Sie sind hier

1996 - alles begann ganz klein!

Vor 30 Jahren gründete sich der Pflege- und Adoptivelternverein Halberstadt e.V. Halberstadt ist eine Kreisstadt in Sachsen-Anhalt und erlebte in den nun 36 Jahren nach der Wiedervereinigung eine große gesellschaftliche Veränderung. In den ersten Jahren entwickelte sich darüber hinaus auch das Pflegekinderwesen, was es bis dahin nur in den alten Bundesländern gab. Der Bericht '1996 - alles begann ganz klein' ist der erste Bericht zu den 30 Jahren und schildert die Veränderungen, den Neubeginn und die gegenseitige Hilfe der Pflegeeltern.

Die 90-er Jahre waren die Zeiten des Umbruchs nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990. Das  gesamt gesellschaftliche System befand sich im Wandel, es entstanden überall neue Strukturen. viele, besonders junge Menschen, versuchten ihrem Leben einen Sinn durch die Hinwendung zu individueller Ausdrucksform und Experimentierfreude zu geben.

Die 90-er waren die Hochzeit der Techno- und Rave-Kultur. in der Mode waren Baggy Jeans, Crop Tops und Plateausneaker angesagt, alles gern quietschbunt in schrillen Neonfarben. Gameboy, Tamagotchi und Walkman hielten auch Einzug in die Kinderzimmer der neuen Bundesländer. Die Spice Girls und DJ Bobo tanzten fröhlich über Deutschlands Bühnen und verbreiteten Partyspaß ohne Ende.

Doch überall war es nicht so bunt und ausgelassen. In den Jugendämtern der Landkreise Sachsen-Anhalts entwickelte sich das Pflegekinderwesen, ein System, was es bis 1989 in den neuen Bundesländern nicht gab. Pflegekinderdienste und neu gewonnene Pflegeeltern wagten in diesen turbulenten Zeiten den Aufbruch in ein ganz neues System der Jugendhilfe.

So auch im Altkreis Halberstadt.

Schnell erkannten alle Beteiligten, dass es nicht reicht, Kinder in Pflegefamilien zu vermitteln. Pflegeeltern und die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendliche brauchen eine zuverlässige und engmaschige Betreuung, professionelle Ansprechpartner, um den Alltag gelingend gestalten zu können, benötigen schnelle, unbürokratische Hilfen in Krisensituationen.

Zur Unterstützung der Pflegeeltern initiierte der Pflegekinderdienst Halberstadt in den frühen 90-er Jahren einen Gesprächskreis, der von der Erziehungsberatungsstelle der AWO Halberstadt, vertreten durch die Psychologin Frau Bergmann, fachlich begleitet wurde.

Aus diesem Gesprächskreis entstand mit Unterstützung des Sozialministerium die erste Pflegeelternschule Sachsen-Anhalts, die in kürzester Zeit in sechs Landkreisen 57 Kurse für Pflegeeltern etablierte. Bis zum Jahr 2000 war die AWO- Träger der Pflegeelternschule Sachsen-Anhalt. Danach übernahm die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis/ Bernburg die Trägerschaft und führt sie bis heute erfolgreich fort.

Doch was hat dies alles mit dem Pflegeelternverein Halberstadt zu tun?

In dem Gesprächskreis und in den Seminaren der Pflegeelternschule lernten sich Pflegeeltern kennen, die bald erkannten, dass ein regelmäßiger Austausch über die Seminare hinweg dringend notwendig war. Viele Pflegefamilien waren gerade in den Anfangszeiten „Exoten", stießen nicht nur auf Anerkennung und Zuspruch in ihrem Tun, hatten nicht die Lobby, die sie verdient haben.

Daher entstand die Idee, einen Verein für Pflege- und Adoptivkinder im Altkreis Halberstadt zu gründen. Dieser Verein sollte eine Anlaufstelle für Pflege- und Adoptivfamilien werden. Von der Idee bis zur Gründung verging nicht viel Zeit. Die nötigen sieben Gründungsmitglieder fanden sich schnell und so kam es im März 1996 zur Gründung des Vereins im Haus der Familie von Jana und Thomas K. in KleinQuenstedt.

Jana Kipper übernahm den Vorsitz und es entwickelte sich seitdem ein buntes Vereinsleben, mit regelmäßigen Stammtischen, Vereinsfahrten, Weihnachtsfeiern, Wanderungen und vielem mehr. Später übernahm Ines Klein langjährig den Vorsitz, den sie wiederum in die Hände von Kathrin Kube legte, die den Verein zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Der Verein engagiert sich nach wie vor für die Entwicklung des Pflegekinderwesens, bietet seinen erwachsenen Mitgliedern fachliche Fortbildungen an und kämpft auf allen Ebenen für die Rechte der Pflege- und Adoptivkinder und ihrer Familien. Er gibt aber auch den Rahmen für persönlichen Austausch, um das Abenteuer „Pflege- und Adoptivfamilien“ im Alltag bestehen zu können.

Pflege- und Adoptivfamilie zu sein bedeutet, seine Komfortzone zu verlassen, neue unbekannte Wege zu gehen, Menschen jeglicher Art, Herkunft, Weltanschauung und Charakter zu treffen. Pflegeeltern erleben Herausforderungen, die sich nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen können, sie werden gefordert und auch immer wieder an den Rand ihrer Belastungsgrenzen gebracht.

