Sie sind hier

Tiefergehende Information

Fragen an die Auslandsvermittlungsstelle

Bei der Bemühung um die Adoption eines ausländischen Kindes gibt es viele Unsicherheiten und Fragen. Den Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft ist die Aufgabe anvertraut, den Ablauf des Verfahrens im Interesse der zu vermittlenden Kinder und Adoptionsbewerber verlässlich zu gestalten.

Bei der Bemühung um die Adoption eines ausländischen Kindes gibt es viele Unsicherheiten und Fragen. Den Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft ist die Aufgabe anvertraut, den Ablauf des Verfahrens im Interesse der zu vermittlenden Kinder und Adoptionsbewerber verlässlich zu gestalten. Die Arbeitsweisen der verschiedenen Freien Träger und auch die Situationen in den verschiedenen Herkunftsländern eines Adoptivkindes sind dabei aber auch sehr unterschiedlich und für Adoptionsbewerber nur schwer zu überschauen.

Der vorliegende Fragenkatalog wurde von einem Kreis von Fachleuten erarbeitet (s.u.). Er soll Adoptionsbewerbern bei der Entscheidung helfen, ob und wenn ja, mit welcher Organisation sie eine Adoptionsbewerbung durchführen wollen. Die Liste der Fragen orientiert sich an fachlichen Kriterien und gesetzlichen Rahmenbedingungen, sowie an praktischen Erfahrungen im Rahmen der Auslandsadoption. Die Fragen dienen dazu, ihnen konkrete Anregungen und Hilfestellung für Gespräche mit der Adoptionsvermittlungsstelle zu geben. Im Austausch über die Fragen und durch die Art der Beantwortung kann ein Vertrauensverhältnis zu der gewählten Organisation begründet werden.
Organisationsstruktur

Aufbau der Auslandsvermittlungsstelle

  • Seit wann arbeitet die Organisation?
  • Wie viele Adoptionen wurden bisher über welchen Zeitraum abgeschlossen?
  • Handelt es sich um eine deutsche Organisation oder um eine ausländische Organisation, die im vorliegenden Einzelfall eine Gestattung der Bundeszentralstelle zur Vermittlung nachweist?
  • Ist diese Organisation durch ein Landesjugendamt (Zentrale Adoptionsstelle) staatlich zugelassen?
  • Bestehen Auflagen/Beschränkungen?
  • Für welche Länder besteht die Zulassung (Vertragsstaaten der Haager Adoptionskonvention/ Nichtvertragsstaaten)?
  • Ist für die Tätigkeit der Organisation mit deren Partner im Herkunftsland eine Zulassung erforderlich und liegt sie vor?
  • Betreut die Organisation zusätzlich zur Adoption Hilfsprojekte im Ausland?
  • Ist gewährleistet, dass Projekthilfe nicht an die Bedingung geknüpft ist, dass Kinder aus diesen Projekten vermittelt werden?

Ausstattung der Geschäftsstelle

  • Ist ein hauptamtliches Fachteam von mindestens zwei Fachkräften (i.d.R. Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und -pädagoginnen) Vollzeit oder entsprechend Teilzeit beschäftigt?
  • Gibt es - zusätzlich zu dem Fachteam - hauptamtliche Mitarbeiter im Sekretariat und sonstigem Verwaltungsbereich?
  • Haben die Mitarbeiter mehrjährige Berufserfahrung in der Adoptionsvermittlung?
  • Ist gewährleistet, dass die Entscheidungen der Fachkräfte in der Adoptionsvermittlung unabhängig von den Weisungen der Vereinsgremien getroffen werden? Wodurch wird dies sichergestellt?

Kooperation mit dem Jugendamt

  • Arbeitet die Organisation mit der für Sie zuständigen örtlichen Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes partnerschaftlich zusammen?
  • Wer erstellt den Adoptionseignungsbericht ( Home study), die Organisation oder das Jugendamt?
  • Die Organisation ist verpflichtet, beim Jugendamt rückzufragen, ob die Bewerber dort bekannt sind oder ob Hinderungsgründe vorliegen. Wird dies von der Organisation gewährleistet?

Partnerorganisation/en im Ausland

  • Mit wem arbeitet die Organisation im Herkunftsland zusammen?
  • Ist die Tätigkeit des ausländischen Partners (der Organisation) im Herkunftsland an eine Zulassung nach den dortigen gesetzlichen Regelungen gebunden und liegt diese vor?
  • Handelt es sich um eine staatlich anerkannte Organisation?
  • Wie viele Mitarbeiter sind beschäftigt (Arbeitsbereich/Arbeitsumfang)?
  • Welche Qualifikation zur Adoptionsvermittlung besitzen die Mitarbeiter?
  • Seit wann arbeiten die jeweilige Organisation/en?
  • Besteht eine Zusammenarbeit des ausländischen Partners mit weiteren Organisationen und anderen Aufnahmeländern?
  • Ist der/die Partner außer in der Vermittlung von Auslandsadoptionen auch in der Suche nach Alternativen für die Unterbringung der Kinder im Herkunftsland sonst aktiv?

