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Nie wieder Langeweile?

Wer kennt es nicht, das unerträgliche Gefühl von Langeweile. Die nervigen Rufe "Ich weiß nicht, was ich machen soll!" und "Mir ist so langweilig!" Außer Frage steht, dass es Formen von Langeweile gibt, aus denen sich ein Kind nicht selbst heraus helfen kann. Doch muss wirklich immer etwas gegen die "lange Weile" unternommen werden?

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Wer kennt es nicht, das unerträgliche Gefühl von Langeweile. Die nervigen Rufe "Ich weiß nicht, was ich machen soll!" und "Mir ist so langweilig!" Außer Frage steht, dass es Formen von Langeweile gibt, aus denen sich ein Kind nicht selbst heraus helfen kann. Doch muss wirklich immer etwas gegen die "lange Weile" unternommen werden?

adventskalenderDie 6-jährige Petra kommt aus dem Kinderzimmer, hängt mit gelangweilter Miene im Wohnzimmer rum und fängt an, ihre kleine Schwester zu ärgern, die friedlich ein Puzzle legt. Im Kinderzimmer hatte Petra mit ihrem neuen Puppenhaus gespielt. Über eine Stunde lang. Die Puppen hat sie schließlich schlafen gelegt. Nur sie selbst weiss jetzt partout nicht mehr, was sie mit sich anfangen soll. Ihr ist langweilig.

Petras Langeweile ist ganz normal und gehört zur gesunden Entwicklung von Kindern. Nach dem intensiven Spiel mit den Puppen braucht Petra einfach eine Pause. Natürlich kommt ihr die Zeit gerade ewig lang vor, sie ist angeödet und nervt ihre Umwelt, doch nach der Langeweile kommt eine neue Phase der Beschäftigung. Möglicherweise fällt ihr gleich ein, dass sie schon lange den Weihnachtsstern fertig basteln wollte, der noch in der Küche liegt. Petra ist in der glücklichen Lage, sich aus eigenem Antrieb von der Langeweile zu befreien.

Was ist Langeweile? Ein "Zustand der Unausgefülltheit und Erlebnisarmut mit Dehnung des Zeiterlebens auf Grund reizarmer Umgebung, fehlender oder gleichförmig wiederkehrender Reize oder wegen innerer Gleichgültigkeit und Phantasieleere." (dtv-Lexikon)

Dass Langeweile praktisch zum Spiel dazu gehört, wird oft vergessen. Viele Eltern versuchen pausenlos, ihre Kinder von diesem Zustand abzulenken. Durchgeplante Tage und volle Terminkalender der Kinder sind keine Seltenheit. Und zuhause wird allzu schnell der Fernseher zum Retter vor der Langeweile. Eine nicht zu unterschätzende Falle sind übervolle Kinderzimmer. Vor lauter Spielsachen können sich die Kinder gar nicht mehr für ein Spiel entscheiden.

Schon 1930 warnte Johanna Huber im "Buch der Kinderbeschäftigungen" des Otto Maier Verlags Ravensburg davor, Kinder mit Beschäftigunsangeboten zu überfrachten. Im Vorwort schrieb sie damals:

".... denn nicht immer ist das Kind `schöpferisch`, auch im Kinde gibt es Ruhepausen für die Phantasietätigkeit - und das ist gut."

Fast 50 Jahre später in einer aktualisierten Fassung des gleichen Buches heißt es:

Wir geben zu Bedenken, "daß neben einer auch noch so sinnvollen Beschäftigung ein gewißes Maß an Ruhe, Auspendeln und `Gar-nichts-tun` für eine gesunde Entwicklung nötig ist." (Das Buch der Kinderbeschäftigungen aus dem Jahr 1976, Hrsg.: B. Jeitner)

Selbstverständlich gibt es Ursachen für Langeweile, die ein Kind nicht selbst beheben kann. In einer Umgebung, die nicht kindgerecht ist, in der dem Kind mehr verboten als erlaubt wird, kann es kein Spiel entwickeln. Ist ein Kind bereits gewohnt, keine frei verfügbare Zeit mehr zu haben, wird es sich - zum Beispiel in den Ferien - nur sehr schwer allein beschäftigen können.

Ein Kind, das sich langweilt, weil es sich körperlich und psychisch nicht wohl fühlt, braucht natürlich Hilfe, um sein Wohlbefinden wieder zu erlangen. Es ist auf eine kontinuierliche und liebevolle Betreuung angewiesen, damit es seine Neugierde und Entdeckerlust wieder findet. Erst wenn es richtig spielen kann, ist es in der Lage, die zwischenzeitlichen Phasen der Langeweile zu ertragen und positiv zu nutzen.

Dies soll auch kein Plädoyer dafür sein, Kinder nur noch allein spielen zu lassen. Gemeinsames Spielen mit bestimmten Regeln und "Input" von außen sind natürlich genauso wichtig wie das freie Spielen nach den eigenen Ideen. Fernsehen und tolle neue Spielsachen sollen genauso wenig verteufelt werden. Es soll lediglich daran erinnert werden, Kindern nicht immer alles zu präsentieren, sondern ihnen ebenfalls die Möglichkeit zu geben, selbstbestimmt mit ihrer Zeit umzugehen. Und vor allen Dingen daran zu glauben, dass sie die Fähigkeit dazu besitzen.

Gedanken über die Langeweile gemacht hat sich Astrid Hopp-Burckel

Im Idealfall ist ein Kind dann in der Lage, seiner Phantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen. Es fühlt sich sicher und hat Vertrauen in die Welt. Nach dem Motto: "Ich liebe die ganze Welt und die Planeten!" , wie letztens die 6-jährige Petra offenbarte.

Internetlinks:

Weiterlesen: 
Buch: Ratgeber
von
Bertrun Jeitner-Hartmann, Doris Rübel
Fachbuch
von
Remo H. Largo

Kinderjahre

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Letzte Aktualisierung am: 
27.05.2008