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28.05.2013
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Aktueller Stand der Ganztagsschulen

Das Forschungsteam der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen – StEG“ legt den Bericht „Ganztagsschule 2012/2013“ vor. Er ist das Ergebnis einer bundesweit repräsentativen Online-Befragung von 1.300 Leitungen von Schulen mit Ganztagsangeboten

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Das Forschungsteam der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen – StEG“ legt den Bericht „Ganztagsschule 2012/2013“ vor. Er ist das Ergebnis einer bundesweit repräsentativen Online-Befragung von 1.300 Leitungen von Schulen mit Ganztagsangeboten. Die 2012 in die zweite Laufzeit gestartete StEG-Studie ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), des Deutschen Jugendinstituts (DJI), des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund (IFS) sowie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gefördert wird StEG aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Europäischen Sozialfonds (ESF) der Europäischen Union.

„Die Studie belegt die Vielfalt der Ganztagsschullandschaft in Deutschland“, sagt der Sprecher des Teams, Professor Dr. Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Er ergänzt: „Ganztagsangebote werden landes- und schulformspezifisch unterschiedlich konzipiert, ausgestaltet und genutzt.“ Beispiele: In den ostdeutschen Bundesländern sind die Teilnahmequoten höher, die Tagesöffnungszeiten länger und die konzeptionellen Ziele stärker auf die „Erweiterung der Lernkultur“ sowie auf „Kompetenzorientierung und Begabungsförderung“ gerichtet als in den westdeutschen Ländern. Weiterhin ist die Angebots- und Tagesstruktur in Gymnasien stärker fachbezogen und unterrichtsorientiert als an anderen Schulen der Sekundarstufe I. Und Grundschulkinder nehmen am Ganztag sehr viel häufiger teil als die Jugendlichen im Sekundarbereich.

Die Ergebnisse lassen sich drei zentralen Themen zuordnen:

(1) Organisationsform und Rahmenbedingungen, unter denen Ganztagsschulen arbeiten, (2) individuelle Förderung und (3) Fragen der Chancengleichheit.

1. Organisationsform und Rahmenbedingungen

Zuverlässige Öffnungs- und Betreuungszeiten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen, zeichnen vor allem die Grundschulen aus. Die meisten Ganztagsgrundschulen sind an mindestens vier Tagen geöffnet. In den neuen Bundesländern und Berlin – also dort, wo Schulen mit eigenständigen Horten kooperieren – sind die Betreuungszeiten deutlich umfangreicher, so dass die Arbeitszeiten der Eltern besser abgedeckt werden können.

Die meisten Ganztagsschulen organisieren die Teilnahme am Ganztagsbetrieb in freiwilliger Form in „offenen Ganztagsschulen“. Insbesondere in der Grundschule ist dies das mit Abstand häufigste Organisationsmodell der Ganztagsschule (in 80 Prozent der Schulen). Grundschulen weisen auch bei freiwilliger Teilnahme besonders hohe Teilnahmequoten von durchschnittlich 50 Prozent auf. Insgesamt berichten die Schulleitungen über eine kontinuierliche, in Grundschulen sogar wachsende Nachfrage und Akzeptanz. „In den Grundschulen zeichnen sich bereits Kapazitätsengpässe ab“, hält Professor Dr. Heinz Günter Holtappels vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund fest.

Entwicklungsbedarf besteht weiterhin bei der finanziellen und personellen Ausstattung. Als problematisch beschreiben die Schulleitungen schulformübergreifend die Rekrutierung von Personal und, damit zusammenhängend, häufig die (Unter-) Finanzierung des Ganztagsbetriebs. Zwischen 30 und 45 Prozent der Schulleitungen geben an, dass die finanziellen, personellen und räumlichen Ressourcen dem angestrebten beziehungsweise praktizierten Konzept ihrer Ganztagsschule nicht entsprechen.

Insbesondere im ländlichen Raum haben Ganztagsschulen mit Problemen bei der Gewinnung von Personal und von Kooperationspartnern zu kämpfen. Gleichwohl arbeitet der weit überwiegende Teil bereits mit Kooperationspartnern zusammen.

