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Tiefergehende Information

Wissen über mich und mein Leben

Ich – ein Ergebnis aus Herkunft, Kindheitsleben, Lebenserfahrungen, Selbsteinschätzung, Selbstwirksamkeit, Handicaps und den verschiedensten Rollen in meinem Leben. Wie sehe ich die Welt? Wo stehe ich in ihr? Was hat mich besonders geprägt, was sich einfach so ergeben?

Ich – ein Ergebnis aus Herkunft, Kindheitsleben, Lebenserfahrungen, Selbsteinschätzung, Selbstwirksamkeit, Handicaps und den verschiedensten Rollen in meinem Leben. Wie sehe ich die Welt? Wo stehe ich in ihr? Was hat mich besonders geprägt, was sich einfach so ergeben?

Wir alle schauen in besonderem Maße auf die Kinder in den Familien, die nicht ihre leiblichen Familien sind. Werden diese Kinder ‚echte’ Mitglieder dieser Familien oder fehlt ihnen immer was? Was brauchen sie, um sich als 'ganz' zu empfinden? Welches Wissen ist bedeutsam? Müssen sie dieses Wissen auch wissen, oder sollten wir nur die Tür zu diesem Wissen offen halten – und sie entscheiden selbst, ob und wann sie durch diese Tür gehen?
Dies gilt nicht nur für Adoptiv- und Pflegekinder, sondern für alle Menschen, die eine gebrochene Biografie haben: Kinder in Patchworkfamilien, Findelkinder, verwaiste Kinder, Kinder mit vielen Trennungen, Kriegskinder. Die Welt ist bevölkert von Kindern mit Brüchen in ihrem Leben.

Ich erlebe immer wieder bei Adoptiv- oder Pflegekindern, dass sie wissen wollen. Warum lebe ich hier, nicht dort? Warum bin ich so, wie ich bin? Was ist geschehen, dass ich so geworden bin? Es sind nicht die jungen Kinder, die dies bedeutend finden, sondern die Kinder, die älter werden und hinter der Gegenwart nun auch Vergangenheit und Zukunft erkennen können.

Das Wissen um mich bedeutet aus meiner Sicht nicht nur das Wissen um meine Herkunftsfamilie sondern auch das Wissen und Verstehen dessen, was mich zu dem gemacht hat, was ich nun bin. Ein Kind, welches bei einem Unfall bleibende Schäden davon trägt, wird diese Schäden immer mit dem Unfall in Verbindung bringen können: ich bin jetzt so, weil mir der Unfall passiert ist. Wenn es anders ist als die Kinder in seinem Umfeld, dann kann es sich dies erklären. Aber das Wissen allein hilft ihm nur wenig, das Leben nun auch zu meistern. Jetzt braucht es ein liebendes, förderndes, akzeptierendes Umfeld, welche sein So-Sein mit ihm lebt. Es braucht verlässliche, schützende, fürsorgliche, manchmal auch fordernde, geduldige und hoffnungsfrohe Liebespersonen – es braucht Eltern, eine Familie, Heimat. Dort ankommen, sich beheimaten, zugehören, geliebt werden und lieben können – das ist das Grundsätzlichste.

In dem unten folgenden Interview von Matthias wird dies sehr deutlich. Es wurde mir aber auch noch einmal klar, dass es keine immer passenden Vorstellungen geben kann. Alle Standards der heutigen Adoptionsvermittlung und Beratung haben sich besonders anhand der Forderungen erwachsener Adoptierter entwickelt - sicherlich auch wissend, dass nicht alle Adoptierten alle diese Vorstellungen gleichermaßen vertreten. Matthias betont in seinem Interview, dass die Herkunft nur ein Teil seines Ichs ist. Ein Teil, das für ihn nicht die überragende Bedeutung hat. Seine Bedeutung basiert auf dem Wissen, dass er geliebt wurde. So schreibt er über sein Leben mit der Adoptivmutter: „Der Punkt war, dass ich immer gespürt habe, dass diese Frau mich liebt“.

In Bericht zu Peter beschreibe ich eine völlig andere Situation. Peter lebte sechs Jahre in einer Familie, die ihn vernachlässigte. Dann kam er in eine Pflegefamilie. Als ich ihn kennen lernte war er neun Jahre alt. Ich sollte ihn ein Stück auf seinem Weg begleiten, weil er sich nicht einlassen konnte auf die Pflegefamilie. Er stand immer noch abseits, nicht mittendrin. Er war meist sehr angepasst, manchmal rastete er jedoch aus. In ihm war Leere, er hatte sich noch nicht verabschiedet. Er wartete, suchte und hoffte.

Letzte Aktualisierung am: 
29.11.2013