungen

45 % der Hilfen hatten im Jahr 2024 Kinder von 6 bis 11 Jahren in Anspruch genommen, 42 % Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren. Junge Volljährige ab 18 Jahren (11 %) und Kinder unter 6 Jahren (2 %) waren weniger betroffen. Sieben von zehn Betroffenen waren Jungen (70 %).

Ausgaben für Eingliederungshilfen binnen zehn Jahren verdreifacht

Die Ausgaben für Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche sind in den letzten Jahren stark gestiegen: Binnen zehn Jahren haben sie sich mehr als verdreifacht. Die Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden in diesem Bereich beliefen sich allein für minderjährige Kinder und Jugendliche im Jahr 2024 auf 3,5 Milliarden Euro. 2014 lagen die Ausgaben noch bei gut 1,1 Milliarden Euro. Auch ihr Anteil an den Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe für die Einzel- und Gruppenhilfen sowie die anderen Aufgaben nach dem SGB VIII ist gestiegen: von 8 % im Jahr 2014 auf 12 % im Jahr 2024. Zur Einordnung: Insgesamt hatten sich die Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe von 2014 bis 2024 auf 78,8 Milliarden Euro mehr als verdoppelt (+108 %). Darunter fallen etwa Ausgaben für Kindertagesbetreuung, Hilfen zur Erziehung, sozialpädagogische Familienhilfe sowie Angebote und Einrichtungen der Jugendarbeit.

111 700 Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“

Eine zunehmende Anzahl an Kindern und Jugendlichen mit einem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt zeigt sich auch in der Schule. Dort werden Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt in verschiedenen Bereichen erfasst, die jedoch nicht deckungsgleich mit den Gründen für die genannten Eingliederungshilfen sind. In den letzten zehn Jahren ist beispielsweise die Zahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“ um 44 % gewachsen: Im Schuljahr 2024/2025 betraf dies 111 700 Kinder und Jugendliche. Davon wurden mit 64 400 Schülerinnen und Schülern mehr als die Hälfte (58 %) inklusiv an regulären Schulen unterrichtet, die übrigen an Förderschulen.

28 % mehr geförderte Schülerinnen und Schüler binnen zehn Jahren

Insgesamt stieg die Zahl der sonderpädagogisch geförderten Schülerinnen und Schüler über alle Schularten hinweg binnen zehn Jahren um 28 % auf 610 800 im Schuljahr 2024/2025. Darunter sind beispielsweise Kinder und Jugendliche, die wegen emotionaler und sozialer, körperlicher oder geistiger Entwicklungsverzögerungen gefördert werden, sowie jene mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sehen, Hören oder Sprache.

Zahl der Integrationsschülerinnen und -schüler gestiegen

Dabei gibt es nicht nur mehr Angebote für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf, ihnen wird immer häufiger ermöglicht, an regulären Schulen unterrichtet zu werden. Binnen zehn Jahren ist die Zahl dieser Integrationsschülerinnen und -schüler um gut drei Viertel (77 %) auf 270 500 im Schuljahr 2024/2025 gestiegen. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Förderschülerinnen und -schüler leicht um 5 % auf 340 300.

destatis-Pressemitteilung vom 9. September 2026

Mit dem u.a. Link zur Webseite von destatis können Sie die Erläuterungen nochmals durch Grafiken vertiefen.  

Das könnte Sie auch interessieren

Nachricht

210 000 junge Menschen wuchsen 2021 in Pflegefamilien oder Heimen auf

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 27. Oktober 2022.
Nachricht

Leichter Rückgang der Vollzeitpflege

Die Vollzeitpflege ist im Jahre 2020 leicht gegenüber dem Jahr 2019 geschrumpft. Während es im Jahr 2019 91176 Unterbringungen in Vollzeitpflege gab, wurden in 2020 89736 Unterbringungen in Vollzeitpflege dem statistischen Bundesamt gemeldet.
Nachricht

Kindeswohlgefährdungen auf neuem Höchststand

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Deutschland hat das dritte Mal in Folge einen neuen Höchststand erreicht: Im Jahr 2024 stellten die Jugendämter in Deutschland bei rund 72 800 Kindern oder Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt fest. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg die Zahl der Kindeswohlgefährdungen damit binnen fünf Jahren um fast ein Drittel.
Nachricht

Erzieherische Hilfen erreichen mit 1,02 Millionen Fällen im Jahr 2019 neuen Höchststand

Im Jahr 2019 haben die Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland 1,017 Millionen erzieherische Hilfen für junge Menschen unter 27 Jahren gewährt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren dies 13 500 Fälle mehr (+1,3 %) als im Jahr 2018. Damit haben die erzieherischen Hilfen nicht nur das zweite Jahr in Folge die Millionengrenze überschritten, sondern auch einen neuen Höchststand erreicht: Zwischen 2009 und 2019 sind die Fallzahlen der in Anspruch genommenen erzieherischen Hilfen kontinuierlich gestiegen, und zwar um 182 000 Fälle (+22 %)
Nachricht

Fast drei Viertel der Adoptivkinder von eigenen Stiefmüttern oder -vätern angenommen

Das Statistische Bundesamt hat Mitte August aktuelle Daten zu den Adoptionen in 2023 veröffentlicht.
Nachricht

Inobhutnahme von 69 500 Kindern und Jugendlichen in 2024

Das Statistische Bundesamt teilte die Inobhutnahmen für 2024 mit. Gegenüber 2023 waren es 7 % weniger. Es gab weniger Inobhutnahmen durch unbegleitete Einreisen (-22 %), aber mehr Inobhutnahmen durch dringende Kindeswohlgefährdungen (+10 %) und Selbstmeldungen (+10 %). Der größte Anstieg erfolgte aufgrund körperlichen Misshandlungen und Vernachlässigungen. Eine Maßnahme dauerte im Schnitt gut zwei Monate – fast zwei Wochen mehr als 2023.
Nachricht

Jugendämter melden 10 % mehr Kindeswohlgefährdungen im Jahr 2025

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist das vierte Mal in Folge auf einen neuen Höchststand gestiegen: Im Jahr 2025 haben die Jugendämter in Deutschland bei rund 79 800 Kindern oder Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt festgestellt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 10 % oder rund 7 000 Fälle mehr als 2024.
Nachricht

Immer mehr Stiefväter und Stiefmütter adoptieren Kinder unter drei Jahren

Mitteilung des statistischen Bundesamtes zu Adoptionen: Zwei Drittel aller Adoptivkinder werden von einem Stiefelternteil angenommen. Anteil unter 3-jähriger Stiefkinder an allen Adoptivkindern steigt auf 27 %. Stiefkindadoptionen sind im Westen deutlich häufiger als im Osten. Fremdadoptionen sinken im Zehnjahresvergleich um 30 %
Nachricht

Immer mehr Eingliederungshilfen für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung

Das Statistische Bundesamt weist auf eine erhebliche Veränderung der Eingliederunghilfe für Kinder und Jugendliche mit seelischer Beeinträchtigung hin: Die Zahl der Fälle ist von 2009 bis 2019 um 156 % gestiegen. Im Jahr 2019 war fast die Hälfte der betroffenen Kinder zwischen 9 und 13 Jahre alt. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit emotionalem und sozialem Förderbedarf nahm binnen zehn Jahren um 72 % zu. Es gibt deutlich mehr Integrationsschülerinnen und -schüler als noch vor zehn Jahren.