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22.08.2022
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Die Westfälischen Pflegefamilien (WPF) werden 25 Jahre alt

Das Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe LWL hat in den 1990er Jahren die Idee der Westfälischen Pflegefamilien entwickelt. Inzwischen arbeiten 50 Träger nach diesem Modell im Trägerverbund Westfälische Pflegefamilien zusammen.

Die Westfälischen Pflegefamilien feiern Geburtstag: Seit 25 Jahren gibt es diese spezielle Art der Pflegefamilie, in der sich besonders geeignete Pflegeeltern um Kinder und Jugendliche kümmern, die aus verschiedenen Gründen wie zum Beispiel Vernachlässigung oder Gewalt in der Familie nicht mehr bei ihren Eltern leben können, für die ein Heim, eine Wohngruppe oder eine "klassische" Pflegefamilie aber auch nicht der richtige Lebensort ist. Beratung und Begleitung erhalten die Pflegefamilien von einem der 49 WPF-Träger, dessen Verbund der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ins Leben gerufen hat und koordiniert.

Fast 4.000 Kinder hat der LWL bisher in Westfälische Pflegefamilien vermittelt. Zur Zeit leben rund 1.900 Kinder und Jugendliche in 1.500 Familien. "Diese spezielle Form der Familienpflege hat sich bewährt und weitet sich aus. Sie ist das größte Sonderpflegemodell in Deutschland mit einheitlichen Qualitätsstandards", sagte LWL-Jugenddezernentin Birgit Westers zum Jubiläum. "Diese Mädchen und Jungen brauchen einerseits professionelle Hilfe, andererseits aber auch eine 'richtige Familie' - beides bekommen sie in den Westfälischen Pflegefamilien. In vielen Fällen sind diese zusätzlich pädagogisch oder medizinisch qualifiziert." Außerdem werde jede Westfälische Pflegefamilie durch ihren Familienberater regelmäßig begleitet und unterstützt, so Westers weiter.

Jetzt kamen über 100 Kinder und ihre Pflegeeltern in das LWL-Freilichtmuseum nach Hagen, um das Jubiläum mit einem vom LWL und den WPF-Trägern ausgerichteten Sommerfest zu feiern. Den Pflegeeltern war besonders der Austausch und das Kennenlernen anderer Pflegefamilien wichtig. Besonders beliebt bei den Kindern waren die Museumsangebote: Eigenes Papier schöpfen, Stempel herstellen, Hefte binden und Filzen standen auf dem Programm. In den Werkstätten des LWL-Freilichtmuseums konnten die Familien Handwerkstechniken wie die Ölmühle, die Schmiede oder die Färberei bestaunen. "Während wir Erwachsenen andere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen kennengelernt haben, hatten die Kinder viel Spaß", so eine Pflegemutter.

Hintergrund

Das LWL-Landesjugendamt hat in den 1990er Jahren die Idee der Westfälischen Pflegefamilie entwickelt. Denn immer häufiger wünschten sich ältere Kinder, die in Heimen untergebracht waren, in einer Familie zu leben. Deshalb hat der LWL zunächst selbst nach Pflegefamilien für sie gesucht und bald Kontakt zu freien Trägern aufgenommen, um mit ihnen gemeinsam den Trägerverbund Westfälische Pflegefamilie zu betreiben. "Diese Kinder haben schon viel erlebt, sie tragen einen großen Rucksack voller Probleme mit sich", so Paul Krane-Naumann, zuständiger Sachbereichsleiter beim LWL-Landesjugendamt. Deshalb bietet das System Westfälische Pflegefamilie den Pflegeeltern eine intensive Begleitung. "Das hat sich in Krisenzeiten schon oft als sehr wichtig erwiesen. Etwa wenn sich die Kinder damit beschäftigen, wo sie herkommen und warum gerade sie Probleme haben", so Krane-Naumann.

Als Koordinator sorgt der LWL dafür, dass die Qualität überall gleich ist, egal ob die Kinder auf dem Land oder in der Stadt, im Süden oder im Norden leben. Er organisiert die Trägerkonferenz, bei der alle Träger gleichberechtigt sind, kümmert sich um Arbeitskreise für Berater:innen, Fortbildungen für Pflegeeltern und Supervisionsgruppen, sensibilisiert alle Beteiligten für den Kinderschutz und entwickelt das einheitliche Qualitätshandbuch kontinuierlich weiter.

Pressemitteilung des LWL - Landschaftsverband Westfalen-Lippe - vom 19. August 2022

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