Sie sind hier

Tiefergehende Information

Was ist Biografiearbeit?

Biografiearbeit ist ein kontinuierlicher Prozess, in dem es darum geht, das Bild des eigenen Lebens zunächst zu komplettieren und dann neu- oder umzukonstruieren, d.h. einzelnen Erlebnissen eine neue Bedeutung zu geben oder sie in einen anderen Sinnzusammenhang zu stellen.

Alice Ebel schreibt in ihrem Buch „Praxisbuch Pflegekind“ auf Seite 199/299:

„Biografiearbeit ist ein kontinuierlicher Prozess, in dem es darum geht, das Bild des eigenen Lebens zunächst zu komplettieren und dann neu- oder umzukonstruieren, d.h. einzelnen Erlebnissen eine neue Bedeutung zu geben oder sie in einen anderen Sinnzusammenhang zu stellen.“

Birgit Lattschar schreibt in ihrem Artikel „Biografiearbeit in der Erziehungshilfe“ 2004 :

„Biografiearbeit ist ein (in Deutschland relativ neuer) Ansatz in der psychosozialen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Es ist eine Methode, die Lebensgeschichte eines Menschen zu thematisieren und so die Verarbeitung lebensgeschichtlicher Ereignisse zu fördern. Diese „biografische Selbstreflexion“ (Gudjons u.a., 41996) stellt eine Möglichkeit der Identitätsfindung dar. Durch das Verstehen der eigenen Lebensgeschichte kann ein Annehmen der eigenen Person gelingen, was wiederum Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und zum persönlichen Wachstum bietet. Biografiearbeit kann in allen Lebensphasen eingesetzt werden.“

Die Biografiearbeit ist besonders durch das Buch „Wo gehöre ich hin“ von Tony Ryan und Roger Walker populär geworden. Hier werden Erfahrungen aus Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen zusammengetragen und Wege der Biografiearbeit beschrieben.
Tony Ryan, Rodger Walter: „Wo gehöre ich hin? – Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen“

In Deutschland ist die Biografiearbeit in hohem Maße durch Veröffentlichungen von Irmela Wiemann und Birgit Lattschar voran getrieben worden.

Hier möchte ich besonders hinweisen auf das Buch: Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte; Grundlagen und Praxis der Biografiearbeit

„Wer bin ich? Wo komme ich her? Wem gleiche ich? Wer ist meine leibliche Familie? Warum musste ich fort? Warum lebe ich hier? Was wird aus mir? So lauten Fragen von Kindern und Jugendlichen, die von Eltern oder Elternteilen getrennt leben. Durch Biografiearbeit erhalten sie die Chance, ihre Geschichte und ihre aktuelle Lebenssituation zu verstehen und aufzuarbeiten.

Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte vermittelt lebendig und umfassend die theoretischen Grundlagen und die Praxis der Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen und beschreibt bis ins Detail, was Eltern, Pflegeeltern und Adoptiveltern, Bezugspersonen in Heimen oder Tagesgruppen, Beraterinnen und Berater bei der Durchführung von Biografiearbeit alles wissen müssen.

Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte bietet eine Fülle von Anregungen, Vorlagen und Übungen: niedrig dosiert bis sehr tief gehend. Die praktische Ausgestaltung eines Lebensbuches wird ebenso vermittelt wie der Umgang mit sensiblen Informationen, mit Trauer und Verlust oder traumatischen Erfahrungen. Konkrete kindgerechte Formulierungsvorschläge für schwere Themen, wie z.B. psychische Erkrankung der Eltern, Gewalt oder Misshandlung in der Familie oder der Umgang mit fehlenden Informationen (unbekannter Vater, Findelkind) geben Orientierung für alle, die mit Kindern biografisch arbeiten. Berichte aus der Praxis runden den Band ab und überzeugen einmal mehr, dass Biografiearbeit ein viel versprechender Weg ist, seelisch verletzten Kindern und Jugendlichen Orientierung und Klarheit über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu geben.“

Letzte Aktualisierung am: 
11.03.2009

Das könnte Sie auch interessieren

Tiefergehende Information

Wichtige Auszüge aus der Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen

Öffentlich-rechtliche Änderung des Familiennamens, Änderung des Ehenamens der Eltern oder eines Elternteils, Eltern minderjähriger Kinder, Eingliederung eines Kindes (z.B. Stiefkind, Pflegekind) durch die Änderung des Familiennamens, Namensänderung zum Wohl des Kindes, Änderung von Vornamen
Aus der Praxis

