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31.05.2014
Fachartikel

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Qualifizierung von Pflegeeltern

Zur Qualifizierung von Pflegeeltern stehen Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Als Beispiele werden im Referat die Angebote der Pflegekind Aktion Schweiz, der Trägerkonferenz Erziehungsstellen im Rheinland, des Fachzentrums für Pflegekinder Sachsen-Anhalt und PiP in Bremen vorgestellt.

Qualifizierte Erziehung von Pflegekindern kann erlernt werden

Eine Einleitung zum Thema von Rita Aemmer

Qualifizieren heißt Menschen befähigen, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. In der Betreuungs- und Erziehungsarbeit ist die Bezugsperson als Mensch das wichtigste und wirkungsvollste Instrument. Erst an zweiter Stelle stehen Wissen und Anwendung von Modellen und Methoden.

Pflegeeltern erfüllen ihre Aufgabe in ihrem privaten Lebensraum rund um die Uhr. Sie werden nicht nur vor fachliche Probleme gestellt, sondern sie erfahren eine ganzheitliche Herausforderung, die unter die Haut geht. Früher oder später erleben sie eine Konfrontation mit sich selber, mit ihrer Geschichte, ihren Ressourcen und Grenzen. Das „Wissen“, wie man mit Situationen umgehen sollte, reicht für die Bewältigung nicht aus. Gefühle kann man nicht der Einsicht unterordnen. Diese verändern sich erst, wenn ein Erkenntnisprozess vollzogen werden kann, d.h. wenn sich die persönliche Beziehung zu einer Thematik, von innen heraus verändert. Sie brauchen Fähigkeiten und Kompetenzen, die sich nicht auf die Schnelle in Vorlesungen oder Kursen erwerben lassen.

Ein hilfreiches, nachhaltiges Bildungsangebot unterstützt Pflegeeltern in ihrem persönlichen Entwicklungs- und Erkenntnisprozess. Es regt eine intensive Auseinandersetzung mit persönlichen Themen an, schult ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung und hilft ihnen, eigene Wünsche und innere Konflikte zu erkennen. Pflegeeltern werden befähigt und ermutigt, ihre Handlungs- und Reaktionsweisen zu reflektieren, vorgefasste Meinungen von Erziehung und Beziehung loszulassen und sich für die Förderung des Kindes von dessen Entwicklungsmöglichkeiten und emotionalen Bedürfnissen leiten zu lassen.

Pflegeeltern gewinnen Feingefühl und Sicherheit in der oft schwierigen Zusammenarbeit und entwickeln eine wohlwollende, annehmende Grundhaltung gegenüber allen Beteiligten. Nur auf dieser Basis können Pflegeeltern vermitteltes Wissen zum Wohle der ihnen anvertrauten Kinder und ihrer eigenen Familie nutzen und förderlich einsetzen.

Rita Aemmer, dipl. Erwachsenenbildnerin, Pflegemutter
Mitarbeiterin Fachstelle Pflegekind Bern
Ausbildungsleiterin „Ausbildung zur qualifizierten Erziehung von Pflegekindern“

Vorstellung von Angeboten zur Qualifizierung

1. Lehrgang der Pflegekind Aktion Schweiz - Ausbildung zur qualifizierten Erziehung von Pflegekindern

  • Übersicht über Themen und inhaltliche Schwerpunkte
  • Grundlagen / Fachwissen
  • Entwicklungspsychologie
  • Psychische Störungsbilder und deren Behandlungsmöglichkeiten
  • Mit traumatisierten Kindern zusammenleben
  • Familien-und Gruppendynamik
  • Erziehungs-und Interventionstechniken
  • Biographiearbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Kreativität und Rituale mit Kindern

Grundlagen und Fachwissen werden an Hand von Beispielen, praxisbezogen vermittelt. Verschiedene theoretische Grundkenntnisse müssen die Teilnehmenden durch Selbststudium erarbeiten.

