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24.01.2022
Hinweis

Kindern eine Stimme geben

Beteiligung und Partizipation von Kindern mit traumatischen und deprivierenden Erfahrungen

Akademie und Beratungszentrum für Pflege- und Adoptivfamilien und Fachkräfte Baden-Württemberg e.V. hat eine umfassende Publikation zur Frage von Beteiligung und Partizipation von Pflegekindern mit traumatischen und deprivierenden Erfahrungen herausgegeben. Sie bezieht sich auf eine Tagung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kinderrecht-Kinderschutz" im Herbst 2020.

Mit dieser Publikation will die Akademie die Beiträge dieses interdisziplinären Fachtages einem breiten Interessentenkreis zugänglich machen und zu weiteren Diskussionen einladen.

Auszüge aus dem Vorwort der Publikation

Die Erfahrung, als Persönlichkeit ernst genommen, gehört und beteiligt zu werden, mitwirken und mitgestalten zu können, stärkt junge Menschen und ist speziell für Kinder und Jugendliche nach Deprivationserfahrungen essentiell. Sie wirkt Ohnmachtserfahrungen entgegen, ermöglicht es, eigene Kräfte zu entwickeln und ihnen zu vertrauen und darüber hinaus eine wirkliche Chance zur Entfaltung der Persönlichkeit zu erhalten. 

Kinder und Jugendliche haben das Recht, mit ihrer Meinung ernst genommen zu werden (Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention) und von ihrer Geburt an, an Entscheidungen beteiligt zu werden, die ihr Leben elementar betreffen.

Gemäß § 36 SGB VIII sind Kinder und Jugendliche "entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. [....]

Etwa 90 % der jungen Menschen, die fremduntergebracht werden mussten, haben in ihrer Vorgeschichte traumatisierende Erfahrungen gemacht. (Perez, et al 2100) und sind in ihrer psychischen und sozialen Entwicklung beeinträchtigt. Sie konnten vor ihrer Herausnahme aus der Herkunftsfamilie zumeist keine sicheren Bindungen entwickeln, wurden abgelehnt, vernachlässigt, misshandelt und häufig von den Personen versetzt, von denen sie Schutz erwarteten. 

Gerade diese Mädchen und Jungen sind besonders darauf angewiesen, dass ihre Meinungen, Anliegen und Rechte sowohl von den Hauptbezugspersonen als auch von den Fachkräften berücksichtigt und sie auch mit ihren nicht immer leicht zu verstehenden Verhaltensweisen ernst genommen und beteiligt werden. 

Die Mehrheit der Sozialpädagog*innen in den Jugendämtern räumt der Beteiligung von Kindern auch grundsätzlich einen großen Stellenwert ein.  [....]

In der Praxis führt die Umsetzung des Rechtes der Kinder auf Beteiligung, Mitwirkung und Partizipation sowie des gesetzlichen Auftrags, Kinder von Geburt an als Persönlichkeiten mit ihren Anliegen und Meinungen ernst zu nehmen, zu vielen Fragen. 

Dieser Band beschäftigt sich damit, wie Kinder bzw. Pflegekinder, die deprivierende und traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, beteiligt sowie in Entscheidungen einbezogen werden können, die ihr Leben elementar betreffen. 

Dabei wurden u.a. folgende Fragen thematisiert:

  • Wie können Mädchen und Jungen ihrem Altern entsprechend beteiligt und einbezogen werden?
  • Wie kann ihr Recht auf Partizipation verwirklicht werden?
  • Welche Ebenen der Partizipation können unterschieden werden?
  • Wie verhalten sich die Beteiligungsrechte sowie die Förder- und Schutzrecht entwicklungsbeeinträchtigter Kinder zueinander? [....]
Die Beiträge im Einzelnen (124 Seiten):

Beteiligung und Partizipation von Pflegekindern mit traumatischen und deprivierenden Erfahrungen
Ein Beispiel: Vito
Dr. Ulrike Bischof, Akademie und Beratungszentraum für Pflege- und Adoptivfamiien und Fachkräfte Baden-Württemberg e.V. (ABPA)

beteiligt - berücksichtigt - ernstgenommen
Wie der Anspruch der Partizipation bei Kindern mit schwierigen Erfahrungen umgesetzt werden kann
Sabine Brunner, Marie Meierhofer Institut für das Kind Zürich (MMI)

Wen interessiert's schon? Mich interessiert's!
Beteiligung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen mit traumatischen und deprivierenden Vorerfahrungen
Sigrid Mosé, Kreisjugendamt Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim

Die Beteiligung von Pflegekindern an behördlichen und gerichtlichen Verfahren
Prof. Dr. Ludwig Salgo, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Wann fahren wir wieder Kanu?
Beteiligung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen als fachliche Haltung mit langer Tradition im Pflegekinderdienst Waldshut-Tiengen
Im Gespräch: Claudia Stahl, Jugendamt Waldshut-Tiengen

Pflegekinder und der Begleitete Umgang
Erfahrungen einer ehrenamtlichen Umgangsbegleiterin und Pflegemutter
Irmhilf Probst

Wir hatten einfach auch das Glück, dass Frau Hartmann uns begleitet hat oder:
Du musst das wollen, was Dich glücklich macht
Im Gespräch mit Kerstin und Anna-Lena - zwei Schwestern, die in einer Pflegefamilie aufgewachsen sind

Die Publikation kann gegen eine Schutzgebühr von 7,50 € bei der Akademie bestellt werden.