Verfahrensstruktur

Allgemeine Informationen vor Verfahrensbeginn, d.h. vor Einreichung der Bewerbung

  • Gibt es Informationsveranstaltungen für Bewerber?
  • Sind sie nur allgemein auf das Thema Adoption bezogen oder auf die Aufnahme eines Kindes aus einem bestimmten Land?
  • Erhalten die Bewerber ein schriftliches Konzept der ethischen und sozialpädagogischen Arbeitsansätze der Organisation?
  • Gibt es eine schriftliche Darstellung über den Ablauf des Verfahrens im Inland/im Herkunftsland, die den Bewerbern mitgeteilt wird?
  • Verfügt die Organisation über ein Kontaktelternnetz und welche Aufgaben haben die Kontakteltern?

Informationen zu den Kindern in den Herkunftsländern

  • Welche Kinder werden vermittelt: Kinder aus Heimen, Familien oder Pflegefamilien?
  • Wie ist die Heimstruktur und Betreuungssituation in dem Herkunftsland?
  • Alter der Kinder; ethnische Herkunft?
  • Ist gewährleistet, dass das Kind zur Adoption freisteht (Rechtliche Statusklärung)?
  • Werden die leiblichen Eltern vor der Freigabe des Kindes über die Konsequenzen einer Adoption und mögliche Alternativen beraten?

Arbeitsweise bei Adoptionseignungsprüfung

  • Werden für Bewerber vertiefende Vorbereitungsseminare angeboten?
  • Werden die Veranstaltungen von Fachkräften geleitet?
  • Gibt es Gelegenheit, die Erfahrungen von Betroffenen zu hören?
  • Werden die politischen, kulturellen und ökonomischen Gegebenheiten des Herkunftslandes thematisiert und die spezifische Situation verlassener Kinder und der abgebenden Familien, speziell der Mütter, eingehend besprochen?
  • Wird für Bewerber deutlich, dass die kulturelle Herkunft des Kindes immer ein Teil des künftigen Familienlebens bleiben wird?
  • Werden Bewerber darauf vorbereitet, dass ein fremdartiges Aussehen des Kindes durch verschiedene Lebensphasen hindurch sich wandelnde Anforderungen an die Familien stellt?
  • Werden die Bewerber über die Bedeutung der Identität (Wurzelsuche) des Kindes aufgeklärt und erhalten sie Empfehlungen hierzu?
  • Erarbeitet die Organisation mit den Bewerbern ein sog. Kinderprofil zu Herkunftsland/Alter/Geschlecht und möglichen Erkrankungen/Behinderungen des Kindes, einschliedflich besonderer länderspezifischer Risiken?
  • Führt das Fachteam Einzelgespräche mit den Bewerbern oder nur Gruppengespräche mit mehreren Bewerbern?
  • Finden Hausbesuche statt?
  • Werden mit den Ehepartnern auch Einzelgespräche geführt?
  • Wird das besondere Risiko einer Adoption bei bereits in der Familie vorhandenen leiblichen Kindern gesondert thematisiert?
  • Gehört ein umfassendes und unabhängiges psychologisches Gutachten zum Teil der Eignungsüberprüfung und wird es von einem in der Adoption erfahrenen Diplompsychologen / Diplompsychologin erstellt?
  • Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter empfiehlt einen natürlichen Altersabstand für Bewerber von 35 - 40 Jahre zum Kind; hält sich dieOrganisation an diese Empfehlung?

