Sie sind hier

12.10.2012
Geänderte Rechtslage

Besserer Schutz für Pflegekinder in der Schweiz

Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen, dass die Vermittlung von Pflegekindern sowie die Begleitung der Pflegefamilien zukünftig einer Melde- und Aufsichtspflicht unterliegen.

Relevant in:

Themen:

Mit dieser Neuerung will der Bundesrat Missbräuche bei der Platzierung und Betreuung von Minderjährigen verhindern. Er hat am Mittwoch eine entsprechende Revision der Pflegekinderverordnung (PAVO) verabschiedet. Auf die ursprünglich vorgesehene umfassende Bewilligungspflicht bei der so genannten Tagesbetreuung verzichtet der Bundesrat hingegen.

Die Vermittlung von Dienstleistungsangeboten in der Familienpflege ist heute nicht geregelt. Die Änderung der PAVO beseitigt diesen Mangel, indem sie eine Melde- und Aufsichtspflicht einführt. Davon erfasst werden die Vermittlung von Plätzen in Pflegefamilien im In- und Ausland sowie weitere Angebote wie die begleitende Unterstützung von Pflegefamilien, deren Aus- und Weiterbildung oder die Beratung und Therapie von Pflegekindern. Eine zentrale kantonale Behörde nimmt die Meldungen entgegen und beaufsichtigt die Anbieter dieser Dienstleistungen. Stellt die Behörde schwerwiegende Mängel fest, kann sie die Tätigkeit des Anbieters untersagen, bis er die Mängel beseitigt hat. Um den Kantonen genügend Zeit für die Einsetzung der neuen Behörde einzuräumen, wird diese Änderung per 1. Januar 2014 in Kraft gesetzt.

Neu gelten zudem für ausländische Betreuungsangebote gewisse Grundvoraussetzungen. Pflegeplätze im Ausland müssen behördlich bewilligt und beaufsichtigt werden. Es muss weiter gewährleistet sein, dass im Ausland platzierte Minderjährige nicht sich selbst überlassen werden, sondern dass sie sich jederzeit an eine Kontakt- bzw. Vertrauensperson in der Schweiz wenden können.

Die Revision der PAVO dehnt ferner den Schutz von fremdplatzierten Kindern in der Familienpflege bis zu deren Mündigkeit aus. Nach geltendem Recht muss eine Bewilligung einholen, wer ein schulpflichtiges Kind oder ein Kind unter 15 Jahren in seine Familie aufnehmen will. Damit ist künftig die Platzierung in einer Pflegefamilie wie die Vollzeitbetreuung in Heimen bis zum Erreichen des 18. Altersjahres bewilligungspflichtig. Schliesslich sieht die Revision vor, dass für die entgeltliche Betreuung von Minderjährigen in einer Pflegefamilie neu bereits für eine Dauer von mehr als einem Monat (statt wie bisher erst nach drei Monaten) eine Bewilligung erforderlich ist. Die unentgeltliche Betreuung von weniger als drei Monaten bleibt wie heute bewilligungsfrei. Dieser Teil der Revision tritt am 1. Januar 2013 in Kraft.

Quelle: Medienmitteilung des Schweizer Bundesrates vom 10.10. 2012

Das könnte Sie auch interessieren

Alltag mit Kindern

Pflegekind - Wunschkind auf Zeit

Spiegel online zeigt einen kurzen Film über die Aufnahme eines Pflegekindes in Dresden.
Tiefergehende Information

Pflegekind und Opferentschädigung

Was können Sie tun, wenn das Pflegekind Opfer von Gewalt und damit berechtigt ist, Opferentschädigung zu erhalten?
Tiefergehende Information

Beteiligung des Pflegekindes an der Hilfeplanung

Informationen und Überlegungen zu der Frage, wie die ernsthafte Beteiligung der Pflegekinder an den Entscheidungen im Hilfeplanverfahren gestärkt und vertieft werden kann.
Tiefergehende Information

Praktische Veränderungen für das Pflegekind bei Volljährigkeit

Eine Auflistung der Dinge, die sich für ein Pflegekind nach dem 18. Geburtstag verändern, wenn es nicht mehr in der Pflegefamilie lebt:
Erfahrungsbericht

von:

Meine Erfahrungen als Pflegekind

Kai Christopher Kipper ist ein erwachsenes Pflege"kind", der bereits in der FAZ vorgestellt wurde und selbst über sich als Pflegekind geschrieben hat.
Tiefergehende Information

Studie: "geeignete Wohnformen für junge Erwachsene mit FASD"

Junge Erwachsene mit FAS/FAE haben oft grosse Schwierigkeiten, eine geeignete Wohnform für sich zu finden. FASworld e.V. arbeitet gerade an einer Studie zu diesem Thema und hat dazu einen Fragebogen entwickelt, den Sie hier finden. Von Irm Wills
Tiefergehende Information

iCanDo Pflegekinder - Außergewöhnlich - Betreut

Wildfang e.V. und die PfliZ gGmbH bieten seit 2003 ihr iCanDo Programm an, ein Ferienangebot speziell für Kinder aus Adoptiv- und Pflegefamilien.
Interview

herausgegeben von:

"Menschenrechte der Kinder werden mit Füßen getreten"

Interview mit den Reportern Gesine Enwaldt und Kersten Schüßler im Gespräch mit NDR.de zu ihrer Panorama-Sendung über Pflegekinder und damit verbundenen Jugendamtsentscheidungen.
Hinweis

von:

Wenn Kinder in Pflegefamilien aufwachsen

Etwa 75.000 Pflegekinder gibt es in Deutschland, knapp 3.500 leben in Rheinland-Pfalz. Und immer wieder kommen Aufrufe der Jugendämter, dass Pflegeeltern gesucht werden. SWR - Landesschau Rheinland Pfalz hat einen Film über Pflegekinder und Pflegeeltern gesendet und informiert über Wissenswertes auf seiner Webseite.
Projekt

Neue App soll Rechte von jungen Menschen in Pflegefamilien stärken

Zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention veröffentlicht das Verbundprojekt FosterCare eine App, die dabei helfen soll, die Beteiligungs-, Schutz- und Beschwerderechte von jungen Menschen in Pflegefamilien zu stärken. Entwickelt wurde die App im Verbundprojekt FosterCare am Universitätsklinikum Ulm, der Hochschule Landshut und der Universität Hildesheim.