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Alltägliches Leben mit einem Pflegekind oder Adoptivkind
Das Pflege/Adoptivkind fühlt, denkt und handelt anders als die Pflege-/Adoptiveltern dies durch ihre leiblichen Kinder gewöhnt sind. Kinder reagieren auf das, was sie im Leben erfahren haben, und Erfahrungen dieser Kinder sind andere Erfahrungen als die der leiblichen Kinder.
Die leiblichen Kinder der Pflege-/Adoptiveltern haben fürsorgende Eltern erfahren, auf die sie sich verlassen konnten. Dies ermöglichte es ihnen Vertrauen, Zugehörigkeitsgefühle, sichere Bindungen und eine Offenheit der Welt gegenüber aufzubauen. Die Familie kann aufeinander bauen, sie kann einander vertrauen. Man "kennt" sich eben.
Pflegekinder und Adoptivkinder haben dagegen eine andere Lebensgeschichte, die ihre Erfahrungen, ihre Befindlichkeiten, und ihre Handlungen prägt. Sie alle haben Erfahrungen von Trennungen, aber viele auch von Vernachlässigung oder von Gewalt und möglichem sexuellem Missbrauch. Solche Erfahrungen sind besonders für junge Kinder überwältigend, nicht beeinflussbar, nicht einschätzbar. Die Kinder fühlen sich hilflos ausgeliefert, hoffnungslos verlassen, ohne Macht und ohne Aussicht auf eine Veränderungsmöglichkeit. Das traumatisiert die Kinder. Sie haben noch kein Muster, noch kein Modell in ihrem Leben entwickeln können, mit dem sie auf ein solches Erleben reagieren können. Solche Erfahrungen prägen das Kind besonders in seiner Einschätzung von sich selbst und beeinflussen im hohen Maße seine Sicht der Welt
Pflege-/Adoptivkinder haben aufgrund ihrer Lebensgeschichte andere Wichtigkeiten und andere Wertigkeit im Leben. Sie sind dabei, neue Lebensmuster zu entdecken, neue Beziehungen zu finden, alte Narben heilen zu lassen etc. Dies alles zeigt die hochgradige Unsicherheit und das innere Chaos des Kindes. Es hat Lebensmuster, die jetzt nicht mehr passen und kann das Neue, das es jetzt erlebt, noch schwer nachvollziehen und verstehen. Das Kind deutet sein Erleben in der neuen Familie mit den Erfahrungen in der alten Familie. Leichter ist es die Welt zu verstehen, wenn sie abläuft wie immer. Schwieriger ist es, die Welt zu verstehen, wenn sie sich verändert - und noch schwieriger ist das Verstehen, wenn ich auf diese Veränderung keinen Einfluss habe.
Darüber hinaus sind die Kinder in ihrer Gefühlsentwicklung bei weitem nicht altersgemäß entwickelt und haben häufig die Bedürfnisse von Kleinkindern. Mit diesen zwiespältigen Gefühlen, Erfahrungen und Bedürfnissen leben die Kinder den Alltag in der Pflege-/Adoptivfamilie.
Dazu kommen speziell für ein Pflegekind noch äußere Bedingungen, die das Kind als Pflegekind in seiner jetzigen Familie erlebt und die natürlich das Kind beeindrucken und beeinflussen.
Seine Position als Pflegekind bedeutet:
} einen anderen Namen zu haben,
} Kind mit "alten" Eltern zu sein und Besuchskontakte zu haben,
} Kind mit "neuen" Eltern zu sein, die nur eingegrenzt entscheiden dürfen,
} Ein "Jugendamt"-Kind zu sein und evtl. einen Vormund zu haben,
} Als "Pflegekind" von seiner Umgebung gesehen und bewertet zu werden,
} Oft eine unklare Lebensperspektive zu haben.
Stand der Informationen in diesem Themenheft: Februar 2020. Alle Angaben ohne Gewähr.
Die Inhalte können nicht als steuerliche Beratung oder Rechtsberatung gewertet werden.
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Inhaltsverzeichnis
- Pflege- und Adoptivkinder und ihr Verhalten..
- Das Verhalten verstehen..
- Gutes Zuhören bringt Verstehen..
- Willkommen und Abschied..
- Wenn die Seele splittert Dissoziation als Überlebensmechanismus – von Maria Heilmann (Auszüge) –..
- Verhaltensauffälligkeiten durch Exekutivstörungen Henrike Hopp..
- Resilienz – Was Kinder und Erwachsene stärkt und in ihrer Entwicklung unterstützt – von Georg Kormann (Auszüge) –..
- Erwartungen an die Welt Interview von Henrike Hopp mit Susanne Lambeck zum Thema Bindung
- Alles, was kommt, das geht auch wieder - die Pubertät – von Susanne Lambeck –..
- Aufwachsen in einer Pflegefamilie hat Auswirkungen auf die leiblichen Kinder.
ohne weitere Verpflichtung







