Sie sind hier

01.10.2010
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Individualpädagogische Hilfen im Ausland: Studie belegt hohe Effizienz für auffällige Kinder und Jugendliche 

Individualpädagogische Hilfen im Ausland sind hoch wirksam im Umgang mit auffälligen Jugendlichen und überdurchschnittlich effizient. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die erstmals im Auftrag des Bundesverbandes katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (BVkE) die Wirksamkeit von Jugendhilfemaßnahmen im Ausland untersucht hat und am 8. September 2010 in Berlin vorgestellt wurde.

Die Ergebnisse der Studie „InHAus - Individualpädagogische Hilfen im Ausland: Evaluation, Effektivität, Effizienz“ wurden mit zwei anderen Betreuungsformen verglichen: der Heimerziehung und der intensiven sozialpädagogische Einzelfallbetreuung im Inland. Alle drei untersuchten Hilfeformen erreichen positive Effekte. Die mit deutlichem Abstand stärksten Effekte konnten im Rahmen der Studie jedoch die Auslandsmaßnahmen erzielen: Sowohl der Aufbau von Ressourcen als auch die Reduzierung von Defiziten gelingen hier nachweisbar besser als in den beiden Vergleichsgruppen. Diese Hilfeform erweist sich trotz höherer Kosten auch als überdurchschnittlich effizient. Die Studie weist einen langfristigen volkswirtschaftlichen Nutzen von durchschnittlich rund 530.000 Euro aus.

Diese Form der Hilfe wird hauptsächlich bei Jugendlichen eingesetzt, die durch beginnende Kriminalisierung, Drogenkonsum, (Auto-)Aggressionen und Schulabbrüche auffallen. Bevor die Entscheidung für eine individualpädagogische Maßnahme im Ausland fällt, haben diese Jugendlichen bis zu sieben unterschiedliche Jugendhilfemaßnahmen im Vorfeld erlebt.

Die Studie zeigt, dass individualpädagogische Hilfen im Ausland effektiv und effizient und für eine spezifische Klientel im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe der richtige Weg sind. Mit dieser Studie will der BVkE dazu beitragen, dass auch zukünftig dieser besondere Weg der Hilfe für gefährdete Kinder und Jugendliche genutzt werden kann.
Norbert Scheiwe, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des BVKE, sagte im Rahmen der Vorstellung der Studienergebnisse: "Angesichts unserer demografischen Entwicklung brauchen wir in Zukunft jeden dieser jungen Menschen, um den wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden. Die InHausstudie belegt eindrucksvoll, dass sich der Aufwand lohnt in einer immer globaleren Welt auch die Lern‐ und Entwicklungsmöglichketen zu nutzen, die andere kulturelle Kontexte ermöglichen. Sie belegt aber auch, dass es einen hohen fachlichen Standard und angemessene gesetzliche Voraussetzungen benötigt, um erfolgreiche Arbeit zu leisten."

Quelle: Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V.

Das könnte Sie auch interessieren

Bericht zur Veranstaltung

von:

Systemsprenger verhindern. Wie werden die Schwierigen zu den Schwierigsten?

Tagungsbericht zur Veranstaltung am 03.-04. Dezember 2015 der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin, zu der 180 Teilnehmer gekommen waren.
Fachartikel

Süchtig nach Stimulation – Zur Suchtgefahr von Kindern mit ADHS

Gemäss dem aktuellen Forschungsstand zum Thema ADHS und Sucht (Wissensstand 2003) gilt zurzeit Folgendes: ADHS-Jugendliche mit einer zusätzlichen sozialen Verhaltensstörung (also mit schweren Regelverstössen, Diebstahl, Brandstiftung oder Körperverletzung) haben ein zwei- bis fünfmal höheres Risiko, an einer Suchtstörung zu erkranken.
Fachartikel

von:

Selbstschädigung und Bedeutung

Was ist der Auslöser, die Zielsetzung und Wirkung selbstschädigenden Verhaltens bei Kindern in Adoptiv- und Pflegefamilien? Von Dr. phil. Richard M. L. Müller-Schlotmann
Fachartikel

von:

