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30.04.2012
Fachartikel

Wirrwarr bei den Bezeichnungen für die Unterbringung von Kindern

Zunehmend haben sich in den letzten Jahren Strukturen der Unterbringungen von Kindern, die nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können, verändert. Die frühere Unterteilung "Pflegefamilie" und "Heim" ist so nicht mehr möglich. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Überlappungen beider Strukturen, die durch unterschiedlichste Bezeichnungen verwirren. Moses Online reagiert darauf mit einer Erweiterung des Angebotes.

Während das Gesetz im § 33 SGB VIII von "Vollzeitpflege" und "geeignete Formen der Familienpflege" und im § 34 von "Heimerziehung" oder "sonstige betreute Wohnform" spricht, hat sich die Praxis erfindungsreicher in der Bezeichnung solcher Unterbringungen gezeigt.

Bisher sind folgende Wortschöpfungen entstanden:

  • Bereitschaftspflege
  • Kurzzeitpflege
  • Familiäre Bereitschaftsbetreuung
  • Befristete Vollzeitpflege
  • Unbefristete Vollzeitpflege
  • Pflegefamilien
  • Dauerpflege
  • Verwandtenpflege
  • Sozialpädagogische Pflegestellen
  • Sozialpädagogische Pflegefamilien
  • Heilpädagogische Pflegestellen
  • Heilpädagogische Pflegefamilien
  • Sonderpflege
  • Westfälische Pflegefamilien
  • Erziehungsstelle nach § 33 Satz 2
  • Erziehungsstelle nach § 34
  • Sozialpädagogische Wohnformen
  • Integrationsfamilien
  • Projektstellen
  • Familienanaloge Wohnformen
  • Familienanaloge Betreuungsformen
  • Familienanaloge Wohngruppe
  • Individualpädagogische Projektstelle
  • Projektstelle

Sicherlich fehlen noch Bezeichnungen, die uns bisher noch nicht aufgefallen sind. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns über weitere Bezeichnungen oder Konzepte informieren, die in Ihrem Arbeits- oder Lebensumfeld benutzt werden. Benutzen Sie einfach unser Kontaktformular.

Diese Unterbringungsformen unterscheiden sich durch die Art und Weise
  • der Einbindung in größere Zusammenhänge z.B. Heimträger, Träger der freien Jugendhilfe, Jugendamt etc.,
  • der Hilfe durch Betreuung und Beratung
  • der Hilfe durch Finanzielles
  • der Zuständigkeit unterschiedlicher Sozialgesetze (SGB VIII, bei behinderten Kindern SGB XII)
  • die Stellung der Erziehungspersonen als Ehrenamtler, Honorarmitarbeiter oder Angestellte – mit den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Zusammenarbeitsstrukturen von Beratung bis hin zur Weisungsbefugnis.

Für die betroffenen Kinder gehen manche dieser Unterbringungsformen nahtlos ineinander über oder sich wandern von einer zur anderen.

Das Bürgerliche Gesetzbuch spricht im § 1630 von "Familienpflege" und meint damit die Unterbringung von Kindern in Familien, die nicht die leiblichen Familien sind – unabhängig davon, wie die Jugendhilfe diese Unterbringung deklariert und nach § 33, 34 oder 35a sortiert.
Als Betreiber von Moses Online sind wir seit einiger Zeit darauf aufmerksam geworden, dass wir mit der Bezeichnung "Portal zum Thema Pflegekind und Adoption" deutlich zu kurz greifen. Es wurde uns klar, dass wir mit "Pflegekind" und "Adoption" nur Teile der möglichen Interessenten ansprechen. Bei der Bearbeitung der Themenhefte zeigte es sich, dass ein Großteil der Inhalte über "Pflegekind" und "Adoption" hinausgeht und eigentlich alle Kinder betrifft, die nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern wohnen.

1. Beispiel:

Bei der Erläuterung der Alltagssorge im Rahmen unseres Heftes "Pflegekind und Sorgerecht" wurde klar, dass diese Alltagssorge nicht nur für Pflegeeltern so ist, wie im § 1688 BGB beschrieben, sondern dass dieser Paragraf im Absatz 2 heißt: "Der Pflegeperson steht eine Person gleich, die im Rahmen der Hilfe nach §§ 34, 35 und 35a SGB VIII die Erziehung und Betreuung eines Kindes übernommen hat". Also fallen alle oben genannten Unterbringungsbezeichnungen unter diese Definition der Alltagssorge.

2. Beispiel:

Im Rahmen des Themenheftes "Pflegekind und Besuchskontakte" wurde klar, dass es bei Art und Umfang der Kontakte nicht um die Frage Pflegekind oder sonstige Bezeichnung ging, sondern um die Frage, ob das Kind zeitlich begrenzt oder dauerhaft untergebracht war. Die Organisationsform oder Bezeichnung der Unterbringungsform spielte dabei keine entscheidende Rolle.

Ergebnis dieser Überlegungen

Moses Online ist also das Internetportal für Kinder in Familienpflege, Erziehungsstellen, Wohngruppen und Adoption.
Dies ist zwar eine lange Bezeichnung – aber uns fällt keine Bezeichnung ein, die alle genannten Formen der Unterbringung umfassen könnte. Die Worte "Fremdunterbringung" und "Fremdplatzierung" scheinen uns ungeeignet.

Unsere Themenhefte "Sorgerecht", "Besuchskontakte" und "Traumatisierte Kinder" publizieren wir in Kürze in einer neuen Auflage, in der wir die Inhalte nach diesem neuen, erweiterten Schwerpunkt überarbeiten.
Auch in den Titeln der Publikationen wird sich diese Änderung bemerkbar machen.

Dieses wirkt sich auch im Bereich Werbung auf Moses Online aus.
Unsere Deutschlandkarten "Suche nach Pflegeeltern" und "Suche nach Erziehungsstellen" sind einerseits etwas zu eng gefasst, um den verschiedenen Formen der Unterbringung gerecht zu werden - andererseits ist die Trennung in zwei Karten auch nicht gerade praktikabel. Daher werden wir auch die Karten so überarbeiten, dass die Träger die von ihnen angebotenen verschiedenen Unterbringungsformen übersichtlich darstellen können.
Unseren Werbekunden senden wir in Kürze weitere Informationen dazu.