Weitere Inhalte:
  • Rahmenbedingungen im Pflegeverhältnis
  • Umgang mit den leiblichen Eltern
  • Umgang mit Behörden und Fachkräften
  • Arbeit als begleitete Pflegefamilie
  • Berichterstellung
  • Wissen um das Hilfsnetz
  • Rolle als Pflegemutter / vater
  • Reflexion und Klärung der persönlichen Motivation für die Arbeit als Pflegemutter oder -vater
  • Selbsterfahrung / Reflexion der eigenen Erziehung / Entwicklung im Bezug auf die Arbeit als Pflegemutter oder –vater
  • Pflegekinderwesen in der Schweiz, Organisation und rechtliche Grundlagen
  • Entwicklung der Identität als Pflegeeltern
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Umgang mit komplexen Situationen

Die Teilnehmenden lernen sich und ihre Reaktionen auf das Pflegekind reflektieren.

Sie verstehen, wie sie selbst mit Verletzung, Verlust, Abschied, Veränderung und ihrer Position in der ihrer Ursprungsfamilie umgegangen sind.
Sie kennen ihre persönlichen Ressourcen und lernen sie bewusst einzusetzen.
Sie lernen Projektionen und Übertragungen wahrnehmen und damit umgehen.

Struktur des Kurses:
  • 30 Tage innerhalb von 2 1/2 Jahren
  • Total 240 Lektionen und ca. 330 Std. Selbststudium
  • Kooperationspartner sind tipiti, Espoir und Fachstelle Pflegekind Bern
  • eduQua-zertifiziert
Kursleitung:
  • Rita Aemmer, langjährige Pflegemutter, dipl. Erwachsenenbildnerin, Supervisorin und Mitarbeiterin Fachstelle Pflegekind Bern;
  • Ueli Zingg, Fachpsychologe für Kinder -und Jugendpsychologie und Psychotherapie FSP;
  • Stephan Scharfenberger, Sozialarbeiter FH, dipl. Paar-und Familientherapeut, Supervisor und Organisationsberater Methodik und Praxisbezug

Der Ausbildungskurs ist prozessorientiert. Die Inhalte werden durch Inputs, Übungen, Selbststudium und in Kleingruppen erarbeitet. Die TeilnehmerInnen reflektieren unter Anleitung konkrete Situationen und Problemstellungen aus dem Erziehungsalltag der Pflegefamilie und entwickeln Lösungsansätze

Abschluss und Zertifizierung:

Jede Ausbildungseinheit (10 Tage) wird evaluiert und mit einer schriftlichen Arbeit oder einem Bericht abgeschlossen. Nach dem 2. Block erfolgt eine Lernkontrolle und als Abschluss des ganzen Kurses schreiben die Teilnehmenden eine Abschlussarbeit. Das Zertifikat wird auf Grund der akzeptierten Arbeiten / Berichte, der bestandenen Lernkontrolle und dem Nachweis einer regelmässigen Teilnahme an den Kurstagen ausgestellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können die Ausbildung auch mit einer Kursbestätigung abschliessen.

Auf der Internetseite der Pflegekinderaktion Schweiz finden Sie Informationen zu aktuellen Daten

2. Qualifizierung der Trägerkonferenz der Erziehungsstellen im Rheinland

Die Trägerkonferenz der Erziehungsstellen im Rheinland hat sich als Interessenvertretung der Träger von Erziehungsstellen organisiert, die im Rheinland auf der Grundlage des § 33. Abs. 2 SGB VIII arbeiten.

Die Trägerkonferenz hat eine Konzeption erarbeitet in der es in der Einleitung heißt:

Die Trägerkonferenz ist eine gemeinsame Interessenvertretung der in ihr organisierten freien und öffentlichen Träger der ‚Erziehungsstellen im Rheinland‘. Diese Konzeption ist Grundlage für die Arbeit der in der Trägerkonferenz zusammengefassten Träger von Erziehungsstellen.
Für die Mitglieder der Trägerkonferenz ist die Anerkennung und Umsetzung der vorliegenden Konzeption verbindlich und verpflichtend. In schriftlicher Form unterzeichnen die Träger die Einhaltung der Konzeption.

