Sie sind hier

10.07.2015
Gerichtsbeschluss erklärt

Adoptionskosten sind keine außergewöhnliche Belastungen

In einem Urteil hat der Bundesfinanzhof die bisherige Rechtsprechung dahingehend bestätigt, dass Aufwendungen für die Adoption eines Kindes keine außergewöhnlichen Belastungen i.S. von § 33 des Einkommensteuergesetzes sind.

Themen:

Adoptionskosten als außergewöhnliche Belastungen: Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung

Der VI. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Urteil vom 10. März 2015 entschieden, dass Aufwendungen für die Adoption eines Kindes keine außergewöhnlichen Belastungen i.S. von § 33 des Einkommensteuergesetzes sind.

Alles weitere erfahren Sie im Rahmen unseres Abonnements.
Im Streitfall hatten die Kläger in ihrer Einkommensteuererklärung Aufwendungen in Höhe von 8.560,68 € für eine Auslandsadoption als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht.

Die infolge organisch bedingter Sterilität entstandenen Aufwendungen sah der BFH nicht als zwangsläufige Krankheitskosten an, weil es an einer medizinischen Leistung fehle. Die Kosten seien aber auch nicht aus anderen Gründen zwangsläufig. Denn der Entschluss zur Adoption beruhe nicht auf einer Zwangslage, sondern auf der freiwilligen Entscheidung der Kläger, ein Kind anzunehmen. Auch wenn die ungewollte Kinderlosigkeit als schwere Belastung empfunden werden dürfte, führe dies nicht dazu, dass der Entschluss zur Adoption als Mittel zur Verwirklichung eines individuellen Lebensplans nicht mehr dem Bereich der individuell gestaltbaren Lebensführung zuzurechnen wäre.

Nachdem der VI. Senat des BFH in einer sog. Divergenzanfrage an den Großen Senat des BFH (Beschluss vom 18. April 2013 VI R 60/11, BFHE 241, 141, BStBl II 2013, 868; vgl. zur Entscheidung des Großen Senats Pressemitteilung Nr. 8/15) die Absicht erklärt hatte, von der bisherigen Rechtsprechung des III. Senats des BFH zur Anerkennung von Aufwendungen für eine Adoption als außergewöhnliche Belastungen abweichen zu wollen, hat er nun mit der vorliegenden Entscheidung die bisherige Rechtsprechung des III. Senats des BFH bestätigt, nach der Adoptionskosten nicht als außergewöhnlichen Belastungen abziehbar sind (Urteile vom 13. März 1987 III R 301/84, BFHE 149, 245, BStBl II 1987, 495; vom 20. März 1987 III R 150/86, BFHE 149, 539, BStBl II 1987, 596; Beschluss vom 5. Januar 1990 III B 53/89, BFH/NV 1990, 430).

Presseerklärung des Bundesfinanzhofes zu dem Urteil VI R 60/11

Das könnte Sie auch interessieren

Gerichtsbeschluss erklärt

Keine Zweitadoption durch eingetragenen Lebenspartner

In seinem Beschluss vom 1.12.2009 ( AZ 15 Wx 236/09) entschied das Oberlandesgericht Hamm, dass ein bereits angenommenes Kind von dem eingetragenen Lebenspartner des Annehmenden nicht ein weiteres Mal angenommen werden kann.
Stellungnahme

von:

Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zur anonymen Kindesabgabe

Der Ethikrat empfiehlt, die vorhandenen Babyklappen und Angebote zur anonymen Geburt aufzugeben.
Fachartikel

von:

Stiefkind Adoption

Über Adoptierte gibt es viele Behauptungen und wenig aussagekräftige Forschungsergebnisse – eine Zürcher Studie soll das ändern
Arbeitspapier

Weiterentwicklung des Adoptionsrechts

Der Bundesverband anerkannter Auslandsvermittlungsstellen in Freier Trägerschaft e.V. hat seine Positionen zur Weiterentwicklung des Adoptionswesens in einem Papier zusammen gefasst.
Fachartikel

von:

Vermittlung von Geschwisterkindern in Adoptiv- und Pflegefamilien

Die Vermittlung von Geschwisterkindern wird sehr kontrovers diskutiert. Für einige ist die Vermittlung leiblicher Geschwister in eine Adoptiv- oder Pflegefamilie kaum möglich. Andere sehen ein Anrecht der Kinder auf gemeinsame Vermittlung.
Stellungnahme

von:

Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere – Regelung der vertraulichen Geburt

Der Deutsche Kinderschutzbund hat eine Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zum Ausbau der Hilfen für Schwangere – Regelung der vertraulichen Geburt erarbeitet.
Frage und Antwort

Adoptionsformen

Was ist der Unterschied zwischen einer "starken" und einer "schwachen" Adoption?
Stellungnahme

von:

Deutschland muss Regelungslücken bei Auslandsadoptionen schließen

Presseerklärung von terre des hommes zum internationalen Haager Adoptionsabkommen, in der auf Gesetzeslücken in Deutschland hingewiesen wird.
Gerichtsbeschluss erklärt

Elterngeld für Pflegeeltern nur bei Adoptionspflege

Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG NRW) hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil vom 9.3.2012 als erstes Landessozialgericht in Deutschland entschieden, dass Pflegeeltern nur bei Adoptiospflege Anrecht auf Elterngeld haben.
Empfehlung

von:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter aktualisiert Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJÄ) hat im November eine aktualisierte Fassung der Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung beschlossen und diese jetzt veröffentlicht.