Und doch geben die meisten Pflegeeltern nicht auf.

Warum?

Sie haben vielleicht ein gutes Netzwerk, das sie trägt und unterstützt.

Aber der wichtigste Grund ist wohl ein anderer:

Es sind die Kinder und Jugendlichen, die ihre Pflege- und Adoptivfamilien brauchen, die ein Recht auf fördern und fordern haben, ein Recht auf Zuwendung und Liebe, ein Recht auf eine 'Land, die ihre hält, wenn sie es brauchen, ein Recht auf Annahme, egal wie sie sind.

30 Jahre Verein der Pflege- und Adoptiveltern- mein Glückwunsch und Respekt allen, die daran beteiligt waren und es immer noch sind! 

Letzte Aktualisierung am: 
17.02.2026

Das könnte Sie auch interessieren

Hinweis

Mutmacher-Kalender 2023

Der jährlich erscheinende Mutmacher-Kalender von Klückskinder ist nun auch für 2023 zu erhalten. Der Mutmacher-Kalender zeigt zwölf bewegende Lebensgeschichten, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen MUT machen.
Bericht

von:

Wie sich unser Vereinsleben änderte

Die erste Vorsitzende eines örtlichen Pflege- und Adoptivelternvereins schildert, wie sich die Arbeit ihres Vereinsvorstandes in den knapp zehn Jahren, die sie Vorsitzende ist, verändert hat. Der Artikel beschreibt deutlich, wie sich die Bedingungen eines Vereins ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen des Jugendamtes ändern.
Bericht

von:

An die eigene Grenze gekommen

Über einige Jahre begleitete ich Selbsthilfe-Gruppen von Pflegeeltern als unabhängige Fachkraft. Wir trafen uns einmal monatlich. Während anfänglich die Themen des Abends von mir leicht vorgegeben worden waren, veränderte sich dies im Laufe der Monate. Jetzt konnte sich die Gruppe auf das einlassen, was unmittelbar aus der Gruppe selbst kam. Es ging darum, mit Menschen zu sprechen, die wussten, wovon man redete, die zuhörten, auffingen und Mut machten. Ein verzweifelter Pflegevater konnte genau dies an einem Abend erleben.

Finale - Gemeinsam sind wir stärker

30 Jahre Pflegeelternverein

Ein Gründungsmitglied des Pflegeelternvereins Halberstadt beschreibt die Bedeutung des Vereins für sein Pflegeeltern-Sein.
Projekt

von:

"Pädagogische Sprechstunde" des Landesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien Thüringen e.V.

Die Beratungsarbeit des Landesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien Thüringen e.V. wird durch das besondere Projekt der Pädagogischen Sprechstunde stark erweitert.
Hinweis

Aktionstag für Adoptiv- und Pflegefamilien

Dieser Tag für Adoptiv- und Pflegefamilien ist der zweite Tag der Wertschätzung, Information und Vernetzung „Gemeinsam für unsere Kinder“ vom PFAD-Bundesverband e.V. - diesmal unterstützt vom Erziehungsbüro Rheinland. Er findet statt am Samstag, 08.Juni 2024 im DJH City-Hostel Köln-Riehl | An der Schanz 14 | 50735 Köln. Lisa Paus (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) hat die Schirmherrschaft übernommen.
Bericht

Trauer - Rückblick - Ausblick

Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien Thüringen e.V.

In dankbarer Erinnerung und stiller Trauer gab der Landesverband Thüringen im Mai diesen Jahres den Tod seiner Vorsitzenden Vera Schade bekannt. Vera Schade war zwanzig Jahre Vorsitzende und hat den Verband mit ihrer Persönlichkeit und ihrem großen Engagement sehr geprägt. Wenige Wochen später, im Juni 2025 wurde der Verband dreißig Jahre alt. Lange überlegte der Vorstand, ob er das Fest überhaupt begehen sollte, aber gerade in Gedenken an Vera Schade wurde das Jubiläum gefeiert. Elke Marold - Vera Schades Vertreterin und enge Freundin - hielt eine Festrede, in der sie erkennen ließ, mit wie viel Herzblut und Zähigkeit Vera Schade und ihr Vorstand für den Landesverband tätig waren und wie viel sie für die Pflegekinder und Pflegeeltern in Thüringen erreichen konnten. Auch zukünftig will der Verband in dieser Form weiter aktiv sein.
Hinweis

Neugründung einer Initiative Kölner Adoptiv- und Pflegefamilien

"OKAPI - offene Kölner Adoptiv- und Pflegefamilien - Initiative" hat sich im April 2024 als Selbsthilfeorganisation für die Unterstützung von Adoptiv- und Pflegefamilien in Köln und im Kölner Umland gegründet. OKAPI ist Mitglied im Landesverband PAN - Pflege- und Adoptivfamilien NRW e.V.
Projekt

Projekt des Landesverbandes Sachsen

Pflegefamilien in Sachsen GESTERN – HEUTE – MORGEN
Hinweis

Vereine müssen Änderungen beim Zahlungsverkehr beachten

Ab dem 1. Februar 2014 dürfen Kreditinstitute Überweisungen und Lastschriften von Vereinen nur noch als SEPA-Zahlung im SEPA-Datenformat annehmen und ausführen - Hinweise des Bundesfinanzministeriums