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16.05.2017
Gerichtsbeschluss erklärt

Urteil des Finanzgerichts Münster zu Fortbildungen

Pflegeeltern können Fortbildungen unter bestimmten Bedingungen als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzen.

Themen:

In dem zu entscheidenden Fall geht es um die Frage, ob Pflegeeltern eine mehrtätige Fortbildung über Umgang mit traumatisierten Kindern steuerlich absetzen können. Die Pflegeeltern haben ein traumatisiertes Pflegekind aufgenommen und ließen sich fortbilden, um die Traumatisierung des Kindes zu verstehen und im alltäglichen Leben beachten zu können.

Das Gericht schreibt u.a. dazu:

Die Schulung der Eltern von frühtraumatisierten Kindern diente danach - i.S. einer die eigentliche Heilbehandlung begleitenden Maßnahme - dazu, diese für die krankheitsbedingten Besonderheiten im täglichen Umgang anzuleiten. Insofern geht die Maßnahme - aufgrund der krankheitsbedingten besonderen Anforderungen - über den allgemeinen Erziehungsauftrag hinaus und ist hiervon zu trennen.
[...]

Vielmehr ging es - wie dargelegt - um die Schulung nichterkrankter Kontaktpersonen von Pflegekindern, um diese in die Lage zu versetzen, mit der Krankheit ihrer Kinder im Alltag heilungsfördernd umzugehen.
[...]

Zur Tragung der durch die Krankheit der Kinder entstandenen Aufwendungen waren die Kläger sittlich verpflichtet. Diese Voraussetzungen liegen im Streitfall vor.

AZ 4 K 3471/15 E v. 27.1.2017 Finanzgericht Münster

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