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Frage und Antwort

Krankenhilfe für Pflegekinder

Der Orthopäde meines Pflegekindes hat eine KIDD-Behandlung durchgeführt und eine Privatrechnung gestellt. Ich habe nun die Übernahme der Kosten beantragt. Dies wurde mit dem Argument abgelehnt, dass nach § 40 SGB VIII nur die Krankenkassenbeiträge übernommen werden. Demnach sollen auch die Zuzahlungsbeträge zu Medikamenten etc., die ab dem 12. Lebensjahr anfallen nicht erstattet werden. Das Argument ist ebenfalls, dass sie maximal soviel übernehmen wie die Krankenkassen. Ich habe natürlich im Internet recherchiert und kann ja noch akzeptieren, wenn medizinisch nicht anerkannte Behandlungen nicht erstattet werden. Aber die Ablehnung der Erstattung der Zuzahlungen kann ich nicht widerspruchslos akzeptieren. Können Sie mir weiterhelfen? Wie wird der § 40 SGB VIII denn sonst ausgelegt? Worauf beziehen sich denn dann die Begriffe "Zuzahlungen"?

Da Pflegeeltern ihrem Pflegekind ja nicht unterhaltsverpflichtet sind, wurde der § 40 SGB VIII dahingehend ausgeweitet, dass auch Zuzahlungen und Eigenleistungen zu übernehmen sind - für Maßnahmen, die einen Erfolg versprechen.

Hilfreich ist es in der Zukunft sicherlich immer, VORHER einen Antrag zu stellen, dann kann man sich notfalls noch dagegen wehren.

Aber nun zu diesem Antrag:

Ich hänge Ihnen mal ein Gutachten des DIJuF (Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht) zum § 40 SGB VIII an. Das sagt eigentlich alles aus und dies können Sie auch gut als Gegenargumentation zur Aussage Ihres Jugendamtes benutzen. (Siehe auch: https://www.moses-online.de/krankenhilfe )

Mail der Pflegemutter nach dieser Antwort: Mein Sozialarbeiter hat inzwischen eingelenkt. Er hat sich einen ganzen Vormittag mit dem § 40 beschäftigt. Aber er betonte, dass es immer im Einzelfall betrachtet werden muss. Na ja!

§ 40 Krankenhilfe SGB VIII

Wird Hilfe nach den §§ 33 bis 35 oder nach § 35a Absatz 2 Nummer 3 oder 4 gewährt, so ist auch Krankenhilfe zu leisten; für den Umfang der Hilfe gelten die §§ 47 bis 52 des Zwölften Buches entsprechend. Krankenhilfe muss den im Einzelfall notwendigen Bedarf in voller Höhe befriedigen. Zuzahlungen und Eigenbeteiligungen sind zu übernehmen. Das Jugendamt kann in geeigneten Fällen die Beiträge für eine freiwillige Krankenversicherung übernehmen, soweit sie angemessen sind.

Letzte Aktualisierung am: 
11.03.2021