2. Individuelle Förderung

Die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler ist insgesamt ein wichtiges Ziel deutscher Ganztagsschulen. Sie bieten umfangreiche und vielfältige Bildungsangebote: Hausaufgabenbetreuung, Förderangebote, sportliche und musisch-kulturelle Angebote gehören zum Standard. Allerdings finden sich fachliche Angebote zu Themen wie Mathematik, Naturwissenschaften oder Fremdsprachen häufiger in Gymnasien als in anderen weiterführenden Schulen. „Dies sollte mit Blick auf eine individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Leistungsstand und familiärer Herkunft, kritisch hinterfragt werden“, unterstreicht Dr. Natalie Fischer, die vom DIPF aus die Arbeit des Teams an den beteiligten vier Institutionen koordiniert.

Eine individuelle fachliche Förderung kann nach Meinung vieler Expertinnen und Experten dort am besten geleistet werden, wo Ganztagsangebote mit dem Unterricht in Verbindung stehen. Dementsprechend hat die Kultusministerkonferenz die Verknüpfung von außerunterrichtlichen Ganztagselementen mit dem Unterricht als ein zentrales Kriterium von Ganztagsschule festgeschrieben. Tatsächlich geben in allen Schularten mindestens drei Viertel der Schulleitungen an, dass Lernprobleme und -defizite aus dem Unterricht in Lern- und Förderangeboten und Aufgabenzeiten aufgearbeitet werden. Dennoch sind an etwa der Hälfte der Schulen Angebote und Unterricht immer noch wenig miteinander verknüpft. In Grundschulen und Schulen mit Sekundarstufe (ohne Gymnasien), die schon längere Erfahrung als Ganztagsschule haben, sind Angebote und Unterricht eher verknüpft als in „neueren“ Ganztagsschulen. Auch im Hinblick auf die aktive Mitwirkung von Lehrkräften im Ganztag und die Etablierung fester Kooperationszeiten für das gesamte Personal zeigen sich Vorteile bei den „älteren“ Ganztagsschulen. „Für die Qualitätsentwicklung benötigen Ganztagsschulen Zeit“, erläutert Professor Dr. Ludwig Stecher von der Universität Gießen.

3. Chancengleichheit

Sollen herkunftsbedingte Ungleichheiten mit der Ganztagsschule abgebaut werden, müssen Schülerinnen und Schüler möglichst regelmäßig am Ganztagsangebot teilnehmen. Allerdings sind die Teilnahmequoten in Schulen mit freiwilliger Teilnahme in der Sekundarstufe I auch 2012 noch stark ausbaufähig. Zudem erhalten Gymnasiasten im Ganztag mehr fachbezogene Angebote als andere Jugendliche, und die Gymnasien kooperieren eher mit Institutionen der musisch-kulturellen Bildung, während andere Schulen der Sekundarstufe I enger mit Betrieben, Unternehmen und der Arbeitsagentur zusammenarbeiten. „Diese Unterschiede in der Angebotsstruktur können ungleiche Bildungschancen verfestigen“, befürchtet Professor Dr. Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut.

Die Studie ergibt weiterhin, dass gerade an Ganztagsschulen mit freiwilliger Teilnahme häufiger ein Teilnahmebeitrag erhoben wird. Aber auch in anderen Ganztagsschulen fallen – neben den Kosten für das Mittagessen – Elternbeiträge für regelmäßige oder unregelmäßige Aktivitäten an. Mit Blick auf die Teilnahme von Kindern aus ressourcenärmeren Familien sei die Frage der Kosten des Ganztagsbetriebes zu überdenken, heißt es im Fazit der Autorinnen und Autoren.

Der vorgelegte Bericht ist als Indikatorenbericht zu verstehen, der Einblick in den gegenwärtigen Zustand der bundesdeutschen Ganztagsschullandschaft gibt. Vertiefende und ergänzende Ergebnisse bezüglich der pädagogischen Qualität von Ganztagsangeboten und ihren Wirkungen über die Schullaufbahn und darüber hinaus sind aus den 2013 beginnenden Teilstudien von StEG zu erwarten.

Der Gesamtbericht mit detaillierter Ergebnisdarstellung steht online zur Verfügung: www.projekt-steg.de/ticker

Quelle: Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, www.dipf.de

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