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Leitlinien zur Bewerberprüfung

Hier erhalten Sie die Leitlinien, die als Hilfestellung zwischen Bewerberpaaren und Adoptionsvermittlungsstellen benutzt werden.

handabdruckblauFolgende Leitlinien werden als Hilfestellung zwischen Bewerberpaaren und Adoptionsvermittlungsstellen benutzt, um Sie, als Paar, selbst für ihre tieferliegende Dynamik in ihren Familien bewusst zu machen und ihre Motivation für die Adoption besser zu verstehen:

  1. Haben sie Abschied vom nicht geborenen eigenen Kind genommen und den dazugehörigen Trauerprozess vollzogen? Haben sie gelernt mit diesem Verlust zu leben? Haben sie und ihr Partner die Enttäuschung der Kinderlosigkeit miteinander bewältigt, oder steht die Hoffnung auf ein eigenes Kind noch im Mittelpunkt des Handelns (künstliche Befruchtung, Invitro-Fertilisation)? Je stärker die Sehnsucht nach einem leiblichen Kind zum Zeitpunkt der Annahme, desto größer ist später die Gefahr, das adoptierte Kind emotional nicht ganz annehmen zu können, wenn es sich schwierig verhält und die Sehnsüchte nicht erfüllen kann.
  2. Fühlen sie sich auch ohne die Fortsetzung der biologischen Kette durch ein leibliches Kind als wertvolle, selbstbewusste Menschen?
  3. Haben sie realisiert, das ein Adoptivkind das Kind eines fremden Ehepaares ist? Das Kind hat zweimal Eltern, und seine Identität, sein Selbstwertgefühl wird sich aus dem WIssen und Fühlen über beide Familien zusammensetzen. Können sie die Beweggründe der abgebenden Eltern zur Fortgabe des Kindes nachvollziehen, respektieren oder tolerieren? Nur so kann der Negatividentivizierung des Kindes bezüglich seiner Herkunft vorgebeugt werden.
  4. Sind sie bereit, Identitätsmerkmale wie Namen, Fotos von Herkunftseltern, Tag der Adoption aufzubewahren?
  5. Sind sie als Bewerberpaar für ein älteres Kind darüber im klaren, dass sie sich über ein Kind, das im Heim gelebt hat und zahlreiche Verluste und Beziehungsabbrüche im Leben erlebt hatte, oder was häufiger dramatischer ist, wenn das Kind überhaupt noch keine Beziehung erlebt hat, nie mehr ganz selbst verwirklichen können? Können sie realisieren, dass dieses Kind in weiten Teilen eine autonome Persönlichkeit bleiben wird, die Toleranz, Geduld und Kraft kosten wird?
  6. Bei Auslandsadoptionen: Welche Bindeglieder zum Kulturkreis des Kindes wollen sie bewahren? Wie wollen sie ihr Kind bei Erfahrungen mit Diskriminierung, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus helfen?
  7. Haben sie die Krise der Kinderlosigkeit bewältigt? Wie fühlen sich die Verursacher der Kinderlosigkeit, wie wurde mit Enttäuschung und Aggression umgegangen?
  8. Welche Erfahrungen bringen sie beide auf der individuellen Ebene mit? Was haben sie in ihrer eigenen Kindheit erlebt? Wie waren ihre Prägungen bezüglich Leistung, Geliebt- und Geachtet werden? Haben sie Erfahrungen mit Alleinfühlen? Wie gehen sie um mit Nähe und Distanz? Gab es Verluste, Beziehungsabbrüche? im frühen Leben von ihnen? Wie haben sie sich damit auseinandergesetzt? Werden die Auswirkungen auf ihr heutiges Leben gespürt, wahrgenommen? Gab es Suchtverhalten in der eigenen Familie, welche Abhängigkeitsverhältnisse, welche Macht-Ohnmacht-Strukturen gab es, und wie haben sich diese auf das heutige Beziehungsverhalten von ihnen und ihrem Parter ausgewirkt?
  9. Gibt es genügend Abgrenzungen zwischen den Generationen? Sind sie bei ihren eigenen Eltern noch in der Rolle des Kindes, oder können sie erwachsen und unabhängig sein? Wie bewerten die eigenen Eltern die Adoptionsbewerbung? Wie sind die zukünftigen Adoptivgroßeltern mit der Kinderlosigkeit von ihnen umgegangen?
  10. Wie ist der soziale Kontext von ihnen, wie die Bindungen und Abhängigkeiten bezüglich weiterer Familie, Geschwistern, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Freundinnen und Freunden und Bekannten? Welches Bewusstsein gibt es bei diesen Menschen über Adoption?
  11. Welche Risikofaktoren bringen sie, als Bewerberinnen und Bewerber mit? Gibt es Übereinstimmung des Alters mit den natürlichen Lebensphasen, befinden sie sich in der Elternphase oder schon bald in der Großelternphase? Weitere Risikofaktoren sind Abhängigkeitsprobleme von Alkohol, Essen, Tabletten, Drogen, Mitgliedschaft in Sekten, körperliche Gebrechen u.v.a.m.

"Stellen Sie sich darauf ein, dass was sie bekommen, nicht notwendigerweise dass ist, was sie erwartet haben. Daher ist es wichtig, dass sie selbst das Motiv ihres Kinderwunsches klären."

  • ggfs. wünscht sich das Paar durch die konkreten Veränderungen, die mit dem Kind gewünscht werden, miteinander wieder ins Gespräch zu kommen,
  • das kann für die Frau bedeuten, dass sie sich mit einem Kind erhofft, den Mann häufiger zuhause zu sehen,
  • der Mann dagegen glaubt, seine Frau sei dann ausgelastet und könnte öfter seinem Hobby nachgehen.
  • Wollen sie wirklich ein Kind, oder wollen sie nur eine Familie gründen, weil man es so macht, weil es von anderen erwartet wird oder weil man selbst sich das als "Grundlebensplan" so vorgenommen hatte?
  • Eventuell will es auch nur ein Parter und der andere nicht aus vollem Herzen.
  • Oder will man vielleicht nur ein Kind annehmen, um eine "gute Tat" zu tun? Das kann zu Problemen führen, weil man aus diesem Gedanken heraus eine gewisse Dankbarkeit des Kindes erwartet.
  • Besonders Eltern, die bereits leibliche Kinder haben, wissen, dass diese bei aller Freude auch eine Belastung für die Parterschaft darstellen können.
  • Viele Adoptiveltern fühlen sich bei einem Adoptivkind noch in ganz besonderer Weise in der Pflicht stehend, da sie das Kind als etwas ihnen Anvertrautes empfinden und nichts "schief gehen" darf. Ist ihre Partnerschaft so gut und belastbar, dass sie auch die schwierigen und ungeplanten Situationen meistern können?
Letzte Aktualisierung am: 
08.05.2008

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