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TICS und das Tourette-Syndrom

Als Tics bezeichnet man unwillkürliche, plötzlich einsetzende und wiederholt auftretende Zuckungen oder Lautäußerungen, die von den Patienten als unvermeidbar empfunden werden, jedoch zeitweise unterdrückt werden können.

Was sind Tics?

Als Tics bezeichnet man unwillkürliche, plötzlich einsetzende und wiederholt auftretende Zuckungen oder Lautäußerungen, die von den Patienten als unvermeidbar empfunden werden, jedoch zeitweise unterdrückt werden können.

Ein häufig auftretender einfacher motorischer Tic ist beispielsweise das Augenzwinkern. Während einfache motorische Tics nur eine Muskelgruppe betreffen, werden bei komplexen motorischen Tics mehrere Muskelgruppen einbezogen (z. B.: in die Knie gehen oder sich um sich selbst drehen).

Einfache vokale Tics sind z. B. Räuspern oder Hüsteln. Zu den komplexen vokalen Tics zählen u. a. Schreien und Summen.

Ticstörungen sind bei den betroffenen Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Besonders beim Tourette-Syndrom gibt es wohl keine zwei Menschen, die identische Tics haben.

Häufig kommt es vor, dass Tics plötzlich verschwinden und spontan neue bzw. andere Tics einsetzen.

Bis heute ist noch nicht geklärt, warum Ticstörungen derartigen Schwankungen unterliegen.

Tics können „ansteckend“ sein. Einige Betroffene übernehmen beim Zusammensein mit anderen Betroffenen schnell deren Tics. In der Regel hält diese Tic-Übernahme nur wenige Stunden oder Tage an.

Ticstörungen beginnen häufig im Vorschulalter und können sich zwischen dem 10. Lebensjahr und der Pubertät verstärken. Im Vorschulalter sind ca. 20% aller Kinder - meist vorübergehend - betroffen.

Bei den meisten Betroffenen vermindern sich die Tics nach der Pubertät oder verschwinden ganz, können jedoch im Erwachsenenalter erneut auftreten. Nur in seltenen Fällen entwickeln Betroffene Tics erstmals im Erwachsenenalter.

Emotionale Belastungen wie Stress oder heftige emotionale Erregungen wie z. B. Freude, Angst oder Ärger können die Symptomatik verstärken.

Tics treten oft vermindert auf, wenn sich der Betroffene einer Aktivität widmet, die seine ganze Konzentration erfordert.

Menschen mit Ticstörungen sind meistens ebenso intelligent und leistungsfähig wie gesunde Menschen, in manchen Dingen sind sie ihnen sogar überlegen. Sie besitzen häufig eine sehr gute Reaktionsfähigkeit, ein rasches Auffassungsvermögen und sie sind verbal sehr schlagfertig.

Oft haben Betroffene ein sehr gutes mathematisches Verständnis, ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis, ein gutes Erinnerungsvermögen für Personen und Zahlen und sind häufig sehr kreativ.

Warum entstehen Tics?

Die Ursache für Tics ist noch nicht geklärt. Die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen eine Stoffwechselstörung im Gehirn vermuten.

Ticstörungen können auch ein Symptom für andere Erkrankungen sein. Daher muss diagnostisch abgeklärt werden, ob andere Erkrankungen (Epilepsie, Meningitis) oder andere psychische Beschwerden, bzw. Verhaltensauffälligkeiten vorliegen.

Übersicht möglicher Tics

Motorische Tics

Einfache motorische Tics

  • Augenblinzeln
  • Augenbewegungen
  • Nasenbewegungen
  • Mundbewegungen
  • Gesichtsgrimassen
  • Kopfschleudern
  • Schulterziehen
  • Armbewegungen
  • Handbewegungen
  • Abdominale Zuckungen
  • Beinbewegungen
  • Fuß-oder Zehenbewegungen

Komplexe motorische Tics

  • Gesten oder Bewegungen der Augen
  • Gesten/ Bewegungen mit dem Kopf
  • Gesten mit Arm oder Hand
  • Mundbewegungen
  • Gesten mit der Schulter
  • Beugen oder sich winden
  • Rotieren um die eigene Achse
  • Kopropraxie
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Echopraxie

Vocale Tics

Einfache vokale Tics

  • Husten
  • Schnüffeln
  • Räuspern
  • Grunzen
  • Pfeifen
  • Tierlaute
  • Vogellaute

Komplexe vokale Tics

  • Silben
  • Wörter
  • Koprolalie
  • Echolalie
  • Palilalie
  • Blockierungen
  • Atypische Sprachwendungen
  • Enthemmte Sprache

Vorübergehende Ticstörungen kommen im Kindes- und Jugendalter sehr häufig vor.

Besteht die Symptomatik länger als ein Jahr, handelt es sich um eine chronische Ticstörung.

Es treten entweder motorische oder vokale Tics auf. Die Tics treten nicht gleichzeitig auf, können aber zeitlich aufeinander folgen.

Tourette Syndrom

Das Tourette Syndrom ist eine besondere Form der Ticstörung.

Diese Erkrankung wurde erstmals 1885 von dem französischen Neurologen Gilles de la Tourette beschrieben und später nach ihm benannt. Die Störung beginnt immer im Kindesalter - vor dem 18. Lebensjahr und manifestiert sich meist im Alter von ca. 6-8 Jahren.

Das Tourette-Syndrom ist bei den Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Betroffene, die zwar motorische als auch vokale Tics haben, jedoch nicht darunter leiden, weil diese Tics weniger stark ausgeprägt und sozial nicht auffällig sind. Andere Betroffene haben sehr viele oder stark ausgeprägte Tics, die ihre Lebensqualität sehr einschränken können. Die Mehrheit der Betroffenen haben wenige bzw. mittelstark ausgeprägte Tics.

Entgegen der verbreiteten Meinung, alle Tourette-Betroffenen würden Schimpfwörter bzw. vulgäre Ausdrücke aussprechen, haben nur wenige der Betroffenen diese Symptome. Der Fachbegriff für diese sozial auffällige Störung heißt Koprolalie. Diese Form der Symptomatik ist für Betroffene besonders unangenehm. Die Koprolalie lässt sich ebenso wenig steuern wie motorische und sonstige vokale Tics.

Die Ursache des Tourette-Syndroms konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Es wird jedoch angenommen, dass die Symptome durch Veränderungen in den Basalganglien des Gehirns verursacht werden.

Die medikamentöse Behandlung des Tourette-Syndroms, wie auch der chronischen Ticstörung, ist im Besonderen abhängig vom Leidensdruck der Betroffenen. Leichte Ticstörungen werden in der Regel nicht medikamentös behandelt.

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Letzte Aktualisierung am: 
31.12.2014

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