Kindervorschlag/ Ablauf des Adoptionsverfahrens

  • Wie lange kann es dauern, einen Kindervorschlag zu erhalten und wovon hängt dies ab (z.B. gravierende Veränderungen im Herkunftsland)?
  • Ist sichergestellt, dass die Reise ins Herkunftsland zum Kennen lernen des Kindes erst erfolgt, wenn ein offizieller Kindervorschlag eingegangen ist?
  • Enthält der Kindervorschlag Informationen zu:
  • Lebensalter
  • äußeres Erscheinungsbild (Photo)
  • Gesundheitszustand
  • Hintergründe und Zustandekommen der Freigabeentscheidung,
  • bei Findelkindern die genauen Umstände der Auffindung (Ort, Zeit, beteiligte Personen)
  • Werden die Bewerber auf mögliche länderspezifische Mängel der Kinderberichte hingewiesen und wie gelangt die Organisation an ergänzende Informationen?
  • Werden subjektive Erfahrungen - vor allem bei älteren Kindern - in der Herkunftsgeschichte (Biographie) des Kindes und seine gegenwärtige Verfassung bei der Bewerberauswahl objektiv berücksichtigt (z.B. traumatische Erlebnisse, psychosoziale Belastungsfaktoren)?
  • Findet eine umfassende ärztliche Untersuchung im Herkunftsland statt(durch wen, zu welchem Zeitpunkt) z.B.
  • HIV
  • Hepatitis (A,B,C) - Tests
  • Alkoholembryopathie?
  • Wird mit den Bewerbern vor einer Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Kindervorschlages sorgfältig der eingehende Kindervorschlag besprochen und wie werden die medizinischen Angaben erläutert, z. B. durch einen Arzt?
  • Ist gewährleistet, dass die Zusammenführung von Bewerbern und Kind (sog. matching) ausschließlich durch Fachkräfte erfolgt?
  • Wie erfolgt die Kontaktanbahnung zum Kind?
  • Wird man das Kind vor einer endgültigen Entscheidung persönlich kennen lernen?
  • Wie muss man sich das Kennen lernen vorstellen (wo, wie lange, mit oder ohne Begleitung) ?
  • Was ist, wenn man das Kind nach dem Kennen lernen ablehnt?
  • Was ist, wenn das Kind die Bewerber ablehnt?
  • Wie läuft das Gerichtsverfahren und wer übernimmt darin die rechtliche Vertretung des Kindes?
  • Gibt es eine Anwesenheitspflicht während des Gerichtsverfahrens?
  • Falls die Adoption im Ausland abgeschlossen wird: welche Rechtswirkungen hat der Beschluss und wird er in Deutschland anerkannt?

Nach abgeschlossener Adoption

  • Müssen - wie international üblich - nach der Adoption Berichte über die Entwicklung des Kindes an das Herkunftsland geschickt werden?
  • Wie lange und in welchen Abständen?
  • Wer erstellt die Berichte?
  • Wie wird die Objektivität dieser Berichte sichergestellt?
  • Welche Angebote macht die Organisation für die Zeit nach der abgeschlossenen Adoption im Rahmen der Nachbetreuung für die Adoptivfamilien?
  • Welche Formen der Krisenintervention gibt es?
  • welche Form der Familienarbeit gibt es?
  • Gibt es altersspezifische, länderspezifische und problemspezifische Gruppen?
  • Selbsthilfegruppen?
  • Supervisionsgruppen?
  • Welche Möglichkeiten - auch in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation im Herkunftsland - gibt es für eine spätere Herkunftssuche des Adoptivkindes und welche Unterstützung bietet die Organisation dabei an?
  • Ist sie mit dem Jugendamt vernetzt?

Kosten des Verfahrens

  • Gibt es eine detaillierte Aufstellung über die Kosten - auch unter Berücksichtigung länderspezifischer Besonderheiten - für das gesamte Verfahren (z.b. Verwaltung, Seminare etc.)?
  • Wie sind die Zahlungsmodalitäten / Fälligkeiten?
  • Sind die aufgezählten Kosten abschließend?
  • Welche Kosten entstehen, wenn ein Kindervorschlag abgelehnt wird?
  • Wie hoch sind die Kosten für die Tätigkeit des ausländischen Partners und was wird damit abgedeckt (z.B. Notar, Arzt, Übersetzungen)?
  • Kommen dort evtl. Auslagen und Spesen hinzu, z.B. bei Reisen der dortigen Mitarbeiter im Lande?
  • Werden Unterbringungskosten für das Kind nach Einleitung des Verfahrens entstehen?
  • Werden Spenden für Einrichtungen im Herkunftsland erwartet, und wie verpflichtend ist dies dann?
  • Mit welchen eigenen Kosten müssen Sie im Verlauf des Adoptionsverfahrens rechnen( z.B. Reisekosten, Übernachtung, Visa etc.)?

