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01.09.2012

Stellungnahme des Kompetenzzentrum-Pflegekinder e.V. zum Fall Chantal

Der Fall Chantal in Hamburg. Ein Plädoyer für Qualität und eine Warnung vor den falschen Konsequenzen.

Themen:

Der Fall Chantal in Hamburg. Ein Plädoyer für Qualität und eine Warnung vor den falschen Konsequenzen.

Am 16. Januar 2012 starb das Mädchen Chantal in seiner Pflegefamilie an den Folgen einer Überdosis Methadon. Nach Bekanntwerden des Vorfalles reagierte der Hamburger Senat schnell und umfänglich. Es erfolgte eine Aktenanalyse in allen 1.300 Fällen, in denen Hamburger Kinder in Pflegefamilien untergebracht sind. Alle Pflegeelternakten wurden in den Jugendämtern auf Anweisung des Senates überprüft, die Freien Träger mussten die von ihnen gesammelten und verwalteten Daten an die Jugendämter innerhalb kurzer Frist herausgeben (Zur Rechtmäßigkeit der Vorlage von Pflegeelternakten durch Freie Träger der Jugendhilfe hat Prof. Reinhard Wiesner ein Gutachten erstellt, das Sie hier nachlesen können.) Parallel dazu wurden „vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern in Pflegefamilien“ erlassen. Diese beinhalten Drogenscreenings, erweiterte Führungszeugnisse und Gesundheitszeugnisse durch die Gesundheitsämter für alle Haushaltsangehörigen ab 14 Jahren.

Angeheizt durch eine Medienberichterstattung, die die Unkontrollierbarkeit und Profitorientierung von Freien Trägern an den Pranger stellte, hatte die Politik schnell den Schuldigen ausgemacht und die Lösung ist auch schon parat: In Zukunft soll das Pflegekinderwesen „rekommunalisiert“, also ausschließlich durch kommunale PKDs durchgeführt und dadurch die Missstände strukturell, finanziell und inhaltlich eliminiert werden.

Der Tod des Mädchens Chantal ist tragisch und bedarf der lückenlosen und vorurteilsfreien Aufklärung. In den kommenden Wochen muss es erlaubt sein, Fragen zu stellen und Antworten zuzulassen. Ein Sonderausschuss ist beauftragt, Schlüsse aus der Akte Chantal zu ziehen. Bis die Ergebnisse feststehen soll davor gewarnt werden, vorschnell auf die angebotenen Konfliktlinien:

  • Kommunale Träger versus freie Träger;
  • Kontrolle versus Vertrauen;
  • Zentralismus versus Pluralismus

aufzuspringen und so die Debatte ideologisch zu verschärfen und künstliche Gräben zu
schaffen.

Das Kompetenzzentrum Pflegekinder hat es sich zur Aufgabe gemacht, Dienstleistungen für Pflegekinderdienste zu erbringen. Es geht ihm darum, Standards zu entwickeln und Qualität zu sichern. Die Engführung auf politisch wirksame Schlagwörter schadet der Pflegekinderhilfe nachhaltig. Wir werden langfristig Pflegefamilien verlieren und Kindern schaden.

www.kompetenzzentrum-pflegekinder.de/ErklaerungChantal.pdf