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Tiefergehende Information

Wie lernen Kinder Sprache?

Kleine Kinder besitzen ein instinktives Gefühl für Sprache. In ihrem Gehirn sind beim Spracherwerb andere Teile aktiv als bei Erwachsenen, die sich in der Regel sehr anstrengen müssen, wenn sie eine neue Sprache lernen. Der automatische Sprachlernmechanismus ermöglicht es kleinen Kindern, sich Sprache unbewusst anzueignen.

Kleine Kinder besitzen ein instinktives Gefühl für Sprache. In ihrem Gehirn sind beim Spracherwerb andere Teile aktiv als bei Erwachsenen, die sich in der Regel sehr anstrengen müssen, wenn sie eine neue Sprache lernen. Der automatische Sprachlernmechanismus ermöglicht es kleinen Kindern, sich Sprache einschließlich ihrer grammatikalischen Strukturen unbewusst anzueignen. Mittlerweile ist erwiesen, dass auch der Kontakt zu mehrerer Sprachen in der frühen Kindheit die kognitiven Fähigkeiten fördert.

Kinder lernen Sprache, indem sie zuhören und das Gehörte mit ihrer Umwelt und ihren eigenen Handlungen in Beziehung setzen. Intuitiv probieren sie neue Wörter und Regelmäßigkeiten in der Grammatik solange aus, bis sie sie richtig anwenden können.
Die Grundvoraussetzung für den Spracherwerb ist zum einen, dass das Kind die organischen Voraussetzungen mitbringt und zum anderen, dass das Kind Kontakt und Beziehung zu anderen Menschen hat.

Sprachkompetenz

Der Spracherwerb ist ein lebenslanger Lernprozess. Jedes Kind benötigt für die verschiedenen Sprachentwicklungsstufen unterschiedlich viel Zeit. Neue Wörter lernt der Mensch sogar ein Leben lang.

Phasen der Sprachentwicklung

Auszug aus der Broschüre Sprachentwicklung und Sprachförderung bei Kindern des Hessischen Sozialministeriums in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik e.V., Landesgruppe Hessen

Der Spielraum der individuellen Entwicklung ist groß. Und kein Kind gleicht dem anderen – jedes hat seine eigene Individualität.

Auch die Sprachentwicklung verläuft von Kind zu Kind unterschiedlich. Wie bei der allgemeinen Entwicklung, so zeigen sich auch beim Spracherwerb individuelle Unterschiede im Entwicklungstempo, in der Art und Anzahl der ersten Wörter oder in der Häufigkeit des Sprechens.

Die hier angeführten Entwicklungsschritte sollen eine Orientierungshilfe sein. Da die Entwicklung des Kindes von den unterschiedlichsten Faktoren abhängt, können die angegebenen Altersangaben nur Erfahrungswerte sein.

Bereits im Mutterleib trainiert das Kind die Körperteile, die für den Spracherwerb grundlegend sind. Lippen, Zunge und Gaumen sind im Einsatz, wenn es am Daumen lutscht und Fruchtwasser schluckt. Ab dem 5. Monat nimmt es Stimmen und Geräusche von außen wahr.

Die ersten verbalen Äußerungen des Babys dienen der Kundgabe seines Befindens. Sie äußern sich in den ersten Wochen im Schreien. Das Schreien kann ein „modifiziertes Schreien“ sein, mit dem es sein Wohlbefinden oder Unbehagen ausdrückt.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind, spielen Sie mit ihm, singen Sie ihm etwas vor während sie es füttern und wickeln. Suchen Sie Blickkontakt zu Ihrem Kind. Zeigen Sie Freude über die Laute, die es macht, erwidern und wiederholen Sie diese. Zeigen Sie Ihrem Kind Gegenstände, die kontrastreich sind und betiteln Sie diese.

Mit ungefähr acht Monaten beginnt das Kind, sinnfreie Laute und Lautverbindungen zu benutzen. Sie drücken meistens einen Zustand der Befriedigung aus. Einige Wochen später stellt das Baby fest, dass es über seine Lautproduktion Kontakte herstellen kann und reagiert, z. B. auf Anrede durch die Mutter, mit gezielten Äußerungen. Benennen Sie zunehmend Gegenstände, des direkten Umfeld des Kindes in kurzen Sätzen. Sprechen Sie Ihr Kind oft mit Namen an. Gestikulieren Sie und machen Sie Bewegungsspiele, Winken, Kniereiter etc., und ermuntern Sie Ihr Kind zur Nachahmung.

