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Alltag mit Kindern

Konflikte

Bei Konflikten mit Kindern wird durch erzieherisches Verhalten der Erwachsenen versucht, das Kind sozial verträglicher zu machen. Hilfreich ist auch die Veränderung des anderen Beteiligten am Konflikt – hier den Pflege- und Adoptiveltern. Sie können lernen vom Kind nur Dinge zu erwarten und zu fordern, die es auch leisten kann.

In Konflikten geraten Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen über eine Sache. Die Lösung solcher Konflikte kann durch eine Veränderung eines der Beteiligten oder aller Beteiligten gesucht werden.
Bei Konflikten mit Kindern wird durch erzieherisches Verhalten der Erwachsenen versucht, das Kind sozial verträglicher zu machen. Hilfreich ist auch die Veränderung des anderen Beteiligten am Konflikt – hier den Pflege- und Adoptiveltern. Sie können lernen vom Kind nur Dinge zu erwarten und zu fordern, die es auch leisten kann. Eine weitere Lösung ist die Angleichung der unterschiedlichen Vorstellungen und Möglichkeiten des Kindes und der Erwachsenen hin zu einem gemeinsam getragenen Kompromiss.

Sowohl die Veränderung des Kindes, als auch die Veränderung der Erwachsenen als auch eine gemeinsame Kompromisslösung sind wirklich nicht einfach und dauern oft eine lange Zeit des miteinander Versuchens und Streitens.

Um überhaupt den Alltag mit einem geschädigten Pflege- und Adoptivkind bewältigt zu bekommen stehen seine neuen Eltern erst einmal vor der Aufgabe SICH dem Kind anzugleichen, bevor das Kind in der Lage ist, sich ihnen anzugleichen. Ein langer Weg also.

Zur schnelleren Veränderung von schwierigem Alltagsgeschehen gibt es den Weg, die SITUATION, durch die der Konflikt beständig entsteht, zu verändern.

Beispiele von hilfreicher Veränderung von Konflikten durch Veränderung der bestehenden Situation:

Sie haben drei Kinder. Zwei haben ein gemeinsames Zimmer und streiten sich beständig. Sie versuchen immer wieder den Streit zu schlichten, es ist hoffnungslos.
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, die beiden Kinderzimmer anders aufzuteilen? Durch eine veränderte Möblierung das große Zimmer in zwei halbe Zimmer zu verändern? Zwei andere Kinder beieinander wohnen zu lassen? Etc. etc.

Es zeigt sich, dass Ihr Pflege-/Adoptivkind Geld aus Ihrer Geldbörse nimmt. Sie versuchen es durch Erklärungen, durch die Vermittlung Ihres verletzten Gefühls. Sie appellieren an seine Ehre – alles hilft nur eine sehr kurze Zeit. Sobald das Kind die Börse unbeaufsichtigt sieht, fühlt es sich magisch angezogen. Klären Sie die Situation durch eine deutliche Entscheidung, die Sie dem Kind mitteilen: „ich werde meine Börse jetzt einschließen. Mir geht es damit wesentlich besser und du wirst nicht weiter verführt. Das machen wir jetzt z.B. vier Wochen so, dann werden wir wieder darüber miteinander sprechen“.

Sie haben ein Kind mit Wahrnehmungsproblemen. Ihm ist im Sommer nicht wirklich warm und im Winter nicht wirklich kalt. Es steht mit blau gefrorenen Füssen im Garten und wundert sich über Ihre Aufregung. Sie erklären ihm im Sommer, dass es doch nicht mit Rollkragen und dicker Hose in die Schule gehen kann und im Winter versuchen Sie ihm deutlich zu machen, dass es in Sandalen frieren wird.
Erziehung zur Selbständigkeit her und hin: das Kind ist überfordert – entscheiden SIE sich dazu, ihm am Morgen oder den Abend davor seine Anziehsachen auf einen Stuhl zu legen, so dass es passend angezogen ist. Und sprechen Sie mit ihm über Gefühle, und wie es sich anfühlt warm zu sein oder zu frieren.

Sie haben ein vernachlässigtes Kind aufgenommen, das Essenprobleme hat. Es isst Unmengen, hat kein Maß. Weiß nicht wann es satt ist oder Hunger hat. Entscheiden SIE sich dazu, dem Kind die Menge seines Essens zuzuteilen. Beobachten Sie dabei, ob diese Menge für das Kind o.k. ist. Sprechen Sie in ruhigen Momenten mit ihm über das Gefühl von satt sein oder Hunger haben. Vertrauen Sie darauf, dass das Kind langsam lernen wird, und später auch entscheiden kann wie viel es für sich braucht.

Die leibliche Mutter des Kindes war es gewöhnt, jederzeit bei den Pflegeeltern anzurufen und mit ihrem Kind sprechen zu können. Nach der Phase der Eingewöhnung merkten die Pflegeeltern, dass dies das Kind irritierte und es eigentlich die ganze Zeit auf den Anruf der Mutter wartete. Die Mutter schwebte wie übermächtig beständig über dem Kind. Beim nächsten Hilfeplangespräch wurde das Thema angesprochen – die Mutter konnte die Bedenken der Pflegeeltern nicht verstehen. Es wurden keine entsprechenden Veränderungen in den Hilfeplan aufgenommen. Die Pflegeeltern bemerkten jedoch die Gefühle des Kindes und entschieden sich, dem Kind Sicherheit durch eine veränderte Situation zu ermöglichen: Sie schlossen an diese Telefonnummer einen Anrufbeantworter an. Sie hörten diesen Anrufbeantworter ab und überlegten mit dem Kind, ob und wann es seine Mutter anrufen wollte. Nach anfänglicher Aufregung führte diese Entscheidung der Pflegeeltern zu einer für das Kind verträglicheren Vereinbarung mit der leiblichen Mutter.

Ihnen werden nun sicherlich weitere Ideen kommen, wodurch eine verzwickte Situation durch ebendiese Veränderung der Situation entkrampft werden kann.

Wenn Sie gute Ideen haben – lassen Sie es uns wissen – vielleicht fehlt genau diese Idee einer anderen Familie.

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Letzte Aktualisierung am: 
22.09.2009