Wenn Sie alle Fragen durchgegangen sind, bleiben dann noch Punkte für Sie offen?
Ergeben sich aus ihrer persönlichen Lebenssituation möglicherweise noch Fragen, die
Sie mit der Organisation klären möchten? Neben den inhaltlichen Antworten auf die Fragen konnten Sie sicherlich einen Eindruck dazu entwickeln, ob sich die Organisation im Kontakt mit Ihnen offen und kompetent gezeigt hat. Wir hoffen, dass der Fragenkatalog und die darin enthaltenen Kriterien Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung hilfreich sind.

erarbeitet von:

  • Frau Baumann-Zipplies Hessisches Sozialministerium
  • Frau Bienentreu Internationaler Sozialdienst
  • Herr Busch Internationaler Sozialdienst
  • Herr Klizbor Adoptionsvermittlung des Jugendamtes des Main-Taunus-Kreises
  • Frau Müller-Stutzbach Internationaler Sozialdienst
  • Frau Scharf Adoptionsvermittlung des Jugendamtes des Main-Taunus-Kreises
  • Herr Stapelmann psychologischer Psychotherapeut, "Adoption - unabhängiges Fachteam"
  • Frau Steigerwald Adoptionsvermittlung des Jugendamtes des Main-Taunus- Kreises
  • Herr Dr. Wacker terre des hommes Deutschland eV.
Letzte Aktualisierung am: 
14.05.2008

Das könnte Sie auch interessieren

Hinweis

Informationen zu Fragen der Auslandsadoption

Das Bundesamt für Justiz nimmt neben anderen Aufgaben im internationalen Familienrecht auch die Funktion der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption wahr. Jetzt wurde auf der Webseite des Bundesamtes eine umfassende Zusammenstellung von Fragen, Rechtlichem und anderen Informationen zu allen Bereichen einer Auslandsadoptionen erstellt.
Nachricht

30 Jahre Haager Adoptionsübereinkommen

Das Haager Adoptionsübereinkommen wurde am 29. Mai 2023 30 Jahre alt. Das Übereinkommen, dem die Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist, gewährleistet den Schutz von Kindern bei internationalen Adoptionen und etabliert Verfahren für die Zusammenarbeit. Das Bundesamt für Justiz (BfJ) nimmt die Aufgaben der Zentralen Behörde nach dem Übereinkommen als Bundeszentralstelle für Auslandsadoption auf Bundesebene wahr und koordiniert die internationale Zusammenarbeit in dieser Funktion.
Tiefergehende Information

Erstes Kennenlernen - Die Reise ins Herkunftsland

Vor der Reise müssen die Bewerber sich je nach Land um Visa und Impfungen kümmern. Die Vermittlungsstelle regelt die Unterbringung der Bewerber und die Kontakte mit den Behörden, bestellt einen Dolmetscher und einen Rechtanwalt. Die Adoptionsbewerber werden vor Ort begleitet.
Geänderte Rechtslage

Adoptionshilfegesetz

Am 1. April 2021 treten mit dem Gesetz zur Verbesserung der Hilfen für Familien bei Adoption (Adoptionshilfegesetz) wichtige Änderungen des Adoptionsvermittlungsgesetzes und des Adoptionswirkungsgesetzes in Kraft. Diese sind auch für die Adoption von Kindern aus dem Ausland von Bedeutung. Das gilt etwa, wenn Adoptiveltern mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland ein Kind aus dem Ausland adoptieren möchten.
Tiefergehende Information

Selbsthilfe von Eltern ausländischer Adoptivkinder

Eltern, die ein Kind aus dem Ausland adoptiert haben, sind mit Schwierigkeiten konfrontiert, die sie - auf sich allein gestellt - oft nur schwer bewältigen können.
Interview

von:

Interview mit Wolfgang Gerts, Bundesverband für Eltern ausländischer Adoptivkinder e.V.

Wolfgang Gerts ist zweiter Vorsitzender des Bundesverbands für Eltern ausländischer Adoptivkinder e.V. Moses-online führte ein Interview mit ihm zum Thema Auslandsadoption
Erfahrungsbericht

Michail - Die Geschichte eines aussichtslosen Adoptionsversuchs

Wir, Petra und Hans (54 und 52), haben im Dezember 2005 unsere beiden „älteren“ Geschwisterkinder Andrey (9) und Marija (6) adoptiert.
Geänderte Rechtslage

Adoption von Kindern aus der Ukraine

Adoptionen aus der Ukraine können nicht mehr von einem deutschen Träger begleitet werden. Für die Adoption ukrainischer Kinder ist ausschließlich das ukrainische Sozialministerium zuständig.
Tiefergehende Information

Adoption aus Russland

Russland ist ja bekannt für´s Trinken, viele deutsche Ehepaare adoptieren Kinder aus Russland, sind voller Freude über den Nachwuchs. Leider werden viele davon später enttäuscht, wenn es klar wird, dass ihr Kind doch nicht gesund ist, sondern an FAS leidet. Ein Artikel von Ann Gibson
Erfahrungsbericht

Michail – mit Beharrlichkeit zum Happy End

Aus der 'aussichtslosen' Adoption ist eine erfolgreiche Adoption von Michail geworden.