Problematisches Verhalten

Auffälliges Verhalten von Pflegekindern hat verschiedene Ursachen. Besonders unvorhergesehene und unbeeinflussbare Veränderungen führen dazu, dass sich Kinder auffällig verhalten.
Fachartikel

von:

Pflegekinder, Adoptivkinder und Heimkinder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Gebundensein und basales Vertrauen sind wesentliche Grundpfeiler für unsere emotionale Existenz. Man ist dort zu Hause, wo man verstanden wird. Bindung schafft Sicherheit, reduziert Angst, baut Stress ab. Auswirkungen von gestörtem Bindungsgeschehen auf die Entwicklung von Pflegekindern, Adoptivkindern und Heimkindern.
Frage und Antwort

Fragen zum Verhalten des Kindes

Beispiele: Das Kind fragt immer mehrere Familienmitglieder, wenn es etwas wissen will. Es hört nicht zu, wenn ihm etwas gesagt wird. Es antwortet, ohne das, was es sagt, wirklich zu meinen. Das Kind erzählt bei anderen, dass es von den Pflegeeltern nichts zu essen bekommt. Das Kind erklärt den Pflegeeltern, dass sie es hungern lassen, es allein lassen, es gar nicht haben wollen etc. Das Kind spricht nicht über seine Ängste, drückt sie aber durch sein Verhalten aus: Es isst ohne Maßen, hortet Essen in seinem Zimmer oder sonst wo, kontrolliert die Pflegeeltern, fragt immer und immer wieder nach, provoziert, etc. Das Kind läuft immer wieder weg, versteckt sich irgendwo oder droht mit Weglaufen. Ein Kind provoziert den Pflegevater in extremen Maße. In der Auseinandersetzung setzt es immer noch eins drauf. Der Pflegevater hat das Empfinden, dass das Kind es darauf anlegt, von ihm geschlagen zu werden.
Stellungnahme

von:

Schwierige Kinder: jedes fünfte Kind ist verhaltensauffällig

In einer Presseerklärung fordert die 'Deutsche Liga für das Kind' schnelle Einführung verbindlicher Mindeststandards in Krippen und Kitas
Stellungnahme

Kritische Sicht von ADHS-Deutschland auf einen Bericht von ZDF-Frontal

Wieder hat das ZDF-Magazin Frontal-21 über die ADHS berichtet – und erneut in pauschaler Weise. ADHS Deutschland e.V. nimmt zu den Kernaussagen des Beitrags „Tägliche Pillen“ vom 12.05.2009 kurz Stellung.
Fachartikel

von:

Strukturen, Grenzen, Rituale

Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien brauchen Sicherheit, Klarheit, Verlässlichkeit, Deutlichkeit, Kompetenz, Geborgenheit und Halt. Je chaotischer die innere Welt des Kindes ist, umso mehr braucht es einen geordneten, klaren und stabilen Rahmen. Dieser Rahmen soll ihm möglichst umfassende Sicherheit vermitteln durch sicherheitsgebende Strukturen, durch sicherheitsgebende klare Grenzen und sicherheitsgebende Rituale.
Fachartikel

von:

Verhaltensauffälligkeiten verstehen

Aufgrund von Beeinträchtigungen oder Erkrankungen haben manche Kinder besondere Verhaltensweisen entwickelt, die sich von dem "normalen" und üblichen Verhalten Gleichaltriger unterscheiden. Kinder, die schwere Misshandlungen oder Vernachlässigung erlebt haben aber ebenso auch Kinder mit FASD, haben häufig Schädigungen des Gehirns erlitten, die es ihnen unmöglich machen, erwartbares und angemessenes Verhalten zu zeigen. Bei ihnen sind die so genannten Exekutivfunktionen gestört. Um diese Kinder verstehen, ihnen helfen und sie fördern zu können, müssen wir die Exekutivfunktionen und ihre möglichen Störungen kennen.