Sie sind hier

22.01.2021
Hinweis

Hilf mir jetzt und morgen auch

Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie während und nach der Pandemie

Die DGKJP - Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. - setzt sich besonders für jene junge Menschen ein, die an ihren Entwicklungsaufgaben zu scheitern drohen, um ihre zukünftige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken. Hierfür engagiert sich die DGKJP gegenüber der Politik und bringt sich durch Stellungnahmen und Beratung zu Fragen der Pandemie ein. Der DGKJP ist es besonders wichtig, dass auch während der Pandemie betroffene Kinder Zugang zu Diagnostik, Therapie und psychosozialen Hilfen erhalten.

Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen müssen auch während der Restriktionen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Zugang zu Diagnostik, Therapie und psychosozialen Hilfen erhalten. Weiterhin müssen besonders gefährdete und benachteiligte Kinder und Jugendliche identifiziert werden, um die Entwicklung psychischer Störungen verhindern zu können.

Viele – jedoch nicht alle – Kinder und Jugendliche erleben die Veränderungen und Folgen der Pandemie emotional belastend. Es ist aktuell noch ungeklärt, inwieweit hieraus zusätzliche behandlungsbedürftige psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen entstehen. Erste Studien weisen darauf hin, dass insbesondere Kinder mit bestehenden psychischen Störungen und Kinder in schwierigen psychosozialen Situationen unter der Pandemie leiden.

Wohingegen kurzdauernde Lockdown-Maßnahmen sich nicht nachhaltig negativ auf die psychische Gesundheit auswirken, besteht infolge des nun bestehenden Erfordernisses für langandauernde Restriktionen eine besondere Gefährdung für Kinder und Jugendliche. Belastungsfaktoren können bestehen in der sozialen Isolation von Gleichaltrigen, der Reduktion von körperlicher Aktivität, oder in häuslichen Konflikten. Faktoren, die das generelle Risiko für das Auftreten einer psychischen Störung erhöhen sind Armut und Bildungsferne der Eltern, bestehende psychische Erkrankungen der Eltern, negative Kindheitserfahrungen wie Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch sowie schulische Überforderung und Mobbingerfahrungen. Letztere sind in der Pandemie insbesondere mit Blick auf Cybermobbing in den sozialen Medien zu beachten. Eingeschränkte Unterstützungsangebote für sozial schwächere Familien und beengte Wohnsituationen können zu anhaltenden Spannungen führen. Ist die Inanspruchnahme von Freizeit-, Betreuungs-, Beratungs- und anderen Unterstützungsmaßnahmen für derart vorbelastete Kinder und Jugendliche pandemiebedingt eingeschränkt, können sich psychische Störungen eher entwickeln oder weiter verschlechtern.

Die Bedingungen der Pandemiemaßnahmen erfordern somit für einzelne Risikogruppen besondere Unterstützung. Aktuell ist davon auszugehen, dass Familien Unterstützungsangebote nur verzögert in Anspruch nehmen. Rechtzeitige Diagnostik, ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungsangebote, der Einsatz von Telefon- und Videosprechstunden, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe und begleitetes Homeschooling sind wichtige Elemente der Versorgung und haben für Bedürftige und ihre Familien auch während der Pandemie hohe Priorität.

Alle jungen Menschen können im Umgang mit dem Lockdown unterstützt werden: Feste Tagesstrukturen geben Orientierung. Regelmäßige Treffen mit den definierten Kontaktpersonen (soweit zulässig) sowie Onlinetreffen mit Freunden und Familienangehörigen helfen den Alltag neu zu strukturieren. Auf ausreichend Bewegung an der frischen Luft ist zu achten. Vielen Familien gelingt es, die Zeit mit Spielen, Backen, Basteln gemeinsam zu gestalten. Kinder und Jugendliche stellen Fragen zur Pandemie, zu Krankheit und Tod, ehrliche und transparente Antworten sind hier wichtig und verkraftbar.

Hinweise und Tipps, die Eltern und Kindern in Zeiten der Pandemie helfen können, finden Sie z.B. in Hilfreiche Tipps für Eltern zu Stressprävention in Zeiten des Corona-Virus, Beratung von Familien in Zeiten des pandemiebedingten Ausnahmezustands und unter Corona und Du, ein Infoportal darüber, wie man psychische Belastungen reduzieren kann.

Bedürftige Schüler*innen benötigen seitens der Schule oder Kommune eine entsprechende Hardwareausstattung. Insbesondere zur Aufrechterhaltung des Kinderschutzes ist Onlinekommunikation nötig, wenn persönliche Kontakte und aufsuchende Hilfen infolge der Restriktionen nur noch bedingt möglich sind.

Schon heute muss der Umgang mit der Situation in Zukunft in den Blick genommen werden. Nur so lassen sich mögliche Auswirkungen der Pandemie auf betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien geringhalten. Häufig wird bei der Bewertung der präventiven Corona-Maßnahmen vergessen: Das Erleben von vielen Todesfällen erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine posttraumatische Belastungsstörung. Es bedarf einer Strategie, wie mit diesen und anderen verbundenen Pandemiefolgen umzugehen ist. Hierzu ist kinder- und jugendpsychiatrische und -psychotherapeutische Kompetenz und wissenschaftliche Expertise nötig. Leistungen müssen aus unterschiedlichen Bereichen wie der Medizin, der Kinder- und Jugendhilfe, Suchtberatung und -behandlung und Frühen Hilfen erfolgen.

