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26.07.2023
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Traumapädagogik in der Praxis

"Alles was ein Kind zeigt, macht einen Sinn“ heißt es in einem Artikel zur Traumapädagogik, die vom SOS-Kinderdorf veröffentlicht wurde. Viele Pflegekinder haben in ihrem Leben traumatische Erfahrungen gemacht. Der Artikel hilft, ihre Reaktionen darauf zu verstehen und mehr über Trauma und den Umgang mit traumatischen Erfahrungen kennenzulernen.

Themen:

Die Autorin des Artikels Sabine Wieczorkowsky ist Bereichsleiterin im SOS-Kinderdorf Worpswede. Sie hat dort eine traumapädagogische Wohngruppe eingerichtet in der zur Zeit sechs Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und fünfzehn Jahren betreut werden.

Im Einleitungssatz des Artikels heißt es:

Der Rucksack, den junge Menschen bei ihrem Ankommen in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe mitbringen, ist meist schwer: Viele von ihnen haben traumatische Erlebnisse aus ihrer Kindheit im Gepäck. Über die Entstehung und Folgen von Traumata wissen wir heute viel, so können die betroffenen Kinder und Jugendlichen gezielt unterstützt werden.

In der Psychologie meint „Trauma“ eine seelische Verletzung aufgrund eines belastenden Ereignisses  welches Körper und Psyche extremem Stress aussetzt, der vom betroffenen Menschen nicht mehr bewältigt und bewusst verarbeitet werden kann. Diese Erfahrungen verursachen Symptomen wie Ängsten, starker Reizbarkeit, extremer Wachsamkeit, Zwängen und damit einhergehenden körperlichen Beschwerden. 

Die Autorin berichtet über die Anforderungen, die die Kinder und Jugendlichen in der Gruppe an ihre Betreuer stellen und bezieht sich auf konkrete Erfahrungen der Gruppenmitglieder. 

„Alles was ein Kind zeigt, macht einen Sinn“

Das Problem ist, dass dieses Verhalten in der Gegenwart fortbesteht. Aus der traumapädagogischen Perspektive erkennen wir derartige Reaktionen als gelernte, eingeprägte Überlebensstrategien an. Die Kinder haben sie entwickelt, um in einer existenziell bedrohlichen Situation „weiterfunktionieren“ zu können. Dieses Wissen leitet unser Handeln im Alltag: Es verändert unsere Perspektive auf bestimmte Verhaltensweisen und wir können anders mit ihnen umgehen.

„Die Erfahrung des Mangels sitzt tief und begleitet die Kinder noch als junge Erwachsene.“

Die Betreuer der Kinder und Jugendlichen akzeptieren das Verhalten als sinnvoll für die damaligen Erfahrungen und die Übertragung dieses Verhaltens in eine nun  geänderte Lebenssituation. Sie versuchen, Schritt für Schritt alternative Strategien gemeinsam mit den Kindern zu überlegen, um sie somit in die veränderte Lebenssituation 'hinein zu bringen'.

Der Artikel beschreibt traumapädagogische Möglichkeiten sowohl im Alltag als auch im Rahmen fachlicher Beratung. 

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