Sie sind hier

Basiswissen

Wissen um Herkunft und Lebensgeschichte

In den letzten Jahren/Jahrzehnten hat sich die Sichtweise über die Frage der Bedeutung der Herkunft für Adoptiv- und Pflegekinder verändert. Während man vor vielen Jahren noch fest an die allein selig machende und allein wirkungsvolle Prägung durch Erziehung glaubte, wissen wir heute, wie deutlich wir durch die Gene unserer Eltern geprägt werden und wie bedeutsam die Art und Weise des Aufwachsens in den ersten Lebensjahren ist.

In den letzten Jahren/Jahrzehnten hat sich die Sichtweise über die Frage der Bedeutung der Herkunft für Adoptiv- und Pflegekinder verändert. Während man vor vielen Jahren noch fest an die allein selig machende und allein wirkungsvolle Prägung durch Erziehung glaubte, wissen wir heute, wie deutlich wir durch die Gene unserer Eltern geprägt werden und wie bedeutsam die Art und Weise des Aufwachsens in den ersten Lebensjahren ist.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Wissen um seine Herkunft.

Kinder, die in neue Familien „umziehen“ brauchen dringend die Akzeptanz ihrer bisherigen Geschichte. Eine tragfähige Bindung an die neuen Eltern kann sich nur ergeben, wenn sie sich mit all ihren bisherigen Lebensschritten voll angenommen fühlen. Zu allen wichtigen positiv besetzen Menschen sollte das Kind Beziehungen und gute Gefühle erhalten dürfen.

Durch Interviews erwachsener Pflegekinder wurde deutlich, wie wesentlich es zum Gelingen eines Adoptiv- oder Pflegeverhältnisses beiträgt, wenn die Kinder Klarheit hatten. Warum musste ich gehen? Was passierte dann mit den Eltern? Was mit den Geschwistern? Ließ man die Kinder im Dunkeln stehen, konnten sie sich nicht auf Neues einlassen.

Das Wissen um unsere Herkunft setzt wesentliche Puzzlestücke unserer Persönlichkeit zusammen. Angenommene Kinder bestehen nicht nur aus Herkunft und bestehen nicht nur aus der neuen Familie. Ihre Persönlichkeit, ihre Identität setzt sich aus beidem zusammen und wird ebenso ergänzt durch ihre Lebenserfahrungen.

Biografiearbeit ist ein Weg, Herkunft und Lebensgeschichte zu erfahren, zu betrachten, sie im Rahmen eines andauernden Prozesses zu vervollständigen und in neuen Zusammenhängen zu sehen. Für angenommene Kinder hat Biografiearbeit eine zentrale Bedeutung. Im Rahmen dieser Arbeit spielt die Herstellung von Lebensbüchern eine Rolle und damit verbunden die Frage, wie ich dramatische Geschehnisse mit dem Kind ansprechen kann.

Im Buch „Wo gehöre ich hin“ schreiben die Autoren Tony Ryan und Rodger Walter:
Wenn Kinder wissen, dass sie während ihrer Kindheit ungehindert Fragen über die Vergangenheit stellen können, wird man eine große Quelle potenzieller Schwierigkeiten beseitigt haben. Die Vergangenheit wird nicht länger ein Mysterium sein, worüber nicht geredet wird.

Kinder wollen meist über ihre Herkunft und Lebensgeschichte wissen und oft fühlen sie sich angesprochen und mit verantwortlich für Entwicklungen in der Herkunftsfamilie. Sie empfinden sich der Adoptiv- und Pflegefamilie zugehörig, fühlen sich aber auch als ein Teil der Herkunftsfamilie.

Gelingt es den annehmenden Familien diese Gefühle der Kinder zu verstehen und zu akzeptieren, dann öffnen sie ihren Kindern weit die Tür zur Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit und Identität.

Letzte Aktualisierung am: 
11.03.2009