Kontakt:
DGKJP e.V.
Reinhardstraße 27B
10177 Berlin
E presse@dgkjp.de

Quelle: Pressemitteilung DGKJP vom 20. Januar 2020

Das könnte Sie auch interessieren

Hinweis

Appell aus der Wissenschaft: Mehr Kinderschutz in der Corona-Pandemie

Über 100 HochschulprofessorInnen und WissenschaftlerInnen wenden sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit, an Politik und Verwaltung, weil sie in großer Sorge um den Schutz von Kindern aktuell in der Corona-Krise sind.
Hinweis

LÖZA TV - jeden Tag kleine Videos

Löwenzahn-Erziehungshilfe e.V. in Oberhausen hat sich für die Zeit der Corona-Krise etwas besonderes ausgedacht und LÖZA TV gegründet. Jeden Tag kleine Videos zwischen 1 1/2 und 7 Minuten zum Spielen und Spaß für Kinder und ihre Eltern in diesen schwierigen Zeiten.
Politik

Wie leben Familien heute?

Wie leben Familien heute? Wie ging es Familien im Corona-Lockdown? Wie haben sich Einkommen, Erwerbstätigkeit und Partnerschaftlichkeit in Familien entwickelt und wie steht es um die Familienfreundlichkeit der Unternehmen? Sind Familien in der Krise? Antworten auf diese und andere Fragen bietet die 7. Ausgabe des Familienreports „Familie heute. Daten.Fakten.Trends“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
Hinweis

Noch Fragen zu Corona?

AFET Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. hat aktuelle Informationen zusammengestellt, die von allgemeiner Relevanz sind, vor allem aber die Kinder- und Jugendhilfe betreffen.
Nachricht

Häusliche Isolation und familiäre Absonderung von Kindern in Quarantäne sind keine Lösung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter hat zu Fragen möglicher Quarantäne in Corona-Zeiten eine Mitteilung veröffentlicht, in der es heißt: Kindeswohl hat auch in Krisenzeiten Priorität / Ziel muss sein: Grund- und Kinderrechte wahren / Verhältnismäßigkeit von Corona-Schutzmaßnahmen muss gegeben sein.
Hinweis

Careleaver e.V. und die Uni Hildesheim bieten Hilfen an

Die Uni Hildesheim und die Careleaver möchten auf die verschiedenen Schwierigkeiten der aktuellen Situation reagieren und mit ihrer Onlineplattform auch zu Zeiten von Corona Hilfe leisten, denn wir alle haben unsere unterschiedlichen Schwierigkeiten mit den derzeitigen Veränderungen in Deutschland, aber manche Fragen betreffen besonders die spezifische Lebenssituation von Care Leavern (jungen Menschen aus der stationären Jugendhilfe). Für Care Leaver sehr dringliche Fragen in diesen Tagen sind z.B.: Minijobs, die gekündigt wurden, Freiwilligendienste, die unterbrochen werden mussten und nun die Frage bleibt: Wo soll ich wohnen, wenn ich zurück nach Deutschland komme?
Hinweis

von:

Wenn Lernen nicht so einfach ist

Teil 2

Die lerntherapeutische Praxis 'Spielraum Lernen' hat uns erneut einen Artikel für Pflegeeltern zum Lernen zu Hause zur Verfügung gestellt - denn viele Kinder werden vor den großen Ferien nur unregelmäßig Schule haben und weiterhin zu Hause lernen müssen. Darüberhinaus bietet die Praxis einen Online-Vortrag zum Thema an, dessen Nutzung von Jugendämtern oder Trägern für ihre Pflegeeltern vereinbart werden kann.
Aus der Praxis

Begleitung von Pflegeeltern

Der freie Träger Löwenzahn-Erziehungshilfe e.V. in Oberhausen begleitet seine Pflegeeltern auch durch gute Informationen zur Arbeit in Corona-Zeiten auf seiner Webseite, die hiermit auch allen anderen Pflegeeltern zur Verfügung gestellt werden. Bitte beachten Sie, das es hier um die Bedingungen zu Corona in NRW geht und die Bundesländer unterschiedliche Vorschriften und Bedingungen haben.
Nachricht

Dringender Handlungsbedarf bei Sicherstellung des Kinderschutzes in Zeiten von Corona (Covid-19)

Zwischenruf der Erziehungshilfefachverbände

In einem Zwischenruf weisen die Erziehungsfachverbände AFET, BVkE, EREV und IGjH darauf hin, dass der Schutzauftrag für die Jugendämter und die freien Träger unberührt von der Pandemie bleiben muss. Die Kindeswohl sichernden Maßnahmen bedürfen einer Anpassung an die aktuelle Situation und den damit verbundenen Gesundheitsschutz. Persönliche Kontakte müssen unter Beachtung von Gesundheitsschutzmaßnahmen für alle wahrgenommen werden. Gleichwohl ist eine (auch digitale) aktive und regelmäßige Kontaktsuche zu den Adressat_innen unerlässlich. Die geänderten Betreuungsinhalte und -rahmenbedingungen müssen auch mit den Eltern und Kindern zeitnah kommuniziert werden.
Kommentar

von:

Besuchskontakte in Zeiten von Corona?

Zunehmend erhalten wir Anfragen zu Besuchskontakten der Pflegekinder mit ihren leiblichen Eltern in der momentanen Krise. Es fragen Pflegeeltern aber auch Fachkräfte der Jugendämter und freien Träger, wie sie mit den Besuchskontakten umgehen sollen in einer Zeit, in der alle Abstand halten müssen, um Ansteckungen zu vermeiden. Wir haben uns Gedanken zum Thema gemacht und bitten darüberhinaus auch SIE, Pflegeeltern und Fachkräfte durch IHRE Überlegungen und Vorschläge zu unterstützen.