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Tiefergehende Information

Gewaltformen - Körperliche Gewalt, seelische Gewalt, sexualisierte Gewalt

Unterschiedliche Formen von Gewalt

Folgende Unterscheidungen können vorgenommen werden:

  • Misshandlung / misshandeln – falsch (be-)handeln, also körperlich verletzen,
  • Missbrauch / missbrauchen – jemanden im eignen Interesse funktionalisieren, also emotionale Defizite kompensieren und/oder sexuelle (Macht-)Interessen realisieren,
  • Vernachlässigungen / vernachlässigen – bewusstes oder unbewusstes Ignorieren bzw. Verweigern kindlicher Bedürfnisse und Interessen. Hierzu gehören emotionale, körperliche, kognitive und soziale Bedürfnisse,
  • Ausbeutung / ausbeuten – die Abhängigkeit einer Person ausnutzen, um eigenen Vorteil daraus zu ziehen (ökonomisch, emotional, sexuell),
  • Trauma / traumatisieren – jemanden bewusst oder unbewusst seelisch und/oder körperlich schwer verletzen.

Keine klare Abgrenzungen der Gewaltanwendungen

Die Aufzählungen der Gewaltanwendungen auf den folgenden Seiten erwecken den Anschein, als gäbe es immer eine klare Abgrenzung der einzelnen Gewaltformen voneinander. Meist jedoch verhält es sich umgekehrt, denn oft treten gleichzeitig verschiedene Formen der Gewalt gegenüber Kindern auf. Auch ein körperlicher Angriff auf ein Kind hat seelische Komponenten wie Zurückweisung, Beschämung, Bestrafung usw. Darüber hinaus ist mit schweren Traumafolgeschäden zu rechnen, wenn das Kind keine adäquate Hilfe/Traumatherapie bekommt, denn eine solche Schädigung „wächst sich nicht aus“ und das Kind wird auch nicht „vergessen“, wenn man nur lange genug wartet!

Körperliche Gewalthandlungen

  • Schütteln, stoßen, schlagen, treten, verbrennen
  • würgen, foltern. in todesnahe Situationen bringen, mit Medikamenten oder Drogen betäuben
  • einsperren, festhalten, fesseln
  • mit Gegenständen und Waffen verletzen oder bedrohen
  • Essen, Getränke oder Schlaf entziehen
  • Medizinische Versorgung verwehren
  • Verweigerung körperlicher Nähe und Geborgenheit

Seelische (emotionale) Gewalthandlungen

  • Feindliche Ablehnung; Dem Kind wird vermittelt, dass es nicht dazugehört und abgelehnt wird. Hierzu gehören Handlungen wie: beschämen, beleidigen, demütigen, als wertlos darstellen, ignorieren, ablehnen, Geschwister deutlich vorziehen usw.
  • Ausnutzen / Korrumpieren: Die Bezugspersonen tragen durch ihr Verhalten dazu bei, dass das Kind Selbstschädigende oder andere negative Verhaltensweisen ausbildet. Hierzu zählen:
  • Förderung von unangemessener Abhängigkeit und Überforderung (z.B. durch Rollenumkehr, Verantwortungsübertragung) oder durch Hemmung der altersgemäßen Entwicklung.
  • Instrumentalisierung des Kindes zur Erfüllung eigener Wünsche und Bedürfnisse z.B. durch Liebesentzug, emotionaler Erpressung, schlechtes Gewissen erzeugen, Vorwürfe machen usw.
  • Förderung oder Veranlassung von antisozialem Verhalten, Kriminalität, Zwangsprostitution, Zwangspornografie.
  • Versagen des emotionalen Echos: Die Bezugsperson zeigt keinerlei emotionale Reaktion auf das Zuwendungsbedürfnis oder Zärtlichkeiten des Kindes, lässt es „im Regen stehen“.
  • Terrorisieren, einschüchtern, bedrohen all dessen, was das Kind liebt, Angst auslösen und Chaos für das Kind erzeugen, kontrollieren von Körperfunktionen, Gefühlen und Gedanken.
  • Unterbindung psychohygienischer, medizinischer und kognitiver Versorgung wie: Einschränken oder Unterbinden sozialer Kontakte innerhalb und außerhalb der Familie (isolieren), Unterbindung medizinischer Untersuchung und Behandlung und verwehren kognitiver und sinnlicher Reize.
  • Verwehrung lebenswichtiger Schutzfunktionen: Das Kind in

(Lebens-)Gefahr bringen oder nicht vor seelischen Gefahren schützen (beängstigende oder gewalttätige Partnerschaftskonflikte, Gewalt- und Pornografiefilme).

Emotionale Gewalt mit Traumafolgen durch nahe Bezugspersonen wird als eine Form der Gewalt gegen Kinder verstanden. Hierzu gehören Verhaltens– und Interaktionsmuster, die dem Kind vermitteln, dass es fehlerhaft, minderwertig, wertlos oder ungewollt ist und nicht geliebt wird.
Leider wird die emotionale Gewalt auch heute noch weit weniger beachtet und ernst genommen als Misshandlung oder Missbrauch. Da die seelische Verletzung weniger „greifbar“ ist als sichtbare Gewalt (z.B. ein gebrochener Arm) ist sie weniger präsent und wird viel zu wenig berücksichtigt.

Sexualisierte Gewalthandlungen

  • Der Sexualisierung des kindlichen Körpers und Verhaltens durch Erwachsene oder Ältere. Das Kind wir zum Sexualobjekt gemacht.
  • Sexuell motivierte Handlungen am Kind oder an sich selbst, die das Kind vornehmen oder erdulden muss (auch: orale, anale oder vaginale Vergewaltigung).
  • Dem Produzieren von Medienträgern, die eben Beschriebenes beinhalten.
Letzte Aktualisierung am: 
19.11.2009