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Frage und Antwort

Wille des Kindes

Unser Pflegesohn hat bisher regelmäßige Besuchskontakte zu seinen Eltern. Nun wird er immer unwilliger und meckert rum. Was ist denn, wenn das Kind im Laufe der Zeit was anderes will?

Im Laufe der Jahre verändern sich die Bedürfnisse der Pflegekinder. Ältere Kinder und Jugendliche wollen andere Formen von Kontakten. Sie wollen häufig nicht mehr so oft direkte Kontakte wahrnehmen, weil der Freundeskreis so viel Zeit beansprucht. Vielleicht wollen sie lieber telefonieren, mailen, über Soziale Netzwerke (Facebook) kontaktieren. Sie wollen jetzt selbst und oft eigenständig entscheiden, was sie tun werden. Es ist daher aus meiner Sicht wichtig, dass Sie mit Ihrem Pflegesohn offen über die Kontakte sprechen und mit ihm gemeinsam überlegen, was und in welcher Weise er sich denn Kontakte noch vorstellen könnte. Dann sollten Sie ein Hilfeplangespräch beantragen und Ihren Pflegesohn ermutigen, dort seine Ideen darzulegen und deutlich zu machen. Wenn er sich richtig klar ist, was er möchte, dann ist dies natürlich überzeugender für die Teilnehmer der Runde. Häufig erlebe ich dann, dass es neue, für die Jugendlichen aktzeptable Vereinbarungen gibt. Rechtlich gesehen hat ihr Pflegesohn nicht die PFLICHT, Kontakte zu machen, er hat ein RECHT. Die Eltern haben Pflicht und Recht. Nur ein Gericht kann ihn quasi "verdonnern", aber wir erleben hier zunehmend Urteile, die den Willen des Jugendlichen im hohen Maße beachten und außerdem feststellen, dass sie einen Jugendlichen schlicht nicht zwingen können. Besuchskontakte sind ein immerwährendes Thema im Hilfeplanprozess und es ist normal und richtig, dass sich die Bedingungen verändern und an die Vorstellungen der jungen Menschen anpassen. Die Jugendhilfe will Partizipation der Kinder und Jugendlichen in allen für für sie wichtigen Fragen - hier kann sie dies in die Praxis umsetzen.  

Letzte Aktualisierung am: 
08.06.2022

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