Im Punkt 6 der Konzeption sind die Aufgaben des Landesjugendamtes Rheinland beschrieben.

Das Landesjugendamt Rheinland begleitet und unterstützt die ‚Erziehungsstellen im Rheinland‘ durch:

  • Beratung
  • Durchführung und Koordination des Arbeitskreises der Erziehungsstellenberaterinnen
  • Mitarbeit in Trägerkonferenz und Fachausschusssitzung
  • Fortbildung (regelmäßige Angebot für Fachkräfte und Erziehungsstelleneltern)
  • Empfehlungen

Hier finden Sie Die Konzeption der "Erziehungsstellen im Rheinland".

Die Konzeption soll immer mal wieder den geänderten Bedingungen der Pflegekinderhilfe angepasst werden. So gab es vor etwa einem Jahr eine Änderung im Rahmen des Profils der aufnehmenden Erziehungsstellen. Hier wurde im besonderen Maße auf Bewerber ohne pädagogische Ausbildung eingegangen, die nun die Möglichkeit haben, eine Schulung der Trägerkonferenz in Zusammenarbeit mit dem LJA Rheinland zu durchlaufen um damit die Qualifizierung für eine Erziehungsstelle der Trägerkonferenz zu erreichen.

Nachfolgend die Ergänzung der Rahmenkonzeption zu diesem Thema:

Ergänzung zum Profil der Erziehungsstellen gem. Punkt 3.3 der Rahmenkonzeption Erziehungsstellen im Rheinland - „Anforderungen an die aufnehmenden Familien, Paare oder Alleinerziehende“.

Für die Eignung von Erziehungsstellen gelten für die Mitglieder der Trägerkonferenz folgende Kriterien:
  • Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Diplom Sozialpädagoge -arbeiter, Diplompädagoge, Heilpädagoge, Diplompsychologe)
  • Professionen, welche Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ihrer Tätigkeit haben, aber nicht als pädagogische Fachkraft ausgebildet sind lt. Pkt 1(Lehrer, Kinderpfleger, Therapeuten, erfahrene Pflegefamilien. . .) Hier liegt es im Entscheidungsbereich der Erziehungsstellenberater, ob die Bewerber eine weitere Schulung durch die Trägerkonferenz benötigen
  • Bewerber ohne pädagogische Ausbildung müssen von dem Träger geschult werden und zusätzlich die Schulung und das Kolloquium der Trägerkonferenz und des LVR durchlaufen.
Qualifizierung von Erziehungsstellen ohne pädagogische Ausbildung
  • 8 Seminartage mit einem Familientag
  • Träger stellen Referenten
  • LVR Räumlichkeiten
  • Koordination bleibt beim LVR

Bei der Vermittlung von fachlichen Wissen und grundlegender Informationen, wie etwa über rechtliche Rahmenbedingungen ist der Einsatz von Seminaren besonders aus zeitökonomischen Gründen sinnvoll. Die Vermittlung von Wissen und die Besprechung bestimmter Themen in der Gruppe erleichtert den Bewerbern oftmals die Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen. Die Diskussion mit gleichermaßen Betroffenen wird in der Regel als Bereicherung erlebt.

Durch die Bewerberseminare sollen die Erziehungsstellenbewerber folgende Möglichkeiten haben:

  • durch die Inhalte der Abende soll fachliches Wissen vermittelt werden,
  • durch die thematische und inhaltliche Auseinandersetzung können sie sich noch mal mit ihrem ursprünglichen Aufnahmewunsch auseinander setzen,
  • während der Gruppenarbeit die Möglichkeit erhalten unterschiedliche Meinungen der einzelnen Gruppenteilnehmer kennen zu lernen,
  • ihre eigenen Grenzen erkennen und sich nicht zwingen lassen ihre Grenzen außer Acht zu lassen,
  • Die Vermittlungsrealität kennen lernen und zu erwartende Fragen und Probleme erfahren,
  • durch die Vermittlung von Realität sollen sie eine für sich realistische, verantwortliche Selbsteinschätzung ihrer Grenzen und Möglichkeiten entwickeln.

