Sie sind hier

11.12.2023
Stellungnahme

Hinweise und Reaktionen auf illegale Adoptionen von Kindern von 1970 bis 1990

Aufgrund des Schweizer Berichtes zu illegalen Adoptionen in Sri Lanka hatte der Schweizer Bundesrat einen weiteren Auftrag erteilt, mit dem insbesondere die Adoptionspraxis aus weiteren Herkunftsländer erforscht werden sollte. Das Ergebnis dieser Auftrages wurde nun von der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften veröffentlicht. Anschließend wurde von einer Schweizer Kommission eine Empfehlung zur Hilfe bei Herkunftssuche von Adoptierten erarbeitet. 'Pach Pflege- und Adoptivkinder Schweiz' veröffentlichte dazu eine Stellungnahme.

Auszüge aus der Stellungnahme von PACH Pflege- und Adoptivkinder Schweiz

Das Bundesamt für Justiz (BJ) hat die ZHAW Anfang 2021 mit einer zusätzlichen Recherche zu weiteren zehn Ländern beauftragt: Bangladesch, Brasilien, Chile, Guatemala, Indien, Kolumbien, Südkorea, Libanon, Peru und Rumänien. Es handelt sich um ein Forschungsmandat, das sich auf eine Analyse der Bundesarchive beschränkt, nicht aber der individuellen Adoptionsakten. Der Bericht zeigt, dass auch in den nun untersuchten Ländern problematische bis illegale Adoptionspraktiken stattgefunden haben. Diese gehen von der Gefälligkeit bei der Ausstellung von Pässen über die Vortäuschung von Mutterschaft bis hin zu Kinderhandel. Die Haltung der Behörden und Vertreter vor Ort verstiessen oft gegen die Rechte der Kinder und die Interessen der adoptionswilligen Paare wurden oft höher gewichtet als die der Kinder. [....]

Kurz gefasst erachten die unterzeichnenden Organisationen folgende Massnahmen als dringend nötig:

1. Der Prozess der Herkunftssuche soll für alle betroffenen Personen kostenfrei gestaltet werden.

2. Für die Begleitung und Betreuung von adoptierten Personen im Prozess der Herkunftssuche sollen spezifisch geschulte und qualifizierte Personen einsetzt werden.

3. Eine sichere DNA-Datenbasis auf internationaler Ebene soll aufgebaut werden. Dazu müssen die nötigen Rechtsgrundlagen geschaffen werden.

4. Art. 268d ZGB muss überprüft und angepasst werden unter Einbezug der betroffenen Personen und Organisationen sowie der Kantone.

5. Die interkantonale Koordination der Herkunftssuche und weiteren Adoptionsthemen sollen auf politischer und fachlicher Ebene überprüft und verbessert werden.

6. Es sollen weitere wissenschaftliche Forschungsarbeiten zur Überprüfung und Aufarbeitung der Adoptionspraktiken durchgeführt werden. Die Liste mit zu untersuchenden Ländern soll erweitert werden und auch die (heutigen) Praktiken in den Kantonen sollen Teil der Untersuchung sein.

7. Trotz Verbesserungen durch das Haager Adoptionsübereinkommen (HAÜ) seit 2003 gibt es bis heute Hinweise bezüglich der Fortsetzung illegaler Adoptionspraktiken. Die unterzeichnenden Organisationen rufen die Behörden dringend dazu auf, ein Moratorium zu Auslandsadoptionen (wie z.B. in den Niederlanden beschlossen) zu prüfen.

8. Es gilt eine nationale Informationskampagne zur breiten Sensibilisierung der Bevölkerung sowie potentieller Adoptiveltern durchzuführen. Auch soll darüber informiert werden, dass Reproduktionspraktiken wie die anonyme Samenspende/Eizellspende/Embryonenspende oder Leihmutterschaft ähnliche Fragen bezüglich Kindesinteresse und der späteren Identitätssuche auslösen.

Die genannten Organisationen möchten adoptierten Personen eine Plattform bieten, um sich zu informieren und sich zu organisieren. Dazu ist ein nationales Vernetzungstreffen im Laufe des Jahres 2024 geplant. Interessierte können sich hier melden: info@pa-ch.ch

Das könnte Sie auch interessieren

Fachartikel

von:

Adoption im Doppelpack? Chancen und Risiken gemeinsamer Vermittlung von Geschwisterkindern aus dem Ausland

Abwägung unterschiedlicher Sichtweisen zur Frage der Geschwistervermittlung - besonders im Rahmen der Auslandsvermittlung.
Gerichtsbeschluss erklärt

BVerwG zu den Voraussetzungen einer Visumserteilung zur Kinderadoption in Deutschland

Ein Visum zum Zweck der Adoption eines Kindes aus dem Ausland darf grundsätzlich nur dann erteilt werden, wenn zuvor ein Verfahren der internationalen Adoptionsvermittlung erfolgreich durchgeführt wurde. Die vollständige Durchführung eines internationalen Adoptionsvermittlungsverfahrens ist zum Schutz des Kindeswohls erforderlich
Fachartikel

"Willkommene Lüge "- ein Artikel zur Auslandsadoption v. E.J.Graff

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Margit Huber von PFAD Bundesverband e.V.
Stellungnahme

Menschenrechtsbeauftragter: Neues russisches Adoptionsgesetz bestraft vor allem Waisenkinder

Der Menschenrechtsbeauftragte macht darauf aufmerksam, dass das Verbot der Adoption von russischen Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare besonders Waisenkindern schadet.
Stellungnahme

von:

Deutschland muss Regelungslücken bei Auslandsadoptionen schließen

Presseerklärung von terre des hommes zum internationalen Haager Adoptionsabkommen, in der auf Gesetzeslücken in Deutschland hingewiesen wird.
Fachartikel

von:

Adoptivkinder aus fremden Ländern und ihre Eltern - Ergebnisse einer Befragung

Für Außenstehende wird kaum erkennbar, wie es nach der Ankunft des Kindes in seiner neuen Familie weitergeht, wie es sich also entwickelt, wie seine neuen Eltern mit ihm zurecht kommen, ob sie ihre Entscheidung für die Adoption Jahre später vielleicht sogar bereuen, und wie Angehörige, Freunde, andere Kinder auf das meist auch fremdländisch aussehende Kind reagieren. Studie von Diplom-Psychologe Reinhard Holzapfel darüber, wie Adoptiveltern die Entwicklung ihrer Adoptivkinder einschätzen und wie sie sich mit diesen Kindern fühlen. Die Antworten der befragten Eltern geben starke Hinweise darauf, dass es den Eltern in der Regel gelingt, einen Umgang mit Störungen zu finden und den Kindern in ihrer Entwicklung zur Seite zu stehen.