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03.04.2019
Kommentar

Was hat der Gebrauch der Sprache mit der Gewalt an Kindern zu tun?

Manchmal benutzen wir Worte, mit denen wir gar nicht das meinen, was wir eigentlich damit ausdrücken. Der Autor hat sich in dieser Hinsicht Gedanken gemacht zum Begriff "Sexueller Missbrauch".

Über den politisch korrekten Sprachgebrauch wird gerade wieder viel und hochemotional gestritten, besonders in der Karnevalszeit. Es gibt Menschen, die sich schon Sorgen um das freiheitliche Denken in der Gesellschaft machen. Streit ist wichtig, auch um den Sprachgebrauch - besonders dort, wo er im Missbrauch mündet.

Wie immer wenn ich mich hier zu Wort melde, geht es auch heute um die jüngsten Mitbürger unserer Gesellschaft - um unsere Kinder. Aber niemand würde doch ernsthaft behaupten wollen, dass wir von unseren Kinder Gebrauch machen, so wie wir es mit der Sprache tun - was also soll der Vergleich? Wenn wir von etwas Gebrauch machen, dann sprechen wir von Handlungen, die mit dem Verwendungszweck eines Gegenstandes zu tun haben? Aber Kinder sind doch Subjekte unserer Gesellschaft, niemand will doch Kinder ernsthaft zu Objekten machen.

Wieso aber sprechen wir dann von Missbrauch, wenn wir über Gewalt an Kinder reden? Wieso benutzen wir Worte wie ‚sexueller Missbrauch’, wenn Kindern eine der schlimmsten Formen von Gewalt angetan wird? Jeder Missbrauch setzt doch logischerweise voraus, dass es auch einen Gebrauch gibt. Wir kennen den Medikamentenmissbrauch als Pendant zum notwendigen Gebrauch; wir sprechen vom Datenmissbrauch, aber natürlich ist es auch notwendig Daten zu benutzen. Ein Missbrauch beschreibt folglich doch nur die Nutzung eines Objektes über ein legitimes Maß hinaus.

Aber wollen wir ernsthaft sagen, dass wir den Gebrauch von Kindern in Ordnung finden? Wenn wir den sexuellen ‚Missbrauch’ von Kindern anprangern, wollen wir auch nur im Entferntesten in Erwägung ziehen, dass ein sexueller Gebrauch von Kindern in Ordnung ist? Natürlich nicht!

Dann sollten wir in diesem Fall ernsthaft über unseren Sprachgebrauch nachdenken und den Missbrauch des Wortes Missbrauch schleunigst sein lassen. Gewalt an Kindern soll auch als Gewalt deklariert werden und nicht verharmlosend mit einer unangemessenen Nutzung von Kindern gleichgesetzt werden. Manchmal können Worte wirklich verletzen - auch ungewollt.

Der Autor Bernd Kasper ist Systemischer Berater und Kinderschutzfachkraft