Mit ca. neun Monaten beginnt die Phase der Nachahmung. Laute, die das Kind hört, werden gespeichert. Es wird versucht, sie nachzuahmen. Nicht nur durch das Hören wird das Sprechen erlernt, sondern auch durch das Absehen. Auch die Nachahmung der Mundbewegungen des „Gesprächspartners“ hat beim Spracherwerb eine Bedeutung. Suchen Sie Blickkontakt zu Ihrem Kind, zeigen Sie Freude über die Laute, die es macht, erwidern und wiederholen Sie diese.

Ungefähr ab dem zehnten Lebensmonat beginnt das Kind die Bedeutung von Wörtern, jedoch noch nicht deren vollen Sinngehalt, zu verstehen. Oft wird jetzt der Sinn des Gesagten aus der Mimik, den Gesten und dem Tonfall des Gegenübers erfasst. So hat die nonverbale Kommunikation zu diesem Zeitpunkt noch einen erheblichen Stellenwert.

Stellen Sie einfache Fragen. „Wo ist der Ball?“ Lassen Sie Ihr Kind Gegenstände holen, so können Sie spielerisch herausfinden, ob Ihr Kind Begriffe richtig zuordnet und Sie versteht. Schauen Sie erste einfache Bilderbücher an, und benennen Sie, was Sie sehen. Benutzen Sie auf keinen Fall die Babysprache, sondern die richtigen Bezeichnungen und sprechen Sie in ganzen Sätzen.

Nach Vollendung des ersten Lebensjahres beginnt der Worterwerb. Die ersten Wörter sind oft eine Klangfolge, die mit Assoziationen verknüpft ist (z.B. „Muh“). Mit anderthalb Jahren bekommt die gesprochene Sprache immer mehr Bedeutung. Das Kind kann in dieser Entwicklungsphase wesentlich mehr verstehen als es sprechen kann. Es spricht in Einwortsätzen. Der aktive Wortschatz wächst mit anderthalb bis zwei Jahren gewaltig an.

Mit dem ersten aktiven Sprechen, den ersten Bezeichnungen eines Gegenstandes oder einer Tätigkeit ist die Artikulation einzelner Wörter noch nicht korrekt. Dies ist der Zeitraum des Entwicklungsstammelns. Hier lernt das Kind seine Sprechwerkzeuge richtig zu verwenden, artikulatorische Verbindungen einzuüben und zu festigen. In dieser Phase werden zum ersten Mal auch Zwei- und Einwortsätze verwendet, deren grammatikalische Form häufig noch nicht korrekt ist. Eigenschaften, wie schön, lieb, heiß, weich sollte es einzuordnen und zu benutzen wissen. Wünsche können in dieser Phase bereits differenzierter geäußert werden. Das Nachahmen von Tierlauten macht den Kind Spaß und direkte Bezugspersonen können bereits mit Namen angesprochen werden. Ebenso sollte es in der Lage sein, feste Nahrung zu kauen.

Spielen Sie intensiv mit Ihrem Kind und kommentieren Sie dabei alles, was Sie tun. Zeigen Sie Ihrem Kind, was man mit den Spielsachen alles machen kann. Spielen Sie einfache Versteckspiele, verstecken Sie sich oder Gegenstände, während Ihr Kind zuschaut und lassen Sie es dann suchen.

Schauen Sie vermehrt Bilderbücher an, möglichst mit kontrastreichen, klaren Bildern und erzählen Sie, was Sie sehen.

Fragen Sie nach bestimmten Dingen auf den Bildern und lassen Sie sich diese von Ihrem Kind zeigen. Singen Sie viel und machen Sie Reime und Kniereiterspiele. Erzählen, wiederholen Sie, was Sie aktuell, im Laufe des Tages mit Ihrem Kind erlebt haben. Korrigieren Sie Ihr Kind nicht, wenn es ein Wort falsch ausspricht, sondern wiederholen Sie dieses im nächsten Satz korrekt und erweitern Sie diesen, z.B. durch Eigenschaften, die diese Sache besitzt.

