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Aus der Praxis

Gut, dass es Pflegeeltern gibt!

30 Jahre Pflegeelternverein

Ein Blick zurück auf die Zeit vor der Wiedervereinigung, als es in der damaligen DDR die Hilfsmöglichkeit der Unterbringung in eine Pflegefamilie noch nicht gab und alle Kinder, die nicht bei ihrer Familie leben konnten, in Heimen untergebracht wurden.

Gut, dass es Pflegeeltern gibt! Bis heute vertrete ich diesen Satz voller  Überzeugung.

Welche schöne, verantwortungsvolle und dankbare Aufgabe erwartete mich nach der politischen Wende im Jugendamt.

Ein Hilfsangebot, welches es so in der DDR nicht gab.Die Vermittlung zu fremden Eltern war nicht möglich, so dass die Kinder in verschiedenen Heimformen untergebracht wurden.

So ging es auch Maria, die als Säugling schwer mißhandelt in ein Dauerheim für Kinder von 0-3 Jahren untergebracht wurde. Sie wurde zum „familiengelösten Kind“ erklärt, welches nicht in ihre Familie zurückkehren konnte und unter der Obhut des Staates aufwachsen musste. Das Kümmern des Staates bezog sich auf die Versorgung, Betreuung und Erziehung im ständigen Wechsel der Heimformen und ihrer Betreuungspersonen.

Vom Dauerheim wechselte Maria in ein Vorschulkinderheim. Mit der Einschulung wechselte sie in ein Hilfsschulheim.

Nach der Schulzeit kam sie in ein Mädchenwohnheim und mit der Lehrausbildung ins Internat.

Nach der Berufsausbildung kam Maria in ihren Heimatort zurück.Sie erhielt eine schön eingerichtete kleine Neubauwohnung.Ich erinnere mich noch an den Tag, als die letzten Möbel zusammengebaut werden mussten und auch ihr Vormund vom Jugendamt half mit. Er war kein Praktiker  und schaffte es nicht, einen kleinen Tisch zusammenzubauen. Kurzerhand griff Maria ein und baute ganz schnell den Tisch zusammen.Darüber schmunzeln wir heute noch.

Beruflich kam sie in die Werkstatt der Diakonie und entwickelte sich zu einer Fachkraft in der Buchbinderei.

Maria war ein sehr liebes, anhängliches, aber sehr ängstliches Kind. Gott sei Dank war sie in den vielen Heimen meistens an sehr verantwortungsvolle und liebe Betreuer/-innen geraten. Zu einem Erzieherpaar hat sie über all die Jahre eine enge Verbindung gepflegt. Es waren aber immer fremde Menschen, die ihr stückchenweise Aufmerksamkeit zukommen ließen. Aber Liebe, Zuwendung, unerschütterliches Vertrauen, eine Familie, zu der man gehört, das alles vermisst sie bis heute. Der emotionale Mangel und die Bindungslosigkeit haben die Kinderseele bis heute krank gemacht.

Zu ihrem 40.Geburtstag habe ich ihr ein Fotobuch angefertigt.Das zeigte das ganze Ausmaß ihrer Einsamkeit. Nur wenige Fotos aus Kindertagen im Heim oder mit der Patenbrigade waren vorhanden. Maria hat bis heute große Ängste. Sie ist in ständiger psychatrischer Behandlung.

Wir haben uns nie aus den Augen verloren. Sie ist jetzt 50 Jahre alt. Aus der dienstlichen Beziehung hat sich eine echte Freundschaft entwickelt. Maria leitet eine Selbsthilfegruppe für psychisch kranke Menschen. Mit ihrem Lebensalltag kommt sie gut zurecht. Sie ist ein sehr liebenswerter, aber nach wie vor einsamer Mensch.

Mehrere Male hat sie in unseren Gesprächen Ihren Wunsch nach einer lieben Familie geäußert. Leider war die Vermittlung zu Pflegeeltern für Maria damals nicht möglich.

Wie wäre wohl ihre Entwicklung verlaufen?

Letzte Aktualisierung am: 
19.03.2026

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