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11.03.2009
Erfahrungsbericht

Teil 2 - Wo gehöre ich hin? - Erfahrungsbericht

Da ich eine etwas andere Hautfarbe habe, als meine Eltern und Geschwister habe ich früh angefangen zu fragen, warum ich anders aussehe. Meine Eltern haben nie ein Geheimnis daraus gemacht und haben von Anfang an ehrlich und ausführlich mit mir darüber gesprochen, dass ich adoptiert bin.

An dieser Stelle möchte ich meine Suche nach der Identität kurz erzählen, damit man einen Eindruck bekommt wie so etwas ablaufen kann, Ich habe von diesem Leitfaden erst jetzt etwas erfahren. Hätte ich bei meiner Suche davon gewusst, hätte ich Ihn vielleicht benutzt Dazu muss ich sagen, dass meine Eltern mich Immer unterstützt haben, insofern hätte ich ihn gar nicht gebraucht Um keine Verwirrung in den Text zu bringen sollte ich wohl anmerken, wenn ich von meinen Eltern rede, dann sind meine Adoptiveltern gemeint und die anderen sind meine Erzeuger- meine biologischen Eltern.

Da ich eine etwas andere Hautfarbe habe, als meine Eltern und Geschwister habe ich früh angefangen zu fragen, warum ich anders aussehe. Meine Eltern haben nie ein Geheimnis daraus gemacht und haben von Anfang an ehrlich und ausführlich mit mir darüber gesprochen, dass ich adoptiert bin.

In der Grundschulzeit fing ich dann an zu rebellieren und wollte wissen wer meine Erzeuger sind, warum sie mich abgegeben haben usw. Meine Eitern haben mich in der Zeit immer tatkräftig unterstützt, haben sogar wann immer ich den Wunsch hatte, eine Sozialarbeiterin eingeladen, die aber meine Fragen nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten konnte und so gab ich mich nur äußerlich zufrieden, innerlich aber schmerzte es, nicht mehr in Erfahrung gebracht zu haben. Es hieß immer nur „deine leibliche Mutter war zu jung um dich zu be- halten und dein leiblicher Vater ist einfach abgehauen“. Auf meine Bitte, meiner leiblichen Mutter etwas von meinem Wunsch, dass ich sie gerne kennen lernen möchte, zu erzählen, bekam ich als Elfjährige von der Sozialarbeiterin nur zu hören „ich kann deine Mutter nicht auf dich ansprechen, dass muss sie schon selber machen‘ Dies machte mich innerlich immer nur noch wütender, ich entwickelte zu dieser Zeit ein Hassgefühl auf meine (Adoptiv)Mutter, das sie damit begründete, dass ich in Wirklichkeit nicht sie hasste sondern meine leibliche Mutter, was ich unbewusst auf sie projizierte. Durch lange Gespräche verstand ich dann warum ich dieses tat und konnte dann besser mit der Situation umgehen.

Lange Zeit später, bis zu meinem 16. Lebensjahr, war ich zufrieden mit der Situation und dem derzeitigen Wissen um meine Adoption. Dann aber hatte ich wieder den Wunsch meine leibliche Mutter kennen zu lernen oder wenigstens ein Foto von ihr zu haben, was meine Mutter äußerlich mit Gelassenheit hinnahm. Sie sagte mir sogar, sie werde mich dabei unterstützen und helfen meine leibliche Mutter kennen zu lernen.

Mit 18 Jahren war es dann auch soweit und ich lernte sie kennen. Meine Mutter kannte den Mädchennamen und stellte den Kontakt zu ihr her. Das erste Treffen fand auf meinen Wunsch, da ich unsicher wurde, auf „neutralem Boden zwischen meiner Mutter und der Frau, die mich geboren hatte“, statt. Außerdem bat ich meine Mutter mir ein Foto von ihr mitzubringen, damit ich schon mal einen ersten Eindruck bekommen konnte. Die erste Hürde war genommen und nun lag es an mir ein persönliches Treffen zu arrangieren.

Ich zögerte lange bis ich den Mut hatte meine leibliche Mutter anzurufen, um ein Treffen zu vereinbaren. Es kommt mir vor, als wäre dies gestern gewesen. Ich erzählte von meinen Sorgen und Ängsten und meine Eltern beruhigten mich, indem sie mir sagten „Wir sind bei dir und lieben dich‘.

Als dann der Tag kam, ich vor der Tür stand, war ich nervös und unsicher, denn ich wusste nicht, ob ich das richtige tat

Das Zusammentreffen war dann eine komische Situation und zum Glück hatte ich mit meinem Vater eine Zeit des „Wiederabholens“ vereinbart In dem Gespräch mit meiner leiblichen Mutter habe ich all das erfahren, was ich schon immer wissen wollte und das zu meiner vollkommenen Befriedigung. Durch diese Zusammenkunft wurde mir eigentlich nur noch einmal mehr bestätigt und bewusst, wo ich hingehöre, was ich eigentlich auch schon vorher wusste. Es blieb auch nur bei diesem einmaligen Treffen, da ich alle Fragen beantwortet hatte und auch nicht das Verlangen hatte, sie noch mal zu sehen.

Aus diesem Erfahrungsbericht ist zu entnehmen wie wichtig es für jedes Kind sein kann, seine leiblichen Eltern oder wenigstens einen Elternteil kennen zu lernen um zu wissen wo es her kommt und was seine eigentliche Identität ist. Es ist gut zu wissen, dass man mit seinem Problem der Identitätsfindung nicht alleine dasteht, sondern ganz viele das gleiche Bedürfnis haben. Auch die Fragen an die Adoptiveltern ähneln sich sehr oft „Wie..., Warum haben sie mich zur Adoption gegeben?“, „Sehe ich meinen biologischen Eltern ähnlich?, „Wie sehen sie aus?‘, „Wo wohnen und leben sie?“, „Habe ich vielleicht Geschwister und gibt es noch Verwandtschaft?“. Viele dieser Fragen bleiben offen bis zu einem ersten Kennenlernen, wo dann hoffentlich alle Fragen zur Zufriedenstellung beantwortet werden.

Kathrin Lork