Zwischen zwei und drei Jahren: Erste Doppelkonsonanten und kompliziertere Lautverbindungen wie "ch", "gl", kurze Sätze, Warum-Fragen, Verben und Fürwörter erweitern nun die Sprache des Kindes. Es sollte sich selber zunächst mit Vornamen, dann mit „Ich“ betiteln können. Farben lernt es zunehmend zu erkennen und zu benennen, es führt Selbstgespräche mit Puppen und Tieren und erkennt einfache Handlungen auf Bildern.

Malen Sie mit Ihrem Kind und bieten Sie ihm viel Material zum Experimentieren. Wiederholen Sie vergangene Erlebnisse und erinnern Sie an bereits erzählte Geschichten. Fragen Sie Ihr Kind, was es gemacht hat. Spielen Sie einfache Spiele, wie Vater–Mutter-Kind, einkaufen gehen etc. und kommentieren Sie jeden Handlungsschritt.

Ungefähr im vierten Lebensjahr kann es zu Sprechschwierigkeiten kommen, die als physiologisches Stottern bezeichnet werden. In dieser Entwicklungsstufe werden Wortanfänge oft wiederholt, da Denken und Vorstellungsvermögen beim Kind oft schneller sind als die Wortfindung und die Sprechmotorik.

Lassen Sie Ihr Kind eigene Erlebnisse erzählen und fragen Sie dabei nach weiteren Details.

Lesen Sie umfangreichere Geschichten, aber mit klarer einfacher Handlung und von Bildern unterstützt und besprechen Sie diese. Kommentieren Sie Ihr Handeln und begründen dies. Suchen Sie intensiven Dialog mit Ihrem Kind, erzählen Sie von eigenen Erlebnissen und hören Sie gut zu.

Im vierten Lebensjahr erweitert sich der Wortschatz des Kindes immer mehr. Es benutzt jetzt Präpositionen (z.B. auf, oben, unten, im, neben), kann schon einige Farben zuordnen und beginnt sie zu benennen. Es kann sich innerhalb seines Lebensbereiches schon ziemlich differenziert ausdrücken, hat Vorstellungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gebraucht die Artikel richtig und kann nun bereits Haupt- und Nebensätze mit Konjunktionen bilden, wenn auch nicht immer ganz korrekt. Die Sicherheit seiner grammatischen Fähigkeiten nimmt zu und die Muttersprache wird nun weitgehend beherrscht.

Suchen Sie intensiven Dialog mit Ihrem Kind, erzählen Sie von eigenen Erlebnissen und hören Sie gut zu. Sprechen Sie über alltägliche Dinge, stellen Sie in Büchern und in der Realität komplexere Beziehungen her. Nebensätze, einfache Vergangenheitsformen, das Erzählen von Erlebnissen in zeitlich richtiger Reihenfolge und das Beschreiben von Zusammenhängen in Bilderbüchern gehören in diesen Zeitraum. Lassen Sie Ihr Kind zu Bildern eigene Geschichten erfinden. Ermutigen Sie Ihr Kind zum Äußern von Bedürfnissen gegenüber vertrauten Personen und nehmen Sie ihm dies nicht vorweg. Lassen Sie Ihr Kind telefonieren. Der Medienkonsum sollte so gering wie möglich gehalten werden (max. 30 min pro Tag). Lassen Sie Ihr Kind vorgelesene Geschichten wiederholen und erfragen Sie Details.

Mit fünf bis sechs Jahren sollte die Lautbildung abgeschlossen sein. Sätze, inklusive der Nebensätze, sollte das Kind grammatikalisch korrekt bilden können. Es kann Artikel und Pluralformen sowie korrekte Grammatik in der Vergangenheitsform anwenden und somit die Umgangssprache sicher beherrschen.

Nutzen Sie Bildkarten, auf denen Handlungen zu sehen sind, um sie von Ihrem Kind in die richtige Reihenfolge legen zu lassen und zu kommentieren. Lassen Sie Ihr Kind Geschichten weitererzählen und Geschichten zu Bildkarten erfinden.

Erfragen Sie hierbei Zusammenhänge und Begründungen. Lesen Sie vereinzelt kurze Geschichten ohne Bilder vor und lassen Sie das Kind diese wiederholen. Fragen Sie nach Erlebnissen aus der Vergangenheit und achten Sie darauf, ob diese im richtigen zeitlichen Ablauf dargestellt werden.

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind sich mit einer Sache mindestens 15 bis 25 Minuten intensiv beschäftigen kann.

Letzte Aktualisierung am: 
11.02.2015