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15.01.2024

Sicherung der Rechte von jungen Menschen in Pflegeverhältnissen

Eine weitere Empfehlung zur Pflegekinderhilfe der Landesjugendämter Rheinland und Westfalen.
Aus der Einleitung der Empfehlung

Die vorliegende Empfehlung richtet sich an Fachkräfte der Pflegekinderhilfe öffentlicher und freier Träger sowie an alle weiteren Fachkräfte, die mit den Beteiligten und den Prozessen eines Pflegeverhältnisses gemäß § 33 SGB VIII in Berührung kommen.

Der Begriff Pflegeverhältnis umfasst dabei alle Formen von Hilfen, die gemäß § 33 SGB VIII gewährt werden und inkludiert somit die allgemeine Vollzeitpflege, familiäre Bereitschaftsbetreuung, Verwandtenpflege, Netzwerkpflege und auch alle Hilfen gemäß § 33 Satz 2 SGB VIII.

Um den Lesefluss zu fördern, sind immer dann, wenn von Fachkräften der „Pflegekinderdienste“ oder „Fachdienste“ die Rede ist, auch alle Fachkräfte freier Träger der Pflegekinderhilfe gemeint. Zur Vereinfachung wird überwiegend für alle Fachkräfte, die aktiv an der Ausgestaltung des Pflegeverhältnisses beteiligt sind, der Begriff „Fachkräfte in der Pflegekinderhilfe“ verwendet.

An dieser Stelle soll explizit hervorgehoben werden, dass in Nordrhein-Westfalen viele freie Träger vielfältige Aufgaben für die Beteiligten an der Hilfeform der Vollzeitpflege gemäß § 33 SGB VIII übernehmen und somit bedeutenden Anteil an der Ausgestaltung von entsprechenden Angeboten für die Adressat:innen haben.

Da es in Nordrhein-Westfalen viele Begriffe für den Sozialen Dienst oder auch Allgemeinen Sozialen Dienst bzw. Bezirkssozialdienst gibt, wird auch hier ein Begriff im gesamten Empfehlungstext verwendet („Sozialer Dienst“), der alle Fachkräfte, die sich zugehörig fühlen, umfasst. [....]

Die Empfehlung beschreibt die zentralen Themen, mit denen Fachkräfte im Kontext der Beratung und Unterstützung von Pflegeverhältnissen gemäß § 33 SGB VIII, in denen Rechte von jungen Menschen gewahrt werden sollen, in Kontakt kommen.

Zentrale Schlüsselprozesse bei Trägern der Pflegekinderhilfe, die maßgeblich verantwortlich sind, die Rechte von jungen Menschen in Pflegeverhältnissen zu sichern, sind:

  • die Sensibilisierung für die Machtstrukturen innerhalb der eigenen Organisation, die die adäquate Wahrnehmung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Pflegeverhältnissen behindern,
  • die Sensibilisierung von allen Akteur:innen der kommunalen Infrastruktur für die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Pflegeverhältnissen
  • die umfassende Beteiligung von jungen Menschen in Pflegeverhältnissen an der Istzustandsanalyse sowie der Entwicklung und Umsetzung von angemessenen Instrumenten zur Sicherung der Rechte von jungen Menschen in Pflegeverhältnissen
  • die Anpassung von partizipativen Methoden an die Zielgruppe
  • die Berücksichtigung von Kinder- und Jugendrechten beim Auswahlverfahren und allen Qualifizierungsmaßnahmen für Pflegepersonen
  • die Entwicklung von Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten und Implementierung von Vertrauenspersonen für junge Menschen

Das Kapitel „Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse in der Pflegekinderhilfe“ führt in die Thematik ein und ist somit als Präambel zu verstehen.

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