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16.04.2020

Wenn Lernen zu Hause nicht so einfach ist

Nicht allen Kindern fällt das Lernen leicht und es gibt auch Kinder, die Unterstützung und Begleitung beim Lernen benötigen. Jutta und Marie Gorschlüter geben Tipps und Hinweise, wie das Lernen entspannt funktioniert. Dieser Artikel entstand vor dem besonderen Hintergrund des Ausfalls aller Schulen während der Corona-Krise - ist aber im Grunde immer aktuell und daher als Fachartikel in Moses Online eingerichtet.

Die aktuelle Corona-Situation stellt die Welt auf den Kopf und macht vor niemandem Halt.

Schulen und Kitas sind geschlossen. Und ein Ende dieser Situation ist noch nicht abzusehen. Nicht allen Kindern jedoch fällt das Lernen leicht und es gibt eben auch Kinder, die Unterstützung und Begleitung beim Lernen benötigen. Manche dieser Kinder bekommen eine außerschulische Förderung, andere haben in der Schule eine Unterstützung in Form einer Integrationskraft. Und jetzt findet aufgrund der Corona-Krise kein Schulunterricht statt. Aber das Lernen soll weitergehen. Zuhause!! Und das auch bei den Kindern, die sich nicht gut konzentrieren können oder z.B. Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, Defizite und Lücken, Teilleistungsstörungen, Sprach- und Lernentwicklungsverzögerungen haben.

Diese und viele andere Umstände erschweren Kindern oftmals schon unter „normalen“ Umständen ihr Potenzial beim Lernen zu entfalten. Und jetzt das: Keine Schule!

Die getroffenen Maßnahmen sind nachvollziehbar und auf den ersten Blick gefallen sie sogar vielen Kindern, aber gleichzeitig stellt es viele Familien vor eine große Herausforderung.

Die aktuelle Situation wirft Fragen auf. Bei dem ein oder anderen vielleicht auch die Frage: „Was wird mit unseren Kindern, wenn die Schule für Monate ausfällt? Wie sollen sie etwas lernen, bzw. wie soll Lernen Zuhause funktionieren, wenn es in der Schule oftmals schon so schwer ist und ohne Unterstützung nicht geht?“

Da wir uns in unserer lerntherapeutischen Praxis genau damit befassen, wie das Lernen eben entspannt funktioniert, haben wir hier einige Tipps und Hinweise für Sie zusammengestellt:

  • Zunächst einmal: Machen Sie sich bewusst, dass Lernen immer stattfindet! Schulische Inhalte können an vielen Stellen im Alltag auch anders erlernt werden. Versuchen Sie nicht die Schule zu kopieren. Das Zuhause ist keine Schule und die Schule kein Zuhause. Gelernt werden muss dementsprechend auch nicht zwingend am Schreibtisch – insbesondere wenn Sie ein bewegungsfreudiges Kind haben, bedenken Sie das auch beim Lernen. Vokabeln lassen sich z.B. wunderbar auf dem Trampolin abhüpfen.
  • Kramen Sie alte Kinderspiele wieder heraus und spielen Sie!  Z.B. Galgenmännchen, Gummitwist, Ich sehe was, was du nicht siehst…, Hinkekästchen, Fadenspiele, Pantomime, Lieder mit Bewegung, Papierflieger falten, Zaubertricks, Reime/Abzählreime, Fingerspiele, Ich packe meinen Koffer, Stadt-Land-Fluss… (Hinweis: Wie all das geht, finden Sie ggf. bei YouTube.)
  • Nutzen Sie Lernspiele, um Inhalte zu wiederholen! Unsere kostenlosen Videos über das Lernen speziell mit jüngeren Kindern finden Sie auf Youtube unter „spielraum lernen“. Dort erklären wir, wie man Lerninhalte auch spielerisch mit wenig Aufwand üben kann, zeigen viele Eselsbrücken und allgemeine Lerntipps.
  • Beziehen Sie die Kinder in die vielen alltäglichen Abläufe mit ein! Kochen, spielerisch Dinge sortieren, Gartenarbeit, Haushaltskasse… all das kann ohne Druck und mit ein wenig Gelassenheit allen Familienmitgliedern Spaß machen und nebenbei ganz zwanglos zahlreiche schulische Themenbereiche streifen.
  • Übungseinheiten mit Schulmaterialien sollten kurz und überschaubar sein!

Wenn Sie mit dem Kind üben, weil das selbstständige Arbeiten nicht gelingt, legen Sie vorher mit dem Kind zusammen fest, wie lange Sie üben werden. Lassen Sie das Kind einen Vorschlag machen! Beispiel: Das Kind sagt: „20 Minuten Lesen und Schreiben“, dann sagen Sie „15 Minuten!“ Bleiben Sie immer unter den Zeitvorschlägen der Kinder.

