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1996 - alles begann ganz klein!
Die 90-er Jahre waren die Zeiten des Umbruchs nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990. Das gesamt gesellschaftliche System befand sich im Wandel, es entstanden überall neue Strukturen. viele, besonders junge Menschen, versuchten ihrem Leben einen Sinn durch die Hinwendung zu individueller Ausdrucksform und Experimentierfreude zu geben.
Die 90-er waren die Hochzeit der Techno- und Rave-Kultur. in der Mode waren Baggy Jeans, Crop Tops und Plateausneaker angesagt, alles gern quietschbunt in schrillen Neonfarben. Gameboy, Tamagotchi und Walkman hielten auch Einzug in die Kinderzimmer der neuen Bundesländer. Die Spice Girls und DJ Bobo tanzten fröhlich über Deutschlands Bühnen und verbreiteten Partyspaß ohne Ende.
Doch überall war es nicht so bunt und ausgelassen. In den Jugendämtern der Landkreise Sachsen-Anhalts entwickelte sich das Pflegekinderwesen, ein System, was es bis 1989 in den neuen Bundesländern nicht gab. Pflegekinderdienste und neu gewonnene Pflegeeltern wagten in diesen turbulenten Zeiten den Aufbruch in ein ganz neues System der Jugendhilfe.
So auch im Altkreis Halberstadt.
Schnell erkannten alle Beteiligten, dass es nicht reicht, Kinder in Pflegefamilien zu vermitteln. Pflegeeltern und die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendliche brauchen eine zuverlässige und engmaschige Betreuung, professionelle Ansprechpartner, um den Alltag gelingend gestalten zu können, benötigen schnelle, unbürokratische Hilfen in Krisensituationen.
Zur Unterstützung der Pflegeeltern initiierte der Pflegekinderdienst Halberstadt in den frühen 90-er Jahren einen Gesprächskreis, der von der Erziehungsberatungsstelle der AWO Halberstadt, vertreten durch die Psychologin Frau Bergmann, fachlich begleitet wurde.
Aus diesem Gesprächskreis entstand mit Unterstützung des Sozialministerium die erste Pflegeelternschule Sachsen-Anhalts, die in kürzester Zeit in sechs Landkreisen 57 Kurse für Pflegeeltern etablierte. Bis zum Jahr 2000 war die AWO- Träger der Pflegeelternschule Sachsen-Anhalt. Danach übernahm die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis/ Bernburg die Trägerschaft und führt sie bis heute erfolgreich fort.
Doch was hat dies alles mit dem Pflegeelternverein Halberstadt zu tun?
In dem Gesprächskreis und in den Seminaren der Pflegeelternschule lernten sich Pflegeeltern kennen, die bald erkannten, dass ein regelmäßiger Austausch über die Seminare hinweg dringend notwendig war. Viele Pflegefamilien waren gerade in den Anfangszeiten „Exoten", stießen nicht nur auf Anerkennung und Zuspruch in ihrem Tun, hatten nicht die Lobby, die sie verdient haben.
Daher entstand die Idee, einen Verein für Pflege- und Adoptivkinder im Altkreis Halberstadt zu gründen. Dieser Verein sollte eine Anlaufstelle für Pflege- und Adoptivfamilien werden. Von der Idee bis zur Gründung verging nicht viel Zeit. Die nötigen sieben Gründungsmitglieder fanden sich schnell und so kam es im März 1996 zur Gründung des Vereins im Haus der Familie von Jana und Thomas K. in KleinQuenstedt.
Jana Kipper übernahm den Vorsitz und es entwickelte sich seitdem ein buntes Vereinsleben, mit regelmäßigen Stammtischen, Vereinsfahrten, Weihnachtsfeiern, Wanderungen und vielem mehr. Später übernahm Ines Klein langjährig den Vorsitz, den sie wiederum in die Hände von Kathrin Kube legte, die den Verein zu dem gemacht hat, was er heute ist.
Der Verein engagiert sich nach wie vor für die Entwicklung des Pflegekinderwesens, bietet seinen erwachsenen Mitgliedern fachliche Fortbildungen an und kämpft auf allen Ebenen für die Rechte der Pflege- und Adoptivkinder und ihrer Familien. Er gibt aber auch den Rahmen für persönlichen Austausch, um das Abenteuer „Pflege- und Adoptivfamilien“ im Alltag bestehen zu können.
Pflege- und Adoptivfamilie zu sein bedeutet, seine Komfortzone zu verlassen, neue unbekannte Wege zu gehen, Menschen jeglicher Art, Herkunft, Weltanschauung und Charakter zu treffen. Pflegeeltern erleben Herausforderungen, die sich nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen können, sie werden gefordert und auch immer wieder an den Rand ihrer Belastungsgrenzen gebracht.
Und doch geben die meisten Pflegeeltern nicht auf.
Warum?
Sie haben vielleicht ein gutes Netzwerk, das sie trägt und unterstützt.
Aber der wichtigste Grund ist wohl ein anderer:
Es sind die Kinder und Jugendlichen, die ihre Pflege- und Adoptivfamilien brauchen, die ein Recht auf fördern und fordern haben, ein Recht auf Zuwendung und Liebe, ein Recht auf eine 'Land, die ihre hält, wenn sie es brauchen, ein Recht auf Annahme, egal wie sie sind.
30 Jahre Verein der Pflege- und Adoptiveltern- mein Glückwunsch und Respekt allen, die daran beteiligt waren und es immer noch sind!