In Bewerberseminaren sollen verschiedene Themen, wie beispielsweise Herkunft, Probleme der doppelten Elternschaft, grundsätzliche Informationen über Bedürfnisse und Entwicklung von Kindern, oder auch typische Phasen von Pflegeverhältnissen, bearbeitet werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, erfahrene Pflegeeltern einzuladen, die realitätsnah und glaubwürdig, von ihren konkreten Erfahrungen berichten können. Für die Bewerber sind solche authentischen Ausführungen von Pflegeeltern eine Hilfe ihre Ideale an der Realität zu überprüfen.

Die Fachkraft/die Fachkräfte kann/können durch die Beobachtung der Bewerber in der Gruppe zusätzliche Anhaltspunkte, die sich in dieser Art im Einzelgespräch möglicherweise nicht ergeben würden, erhalten.

Die folgende thematische Themenliste sollte vermittelt werden:

Entwicklungspsychologie:

  • Motorische-, sprachliche-, kognitive und Wahrnehmungsentwicklung und Störungen
  • Erikson – psychosoziale Entwicklung
  • Bindungstheorie im Bindung in Ersatzfamilien und Abweichungen
  • Bedürfnispyramide nach Maslow
  • Lerntheorie und Verstärkersysteme
  • Andere Entwicklungstheorien z.B. nach Mellor; Freud etc.

Kommunikation:

  • Theorie nach Schulz von Thun
  • Theorie nach Rogers
  • Gewaltfreie Kommunikation
  • Konflikt- und Deeskalationstraining

Erziehungsprobleme:

  • Autoaggressive Verhaltensweisen
  • Aggressive Verhaltensweisen
  • Lernschwierigkeiten
  • Einnässen und Einkoten
  • Hyperkinetisches Syndrom

Traumatisierungen:

  • Vernachlässigung
  • Beziehungsverlust, Trennung und Tod
  • Sexuelle Gewalt
  • Allgemeine Gewalterfahrungen, Misshandlungen, Gewalttaten
  • Retraumatisierung und Sekundärtraumatisierung

Herkunft:

  • Probleme der doppelten Elternschaft
  • Zusammenarbeit mit leiblichen Eltern
  • Psychisch Erkrankungen der Eltern
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch der Eltern
  • Erziehungsunfähigkeit?

Vermittlungs- und Betreuungsprozeß - Wissen über Ablauf und Inhalte:

  • Hilfeplangespräche
  • Besuchskontakte?

Therapie und Gesundheit:

  • Darstellung verschiedener Therapieformen ( Ergotherapie; Logopädie; Motopädie; Spieltherapie; Psychotherapie . . .)
  • Supervision
  • AIDS
  • Psychosomatische Störungen
  • Behinderungen
  • Psychohygienische Maßnahmen?

Recht

  • Grundlagen SGB VIII
  • Kindschaftsrecht (8a)
  • Vormundschaftsrecht

Interessierte Bewerber ohne pädagogische Ausbildung, die diese Weiterbildung durchlaufen haben, werden anschließend als geeignete Erziehungsstelle für die Vermittlung eines Pflegekindes nach § 33. Abs. 2: („Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche sind geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen und auszubauen“). angesehen.

3. Qualifizierungskurs Sozialpädagogische Pflegeeltern der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg - Fachzentrum für Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt

Neben den allgemeinen Fortbildungsangeboten bietet das Fachzentrum besondere Qualifizierungsreihen für Pflegeeltern an. Hierzu gehören einerseits Angebote für Bereitschaftspflegeeltern, andererseits ein Qualifizierungskurs für sozialpädagogische Pflegestellen, der geschaffen wurde um den immensen Bedarf an Pflegestellen für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder zu decken.