Kinder im Exil

In der Stadt Bremen werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge seit 2010 in Pflegefamilien vermittelt. Dies geschieht im Rahmen der heilpädagogischen Vollzeitpflege nach §§ 33 und 42 SGB VIII und auf der Grundlage einer fachlichen Konzeption für das Leistungsangebot „Kinder im Exil“. Aus dem Jahresbericht 2015 von PIB zur Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (Kinder im Exil).
Erfahrungsbericht

Das Pflegekind und seine zwei Familiennamen

Erfahrene Pflegeeltern beschrieben einmal, wie ihre Pflegekinder mit den beiden Namen ihrer Familien umgingen - dem Namen der Herkunftsfamilie und dem Namen der Pflegeeltern und welche Schlüsse sie aus dem Verhalten ihrer Pflegekinder gezogen haben. Der Bericht ist älter - und trotzdem sehr aktuell.
Erfahrungsbericht

von:

Teil 2 - Wo gehöre ich hin? - Erfahrungsbericht

Da ich eine etwas andere Hautfarbe habe, als meine Eltern und Geschwister habe ich früh angefangen zu fragen, warum ich anders aussehe. Meine Eltern haben nie ein Geheimnis daraus gemacht und haben von Anfang an ehrlich und ausführlich mit mir darüber gesprochen, dass ich adoptiert bin.
Tiefergehende Information

Türkische Pflegeeltern

Seit 2006 arbeitet das Jugendamt der Stadt Hamm im Rahmen eines gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern „LWL- Heilpädagogisches Kinderheim Hamm“ und der Einrichtung „Care Der“ aus Istanbul / Türkei entwickelten Projektes daran, türkische / türkischstämmige Familien, Paare und Einzelpersonen für die Aufnahme eines Pflegekindes zu gewinnen.
Erfahrungsbericht

Fünf Monate mit Mohammed (Namen geändert)

Erfahrungsbericht einer Pflegemutter, die einige Monate - bis zu seiner Volljährigkeit - einen jungen Flüchtling in ihre Familie aufgenommen hatte.
Erfahrungsbericht

Ablehnung der Herkunftsfamilie als Sicherung der Zugehörigkeit

Peter kam mit einer seltenen Chromosomenstörung auf die Welt. Seine leiblichen Eltern konnten seine Behinderung nicht annehmen und gaben ihn zur Adoption frei. Er lebte gut drei Jahre in einem Heim für Schwerstkörper- und Geistigbehinderte. Mit dem Ziel der Adoption kam er in unsere Familie.
Erfahrungsbericht

Offene Adoption – eine Chance durch Offenheit und Wahrheit?

Als wir 1997 unsere beiden Kinder aufnahmen (zum Zeitpunkt der Aufnahme 1 Jahr bzw. 14 Tage alt), ahnten wir noch nicht was uns zukommen würde. Den leiblichen Vater hatten wir bei den Gesprächen kennengelernt und damit auch seine Forderungen. Da es keinen Grund gab ihm nach dem Tod seiner Lebensgefährtin aufgrund seines Alters die Kinder zu entziehen und er sich freiwillig um eine Lösung für die Versorgung der Kinder kümmerte, blieb das alleinige Sorgerecht und auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht erstmals beim leiblichen Vater.
Tiefergehende Information

Adoptiv- und Pflegekinder und ihre Familien

In den letzten Jahren/Jahrzehnten hat sich die Sichtweise über die Frage der Bedeutung der Herkunft für Adoptiv- und Pflegekinder verändert. Während man vor vielen Jahren noch fest an die allein selig machende und allein wirkungsvolle Prägung durch Erziehung glaubte, wissen wir heute, wie deutlich wir durch die Gene unserer Eltern geprägt werden und wie bedeutsam die Art des Aufwachsens in den ersten Lebensjahren ist.
Politik

Beteiligung, Förderung und Schutz von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen durch die Kinder- und Jugendhilfe

Eine Gastfamilie ist rechtlich eine Pflegefamilie im Sinne des § 33 SGB VIII. Die Bundesregierung fördert im Rahmen des Programms „Menschen stärken Menschen“ ein Projekt zur Gewinnung von Gastfamilien, Vormundschaften und Patenschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit einer Fördersumme von insgesamt 670 000 Euro für eine Laufzeit von 2 Jahren. Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen zur Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlingen in Gastfamilien