Überziehen Sie die festgelegten Zeiträume nicht. Es gibt Eltern, die, wenn es gerade gut läuft, die Übungsphase gerne verlängern wollen. Leider oftmals so lange, bis die Stimmung kippt. Die Grundregel lautet: Ist die Übungsphase vorbei, darf nur das Kind diese verlängern, wenn es noch Lust hat ein Lernspiel beispielsweise zu Ende zu spielen. Sie möchten doch die Motivation steigern und dafür ist ein positives Ende der Lerneinheit definitiv besser geeignet.

Zeitmanagement

Es kann für alle Familienmitglieder hilfreich sein gemeinsam den Tagesablauf zu planen (z.B. schon am Vortag oder beim gemeinsamen Frühstück am Morgen), Vorlesezeit, Spielzeit, gemeinsam Kochen/Hausarbeit und Lerneinheiten/Übungseinheiten zeitlich einzugrenzen – immer mit der Option im Tagesverlauf nachzuverhandeln z.B. Einheiten zu tauschen. Das gibt dem Tag Struktur und vermittelt den Kindern ein Gerüst, in dem sie genau sehen können, wie viel Freizeit ihnen trotz Lerneinheiten im Tagesverlauf bleibt. Halten Sie die Absprachen auf einem Tagesplan aus Papier, einem White Board oder einer Tafel für alle sichtbar fest.

Bedenken Sie dabei, dass insbesondere viele Grundschulkinder sich beim Abschätzen von Zeiträumen noch häufig unsicher sind. Machen Sie es daher bildhaft nachvollziehbar und nutzen Sie ggf. einen Timer.

Entlarven Sie Ihre Kommunikationskiller im Alltag!

Wo im Alltag benutzen Sie in Lernsituationen mit den Kindern oder wenn Sie über das Lernen mit Ihren Kindern reden, folgende Sätze?

  • „Jetzt konzentrier dich doch mal!“
  • „Wenn er /sie wollte, dann könnte er/sie auch!“
  • „Das hatten wir doch schon!“
  • „Warum hörst du mir denn nicht zu?“
  • „Wieso hast du noch nicht angefangen?“
  • „Gib dir doch mal etwas Mühe!“
  • „Immer das gleiche! Du passt ja gar nicht auf!“

Was wir meinen, sind: Ironie, Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Besserwisserei, neg. Bewertungen, etc.

Hören Sie sich selbst zu und schreiben Sie Ihre typischen Äußerungen in Lernsituationen auf! Das macht es einfacher, Alternativen zu finden.

Nutzen Sie Kommunikationshelfer!

Hier nur zwei Hinweise, die vielleicht hilfreich sind in der Kommunikation mit den Kindern:

Der passive Wortschatz ist normalerweise deutlich größer als der aktive Wortschatz. Wenn Sie eine Fremdsprache beherrschen, werden Sie dieses Phänomen kennen. Sie verstehen immer deutlich mehr, als Sie aktiv sprechen können. Die Kinder benötigen oft noch Hilfe, um ihre Gedanken in Sprache umzuwandeln.

Sätze in indirekter Sprache, wie „Das hättest du mir doch sagen können!“ sind daher nicht hilfreich. Stattdessen sprechen Sie einfach ganz konkret den Satz vor, den das Kind in seinen aktiven Wortschatz übernehmen kann: „Du hättest sagen können: Mama/Papa, ich brauche deine Hilfe!“

Bei Fragen gilt das Gleiche: Statt Aufforderungen auszusprechen, wie z.B. „Wieso hast du mich nicht gefragt?“ oder „Ich hab dir doch gesagt, du kannst mich immer fragen, wenn du was nicht verstanden hast!“ ist es hilfreicher die gewünschten Fragen direkt vorzusprechen. Beispiel: „Es wäre schön, wenn du mich fragst. Du könntest sagen: Ich weiß nicht, was das Wort bedeutet? oder „Mama/Papa …Kannst du mir die Aufgabe erklären?“

Ermutigen Sie Ihre Kinder und loben Sie nicht nur für die Leistungen, sondern vor allem auch für ihre Qualitäten!

Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Ordentlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit, Konzentration, … all dies sind Qualitäten, die für das spätere Leben sehr viel wichtiger sind als Noten.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass es bei Ihrem Kind doch an vielen Stellen noch schwierig ist beim Lernen, laden wir Sie herzlich ein, sich bei uns in der Praxis zu melden.

Herzliche Grüße, Jutta und Marie Gorschlüter

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Die Lerntherapeutische Praxis
Spielraum Lernen ist eine im Jahr 2003 von Jutta Gorschlüter gegründete lerntherapeutische Praxis in Münster (Nordrhein-Westfalen). Jutta und Marie Gorschlüter und ihr Team begleiten und unterstützen hier Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die eine lerntherapeutische Förderung in einem der folgenden Bereiche benötigen.
Spielraum Lernen – Inhaberin Jutta Gorschlüter