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30.05.2013
Forschungsbericht

Cybermobbing: Lehrer sind hilflos

Im Rahmen einer Studie wurden Von November 2012 bis Februar 2013 über 10.000 Eltern, Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen zu Erfahrungen mit cybermobbing befragt.

Wie gehen Kinder und Jugendliche mit Cybermobbing um? Wie oft sind sie Opfer, wie oft Täter? Welche Maßnahmen ergreifen Eltern und Schulen zur Prävention? Diese und andere Fragen standen im Fokus der derzeit größten Umfrage zum Thema Cybermobbing in Deutschland.

Von November 2012 bis Februar 2013 wurden über 10.000 Eltern, Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen befragt. Ziel der Studie war es, die Phänomene Cybermobbing und Gewalt im Netz genauer zu erfassen, um effektivere Möglichkeiten zum Schutz und zur Prävention aufzeigen zu können.

Nach eigenem Bekunden geben 17 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, bereits Opfer von Cybermobbing-Attacken gewesen zu sein; diese Zahl steigt im Alter von 14-15 Jahren bis auf 20 Prozent an. Davon fühlt sich ein Fünftel der Cybermobbingopfer dauerhaft belastet.

Nach den Tatmotiven gefragt, geben die Täter an, aus Langeweile und Spaß gehandelt zu haben, aber auch um andere gezielt "fertig zu machen". Mehr als ein Drittel der Täter gibt an, selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein.

Die befragten Eltern bekunden, dass die mediale Entwicklung die elterliche Erziehung deutlich erschwere und zu einer Überforderung führe. Lediglich 17 Prozent der Eltern überprüfen die Aktivitäten ihrer Kinder im Internet. Fast 60 Prozent der befragten Lehrkräfte geben an, dass ihnen Cybermobbingfälle unter ihren Schülern bekannt sind. Doch auch ihnen fehlt das notwendige Fachwissen: Mit Blick auf die Gefahrenpotenziale des Internets sieht die Mehrheit der Lehrer bei sich selbst ein starkes Informationsdefizit. Sie fordern daher neue Module und Konzepte für die Lehrerfortbildung sowie institutionelle Maßnahmen.

Die wesentlichen Erkenntnisse der Studie fasst deren Leiterin Frau Dr. Katzer zusammen: "Das Bündnis gegen Cybermobbing empfiehlt die Einführung einer deutschlandweiten zertifizierten Online-Beratungsstelle und eines Hilfe-Portals oder Ratgebers, ähnlich der neuen Hotline "Gewalt gegen Frauen" des Familienministeriums." Des Weiteren sollen neue Online-Informationsangebote geschaffen werden. Anbieter von Online-Portalen sollten Nutzer auf Risiken und Gefahren aufmerksam machen und Hinweise geben: Was ist bei Cybermobbing zu tun und an wen kann man sich wenden? Eine Selbstkontrolle der Onlineanbieter sieht das Bündnis gegen Cybermobbing ebenso als dringende Notwendigkeit an.

Eine verstärkte Präventionsarbeit an Schulen, beginnend an den Grundschulen, mit der Einführung des Schulfaches Medienerziehung, sowie eine verbesserte Lehrerfortbildung sind weitere Punkte. "Und zu guter Letzt benötigen wir ein Cybermobbinggesetz, um Tätern und Opfern zu zeigen, dass Cybermobbing kein Spaß und Kavaliersdelikt ist", so Dr. Catarina Katzer.

Hier können Sie die Studienergebnisse einsehen