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02.10.2009
Forschungsbericht

Bericht über die Tagung der Zentralen Adoptionsvermittlungsstellen im September 09

Einmal jährlich treffen sich die Zentralen Adoptionsvermittlungsstellen zur Fortbildung und zum Austausch. Am zweiten Tag stand die veränderte Situation im Rahmen der Vermittlung von Kindern aus dem Ausland im Mittelpunkt des Interesses aller Teilnehmenden

Bericht des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz

Einmal jährlich treffen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zentralen Adoptionsstellen der Bundesrepublik Deutschland (ZASTEN) zu einer mehrtägigen Fachtagung, jeweils auf Einladung einer Zentralen Adoptionsstelle in deren Bundesland. Die Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen (GZA) hatte vom 8. bis 10.09.09 zusammen mit der Saarländischen Zentralen Adoptionsstelle -dies war ein Novum- in den Erbacher Hof nach Mainz geladen.

In den vergangenen Jahren wurde deutlich, dass diese Tagungen nicht nur dem fachlichen Austausch, sondern auch der Fortbildung der Fachleute und der qualitativen Weiterentwicklung der Arbeit der ZASTEN dienen sollen. Aus diesem Grund boten die beiden gastgebenden Stellen ein umfangreiches Programm, das in den beiden ersten Tagen von mehren Referenten unterschiedlicher Professionen zu verschieden inhaltlichen Arbeitsschwerpunkten der ZASTEN gestaltet wurde. Der letzte Tag war dann den Schlussfolgerungen, die aus diesen Darstellungen gewonnen werden konnten, sowie dem Erfahrungsaustausch und Einzelfragen gewidmet.

Herr Präsident Keggenhoff begrüßte am 8. September 2009 32 Juristen/innen, Verwaltungsfachwirte/innen, Psycholo-gen/innen, Pädagogen/innen und Sozialarbeiter/innen von elf Zentralen bzw. Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstellen der Länder sowie der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption (BZAA), angesiedelt beim Bundesamt für Justiz. Er machte freundlich darauf aufmerksam, dass etwa alle tausend Jahre etwas Besonderes in Mainz geschehe, so sei Mainz vor zweitausend Jahren gegründet worden, der Dom feiere in diesem Jahr sein tausendjähriges Bestehen und nun finde die wichtige ZASTEN -Tagung in Mainz statt. Unser Präsident ging darauf ein, dass die GZA nunmehr seit sechs Jahren qualitativ hochwertige Arbeit für zwei Bundesländer leiste und sich der Zusammenschluss für beide Bundesländer bewährt habe. Er erläuterte den Gästen, welche vielfältigen Aufgaben das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz wahrnimmt. Seine guten Wünsche galten dem Gelingen der Veranstaltung.

Anschließend widmete sich Herr Ronald Erker, Leiter des Landesprüfdienstes der Kranken- und Pflegeversicherung in Rheinland-Pfalz und ebenfalls Mitarbeiter unser Behörde der spannenden und wichtigen Frage, wie die ZASTEN gesicherte Erkenntnisse aus den von den freien Trägern für Auslandsadoptionen vorgelegten Berichten zu deren finanzieller Situation gewinnen , damit sie ihren Aufsichts- und Zulassungsaufgaben gerecht werden können. Diese anspruchsvolle Thematik wurde sehr verständlich von Herrn Erker dargestellt und führte zu einer lebendigen und ergebnisorientierten Diskussion.

Am zweiten Tag stand die veränderte Situation im Rahmen der Vermittlung von Kindern aus dem Ausland im Mittelpunkt des Interesses aller Teilnehmenden. Die Adoptionsexpertin Frau Dipl. Psychologin Irmela Wiemann referierte über die Chancen und Grenzen im Hinblick auf die Vermittlung Älterer- und Geschwisterkinder aus anderen Kulturen. Welche besonderen Fähigkeiten benötigen deutsche Adoptionsbewerber, die sich in der Lage sehen diesen Kindern ein Aufwachsen in ihrer Familie zu ermöglichen? Wie müssen die Kinder in ihrer Heimat und die Bewerber durch die deutschen Adoptionsstellen auf das Kennenlernen, das Zusammenleben - das Gelingen solcher Adoption vorbereitet und begleitet werden? Welche Rahmenbedingungen und Angebote müssen für diese Adoptivfamilien geschaffen und ausgebaut werden? Dies sind nur einige der Aspekte, die unter diesem Schwerpunkt bearbeitet wurden. Die anschließende Vorstellung der Studie des International Social Service (ISS), Genf bestätigte die Erfahrungen und Erkenntnisse des ersten Referates. Diese Studie wurde durch Frau Stéphanie Romanes-Pythoud in englischer Sprache vorgestellt und für die Teilnehmer/innen ins Deutsche übersetzt. Der dritte Beitrag dieses sehr intensiven Arbeitstages stammte von Frau Tina Bruederlin, Ethnologin am John-F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, FU Berlin, Assoziierte Wissenschaftlerin des South Omo Resarch Center Jinka, Südäthiopien. Sie machte ihr Publikum mit einigen spezifischen kulturellen Aspekten der afrikanischen Länder und insbesondere eines von etwa achtzig äthiopischen Volksstämmen vertraut. Dabei widmete sie sich besonders den Lebensbedingungen und rituellen Zeremonien, die den Alltag von Frauen und Kindern in ländlichen Gebieten dieses afrikanischen Landes nach wie vor prägen.

Welche Schlussfolgerungen daraus für die Adoption afrikanischer Kinder durch deutsche Paare oder Einzelpersonen gezogen werden können, wird die deutsche Adoptionslandschaft nachhaltig beschäftigen, da Adoptionen aus Afrika „im Trend“ liegen.

Herr Domdekan Heckwolf trug mit einer beeindruckenden Führung mit kleinem Orgelkonzert durch den Mainzer Dom zur Abrundung des zweiten Tages bei. Historische und kunstgeschichtliche Informationen und kleine Anekdoten über das Gotteshaus waren für unsere Gäste, aber auch für uns interessant und entspannend. Beim gemeinsamen Abendessen in Mainzer Weinhaus „Roter Kopf“ gab es viel Gesprächsstoff.

Der dritte Tag wurde dann bis zum Abschied nach dem Mittagessen mit vielen Einzelfragen gefüllt. Selbstverständlich tauchten auch immer wieder Themen und Aspekte der vorigen beiden Tage auf und führten zu gemeinsamen Beschlüssen, Arbeitsaufträgen oder Anfragen an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJÄ).

Herrn Scheld wurde mit freundlichen Worten und einem besonderen Geschenk aller Teilnehmer/innen für seine Tätigkeit in der GZA gedankt, da er diese leider Ende des Monats September 09 -um in seinen wohlverdienten Ruhestand zu gehen– verlässt. Herr Licht, Leiter der Zentralen Adoptionsvermittlungsstelle Berlin-Brandenburg fand die passenden Worte im Namen aller Anwesenden.

Bevor Frau Abteilungsleiterin Lange vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Familie die Tagung beendete, luden die Kollegen/innen vom Landschaftsverband Rheinland für das kommende Jahr zur Tagung nach Bad Honnef ein.