Im Rahmen dieses Kurses, der sieben Tagesseminare beinhaltet, arbeitet eine feste Gruppen von Pflegeeltern über ein Jahr an einer Auswahl von Themen. Der Kurs beinhaltet neben der Vermittlung fachlich vertieften Wissens einen großen Selbsterfahrungsanteil. Abgeschlossen wird der Kurs durch ein Kolloquium. Jeder Teilnehmer fertigt hierfür eine schriftliche Arbeit an, die im Plenum vorgestellt und besprochen wird

Zugangsvoraussetzung: mindestens 2 Jahre Pflegemutter/Vater
  • 2x fehlen ist durch jeweils ein zusätzliches Tagesseminar zum verpassten Thema nachzuweisen,
  • bei mehr als 2 Fehlseminaren ist nur eine Teilnahmebescheinigung möglich.
  • Ablauf: Insgesamt 7 Seminartage, davon 6 Weiterbildungstage + ein Nachweis über ein weiteres Tagesseminar zum Thema Pflegekinderwesen und ein Abschlusskolloquium.
Seminarablauf:

1. Gruppenfindung, Theorie Sozialpädagogische Pflege.
2. Recht - überregionales Seminar mit Arbeitsblatt.
3. FAS (Fetales Alkoholsyndrom).
4. Psychische Besonderheiten Bindung, Essstörungen.
5. Trauma - hirnphysiologische Vorgänge.
6. Trauma im Kontext Pflegekind.
7. Kolloquium je Teilnehmer 10 Minuten.

Themen werden ausgelost. Einzel- oder themenbezogenes Gruppenkolloquium jeweils vor Bereichs -und Weiterbildungsleitung des FZP Sachsen-Amhalt

Hier finden Sie weitere Informationen.

4. Qualifizierungsangebot der PiB-Pflegeelternschule

Vorbereitende und begleitende Schulung

Die Grundkurse der PiB-Pflegeelternschule zielen darauf ab, BewerberInnen mit vorhandener professioneller Kompetenz zu den Themen zu qualifizieren, die mit der Aufnahme eines Pflegekindes allgemein sowie mit der Aufnahme eines Kindes oder Jugendlichen mit sonderpädagogischem Bedarf im Besonderen verbunden sind. Die einführende Informationsveranstaltung thematisiert Voraussetzungen, die künftige Pflegeeltern erfüllen sollten, gesetzliche Rahmenbedingungen der (sonderpädagogischen) Vollzeitpflege, das Zusammenwirken beteiligter Institutionen, die Unterstützung durch Fachkräfte von PiB, besondere Anforderungen der sonderpädagogischen Vollzeitpflege, den Umgang mit öffentlichem Auftrag und privater Lebenswelt, besondere Anforderungen der zu vermittelnden Kinder.

In einem Grundkurs erhalten die Pflegeeltern eine systematische Vorbereitung, während der sie sich mit ihrer Motivation für die Aufnahme eines Pflegekindes, dem eigenen Familiensystem sowie ihren persönlichen Grenzen und Möglichkeit auseinandersetzen. Zudem erhalten sie umfassende Informationen zur Vollzeitpflege und deren Rahmenbedingungen sowie eine Einführung in die rechtlichen Grundlagen von Pflegeverhältnissen bis hin zur Jugendhilfeplanung.

Grundkurse für Pflegeeltern umfassen 21 Stunden, die an fünf Abenden und einem Samstag vorbereitend zur möglichen Aufnahme eines Pflegekindes stattfinden.

Inhalte der Pflichtmodule in der Qualifizierung „Sonderpädagogische Vollzeitpflege“:
  • Motivation,
  • Auseinandersetzung mit dem eigenen Familiensystem,
  • persönliche Grenzen und Möglichkeiten,
  • gesetzliche Rahmenbedingungen des Pflegeverhältnisses,
  • öffentlicher Auftrag und private Lebenswelt,
  • Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie,
  • Erfahrungsaustausch mit Pflegeeltern.

