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Finale - Gemeinsam sind wir stärker
30 Jahre Pflegeelternverein
Allein der Gedanke, nicht allein zu stehen, sondern gemeinsam mit Gleichgesinnten Kindern eine neue Lebensperspektive zu geben, verleiht Kraft. Eine Kraft, die man für eine besondere Eltern-Kind-Konstellation dringend braucht.
Diese Erfahrung machten wir als blutjunges Ehepaar – beide Mitte zwanzig – als wir die 1,5-jährige Nastasia und einige Monate später auch ihren kleinen Bruder Norman bei uns aufnahmen. Eigentlich hatten wir ohnehin vor, einem fremden Kind ein Zuhause zu schenken. Doch manchmal kommt es im Leben anders: So begann unsere Elternschaft mit Pflegekindern.
Vor der Aufnahme mussten viele Fragen geklärt werden. An den Wochenenden besuchten wir Nastasia im Heim, um Vertrauen aufzubauen. Männern gegenüber war sie sehr misstrauisch, und ich brauchte viel Geduld, bis ich sie das erste Mal in den Arm nehmen durfte. Dann war es endlich soweit – sie zog zu uns. Kurz darauf nahmen wir auch ihren Bruder auf. Geschwister gehören zusammen.
Das alles begann 1991.
Durch die erste Pflegeelternschule der AWO in Sachsen-Anhalt und gemeinsame Veranstaltungen lernten wir weitere Pflegeeltern kennen. Der Wunsch nach intensiverem Austausch wuchs. Etwa 40 Pflegeeltern teilten diesen Wunsch – und so gehörten wir zu den sieben Gründungsmitgliedern unseres Vereins vor nunmehr 30 Jahren.
Zu unseren beiden Pflegekindern kamen später noch unsere Adoptivtochter Francine und unser Sohn Domenic hinzu. Wir wurden eine kinderreiche Familie.
„Nimm ein Kind an die Hand, und es zeigt dir die Welt aus seiner Sicht.“
Diesen Satz trage ich seit vielen Jahren im Herzen. Man muss nur den Mut haben – und plötzlich begegnet man Kindern aus einer völlig neuen Perspektive.
2005 verstarb meine Frau Kathrin nach schwerer Krankheit. Plötzlich stand ich mit vier Kindern vor scheinbar unlösbaren Aufgaben. Doch Aufgeben war keine Option. Für meine Kinder da zu sein, war meine wichtigste Aufgabe. Familie und Pflegeeltern unterstützten uns, wo sie nur konnten.
Heute sind alle Kinder erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Ich bin stolzer Opa eines zehnjährigen Enkels.
Trotz aller Mühe, Liebe und Geborgenheit: Manchmal reicht es nicht aus, um jeden Lebensweg vor Schwierigkeiten zu bewahren. Norman machte einen guten Schulabschluss und begann eine vielversprechende Ausbildung – doch nach zwei Jahren brach er sie ab. Es folgten anderthalb Jahre Obdachlosigkeit.
Ich habe ihn nie aus den Augen verloren. Gab ihm eine neue Chance. Er zog wieder bei mir ein. Gemeinsam meldeten wir ihn beim Amt an und suchten eine Wohnung. So begann sein neuer Start. Schritt für Schritt fand er zurück ins Leben. Er nahm Maßnahmen an, wenn es nötig war, und fand schließlich eine feste Arbeit, die ihm Freude macht.
Nastasia ging nach der Schule ihren Weg mit den Großeltern. Sie unterstützten sie bei der Ausbildung, Führerschein und die erste eigene Wohnung. Jetzt lebt sie wieder hier in meiner Nähe und wir haben regelmäßig Kontakt.
Ich habe es nie bereut, diesen Weg gegangen zu sein – mit allen Herausforderungen und auch mit den schönen Momenten.
Seit der Vereinsgründung engagiere ich mich aktiv in der Vereinsarbeit. In 30 Jahren habe ich viele Pflegeeltern kommen und gehen sehen – und auch Ehen, die an den Belastungen zerbrochen sind. Gerade bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe darf man den eigenen Partner nie aus dem Blick verlieren. Nur gemeinsam kann man dieser Verantwortung gerecht werden.
Besonders jungen und neuen Vereinsmitgliedern möchten wir den Einstieg in die Pflegeelternschaft erleichtern. Unsere Erfahrungen sind wertvoll – und ich weiß, wovon ich spreche.







