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Frage und Antwort

Unterhaltspflicht für die leiblichen Eltern

Unsere Älteste Pflegetochter ist 25 Jahre alt und seit dem fünften Lebensjahr bei uns. Seitens der Behörde soll sie nun finanziell für ihre leibliche Mutter, die Sozialleistungen bezieht, in Regress genommen werden. Aus unserer Sicht eine untragbare Zumutung, nicht zuletzt aufgrund der als Kind erlittener Traumatisierungen und nun wird ihr auch noch die Möglichkeit verbaut, sich als junger Mensch 'unbelastet' (soweit man das überhaupt sagen kann) ein eigenes Leben aufzubauen. Frage: Haben Sie Erfahrungen mit dieser Situation und wie kann sich unsere Tochter dagegen (juristisch) wehren, ein Leben lang weiter in dieser Situation mit der leiblichen Mutter (der leibliche Vater ist verstorben) zwangsverbunden zu bleiben? Sollen wir uns auch das das Jugendamt wenden, die ja aktenmäßig möglicherweise auch gefragt sein könnten (bevor die Akten vernichtet werden)?

Ja - leider ist es so, das Kinder (egal wo sie groß geworden sind) ihren leiblichen Eltern gegenüber unterhaltsverpflichtet bleiben.

Der Anspruch auf Zahlung von Elternunterhalt kann aber auch durch früheres Verhaltes des bedürftigen Elternteils verwirkt sein. Die gesetzliche Grundlage hierfür bildet § 1611 BGB. Eine Verwirkung kann z.B. vorliegen, wenn der bedürftige Elternteil das Kind früher stark vernachlässigt oder misshandelt hat oder aber auch, wenn er seine eigene Bedürftigkeit in sittlich vorwerfbarer Weise selbst herbeigeführt hat. Dann kann das Sozialamt im pflichtgemäßen Ermessen von den Unterhaltszahlungen absehen.

Hier müsste Ihre Tochter dem Sozialamt eine entsprechende Mitteilung machen. Das fällt sicherlich oft schwer. Sie haben doch noch Kontakt zu Ihrem Jugendamt für die anderen Pflegekinder? Vielleicht können die Ihnen helfen.

Nur zur Info möchte ich darauf hinweisen, dass Pflegeeltern ihr Pflegekind adoptieren können und zwar nach dem Minderjährigenrecht. Dann entfällt die Pflicht des Unterhalts für die leiblichen Eltern.

Letzte Aktualisierung am: 
11.03.2021