Da die Inhalte der Qualifizierung einer Reflexion und eventuell der innerfamiliären Auseinandersetzung bedürfen, finden Kursabende in wöchentlichem Rhythmus statt. Die Schulung wird von den MitarbeiterInnen der PiB-Pflegeelternschule durch geführt, also nicht von den anschließend begleitenden sozialpädagogischen Fachkräften. So ist gewährleistet, dass die Entscheidung für die sonderpädagogische Vollzeitpflege möglichst alle Facetten der pädagogischen Fachlichkeit berücksichtigt.

Zur Weitergabe von Informationen und im Sinne der Transparenz findet am Ende des Kurses ein individuelles Abschlussgespräch für jeden Haushalt statt. Daran nehmen die PflegestellenbewerberInnen, die Kursleitung und die Leitung der Abteilung Vollzeitpflege teil. Ziel ist es, die Erkenntnisse, Einschätzungen und Erfahrungen aus der Gruppenvorbereitung des Kurses mit den Stärken und Grenzen der Familie abzugleichen.

Aufbaukurs

Aufbaukurse dienen der vertieften Vorbereitung für die Aufnahme eines Pflegekindes. Sie behandeln viele Aspekte aus dem Themenkomplex Bindung, Trennung, Verlust und Phasen der Integration. Die Kurse bieten künftigen Pflegeeltern zudem Gelegenheit, die eigene Identität und dazugehörige Deutungs- und Wertemuster im Hinblick darauf, dass sich das Familien- oder Beziehungsgefüge durch die Aufnahme eines Pflegekindes verändert, zu reflektieren.
Der Aufbaukurs umfasst neun Stunden, die an Abenden vorbereitend oder begleitend zur Aufnahme eines Pflegekindes stattfinden.

Inhalte:
  • Hilfe! Der Hilfeplan ... Plan zum Helfen?
  • Frühen Bindungen mit Verständnis begegnen.
  • Integration und typisches Verhalten von Kind.

Nach dem Abschluss von Grund- und Aufbaukurs ist die Teilnahme an weiterführenden Seminaren verpflichtend.

Fortlaufende Qualifizierung (24 Schulungsstunden)

Thematisch umfassen diese Seminare folgende Schwerpunkte:

  • Entwicklungspsychologie und Pädagogik,
  • Die physische und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen,
  • Die Bedeutung von Stabilität und Struktur in der Pflegefamilie,
  • Die Ausweitung der Erziehungskompetenz,
  • Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen,
  • Entwicklungsverzögerungen und -störungen,
  • Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten oder -störungen,
  • Die Bedeutung von traumatischen Erfahrungen für Kinder und Jugendliche und Pflegefamilien,
  • Kooperation mit der Herkunftsfamilie und Biographiearbeit,
  • Die Bedeutung und Gestaltung von Besuchskontakten,
  • Biographiearbeit als ein Beitrag zur Identitätsbildung.
Wahlpflichtmodule

Wahlpflichtmodule innerhalb der sonderpädagogischen Vollzeitpflege behandeln typische Situationen oder Themengebiete, die Pflegeeltern wiederkehrend beschäftigen. Sie sind im allgemeinen Kursangebot der Pflegeelternschule ausgeschrieben und können frei angewählt werden. Wahlpflichtmodule finden in mehreren thematischen Einheiten statt, die insgesamt 18 Schulungsstunden umfassen.

Verpflichtendes Begleitprogramm

Während der aktiven Pflegeelternschaft ist die Teilnahme an einem fortlaufenden Gruppenangebot (monatlich) sowie die regelmäßige Teilnahme an Qualifizierungsangeboten der Pflegeelternschule verpflichtend (2 Seminare pro Halbjahr, 6 Schulungsstunden)
Hier finden Sie nähere Informationen in der Broschüre von PiB

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