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21.09.2026
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„Viele Auslandsadoptierte fühlen sich zwischen den Kulturen stehend“

'Menschen.Machen.Jugendhilfe' ist eine neue Informationsreihe des LVR-Landesjugendamtes Rheinland zu seinen Aufgaben. Die Reihe startet mit einem Interview von Wolfgang Köhler, Leiter der Zentralen Adoptionsstelle zu Fragen der Auslandsadoption.

Wolfgang Köhler leitet die Zentrale Adoptionsstelle beim LVR-Landesjugendamt Rheinland. Im Interview erklärt er, welche Aufgaben die Fachstelle übernimmt, warum Auslandsadoptionen besondere Anforderungen stellen und weshalb Herkunftsfragen Adoptierte oft auch im Erwachsenenalter beschäftigen.

In der ersten Ausgabe der Reihe „Menschen.Machen.Jugendhilfe.“ spricht Wolfgang Köhler über ein Arbeitsfeld, in dem fachliche Verantwortung, rechtliche Fragen und persönliche Lebensgeschichten eng miteinander verbunden sind.

Herr Köhler, was macht die Zentrale Adoptionsstelle beim LVR-Landesjugendamt Rheinland konkret?

Unsere Aufgaben lassen sich grob in vier Bereiche aufteilen: Wir sind staatliche Auslandsvermittlungsstelle und Zentrale Behörde im Sinne des Haager Adoptionsübereinkommens für das Rheinland. In dieser Funktion begleiten wir internationale Adoptionsvermittlungsverfahren. Dazu gehört auch die nachgehende Begleitung von Adoptivfamilien und Adoptierten.

Außerdem beraten wir die insgesamt 41 Adoptionsvermittlungsstellen öffentlicher und freier Träger im Rheinland fachlich und bieten Fortbildungen für die Adoptionsfachkräfte an. Die Zentrale Adoptionsstelle ist zudem Anerkennungs-, Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für die zehn Adoptionsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft im Rheinland. Und schließlich nehmen wir zu allen gerichtlichen Adoptionsverfahren mit Auslandsbezug gegenüber den rheinischen Familiengerichten fachlich Stellung.

Paare und Einzelpersonen mit Adoptionswunsch haben oft viele Fragen. Was sind typische Themen in der Beratung vor einer Auslandsadoption?

Wenn Paare noch nicht auf ein bestimmtes Land festgelegt sind und grundsätzlich eine Auslandsadoption anstreben, hören wir häufig die Frage: Aus welchen Ländern sind die Chancen auf die Vermittlung eines Kindes am größten? Aus Sicht der Bewerberinnen und Bewerber ist diese Frage nachvollziehbar. Sie verkennt aber die bestehenden Realitäten und fachlichen Anforderungen der Auslandsadoption.

Weltweit ist in den letzten zehn Jahren ein starker Rückgang von Auslandsadoptionen zu verzeichnen. In Deutschland wurden in den letzten Jahren bundesweit nur etwa 50 Kinder aus dem Ausland vermittelt. Die Zeiten, in denen einzelne Länder Kinder in großer Zahl ins Ausland vermittelt haben, sind vorbei. Eine internationale Vermittlung kommt nur noch ausnahmsweise in Betracht, insbesondere für Kinder, für die im Herkunftsland keine Lösung gefunden werden kann – etwa aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheits- und Entwicklungsstandes.

Hinzu kommt: Bei Auslandsadoptionen gilt es, die Herkunft und die kulturellen Bezüge des Kindes in das zukünftige Familienleben zu integrieren. Das setzt eine gewisse Affinität der Bewerberinnen und Bewerber zu diesen Bezügen voraus. Ebenso wichtig ist eine Auseinandersetzung mit der sozialen Situation im Herkunftsland des Kindes. Deshalb ist es wichtig, dass Bewerberinnen und Bewerber für sich prüfen, aus welchem kulturellen und sozialen Kontext sie sich vorstellen können, ein Kind aufzunehmen.

Was wird aus Ihrer Sicht häufig unterschätzt, wenn Menschen über Auslandsadoption sprechen?

Oft wird unterschätzt, dass Kinder, die aus dem Ausland adoptiert werden, im Hinblick auf ihre Identitätsentwicklung große Herausforderungen zu bewältigen haben. Die Kinder wachsen in Deutschland auf, erlernen hier im Alltag sehr schnell die Sprache sowie entsprechende kulturelle Orientierungen, und entwickeln ein Gefühl der Zugehörigkeit. Gleichzeitig nehmen sie wahr, dass sie äußerlich anders aussehen als viele Menschen in ihrem Umfeld und von ihrer Umwelt auch so wahrgenommen werden. Häufig kommt es dadurch zu Diskriminierungserfahrungen, die die Kinder in ihren Selbstbild und ihrem Zugehörigkeitsgefühl verunsichern können. Deshalb müssen Adoptivfamilien die Kinder darin stärken, mit Fremdzuschreibungen und Diskriminierung selbstbewusst umzugehen.

Viele Auslandsadoptierte stehen auch noch im Erwachsenenalter vor der Herausforderung, die unterschiedlichen biografischen und kulturellen Bezüge miteinander zu verbinden und fragen sich, wer sie eigentlich sind und was sie ausmacht. Hinzu kommt, dass gerade bei Adoptionen aus dem Ausland die Betroffenen oft nur sehr wenig über ihre leiblichen Eltern und über die Gründe, die zu einer internationalen Adoptionsfreigabe geführt haben, wissen. Auch die Möglichkeiten, im Ausland nach den Herkunftseltern zu suchen, sind sehr eingeschränkt. Dadurch bleiben für die Identitätsentwicklung wichtige Fragen unbeantwortet, und die Betroffenen bleiben ein Stück weit auf der Suche nach ihrem individuellen Ich.

Pressemitteilung des LVR-Landesjugendamtes vom 11. Septembeer 2026

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