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31.05.2012
Fachartikel

Namensänderung für ein Pflegekind

Aus der Sicht des Kindes ist eine Namensänderung dann sinnvoll und zu überlegen, wenn die Namensänderung dem Wohl des Kindes förderlich ist. Identifiziert sich ein Pflegekind mit dem Familiennamen seiner Herkunftsfamilie, dann ist eine Namensänderung im Sinne des Kindes nicht sinnvoll. Identifiziert sich ein Pflegekind jedoch mit dem Familiennamen seiner Pflegefamilie, dann sollte über eine Namensänderung nachgedacht werden. Beispiel für einen Wunsch des Kindes, den Namen der Pflegefamilie zu tragen: Das Kind lebt allein mit Pflegemutter und Pflegevater, die einen gemeinsamen Ehenamen haben und kennt nur diesen Namen. Beispiel für einen Grund für das Kind, den Herkunftsnamen zu behalten: Das Kind identifiziert sich mit dem Namen der Herkunftsfamilie (meist, wenn es schon älter war, als es in die Pflegefamilie kam).

Aus der Sicht des Kindes ist eine Namensänderung dann sinnvoll und zu überlegen, wenn die Namensänderung dem Wohl des Kindes förderlich ist. Aus der Sicht der leiblichen Eltern könnte ein überwiegendes Interesse an der Beibehaltung des Namens bestehen.
Beide Interessen sind zu berücksichtigen – das Interesse des Kindes ist jedoch vorrangig zu behandeln.

Der Familienname ist von großer Bedeutung für die Entwicklung der Zugehörigkeit zu einer Familie und somit für die Entwicklung der eigenen Identität. Identifiziert sich ein Pflegekind mit dem Familiennamen seiner Herkunftsfamilie, dann ist eine Namensänderung im Sinne des Kindes nicht sinnvoll. Identifiziert sich ein Pflegekind jedoch mit dem Familiennamen seiner Pflegefamilie, dann sollte über eine Namensänderung nachgedacht werden.

Es gibt keine allgemeinen Regelungen für eine eventuelle Namensänderung. Entscheidend ist allein die Befindlichkeit des einzelnen Kindes und sein Wunsch und Wille. Bestimmte Konstellationen im Leben des Kindes können einen Wunsch zu Namensänderung aufkommen lassen oder auch nicht:

Erleben des Pflegekindes

Möglicher Wunsch des Kindes, den Namen der Pflegefamilie zu tragen:

  • Das Kind lebt allein mit Pflegemutter und Pflegevater, die einen gemeinsamen Ehenamen haben und kennt nur diesen Namen.
  • Das Kind lebt mit leiblichen Kindern der Pflegeeltern in der Pflegefamilie und hat als einziges eines anderen Namen als alle anderen Familienangehörigen.
  • Das Pflegekind trägt im Alltag der Pflegefamilie deren Namen und identifiziert sich damit – sein Geburtsname ist ihm fremd.
  • Das Kind möchte nach außen dokumentieren können, dass es zur Pflegefamilie gehört.
  • Das Kind möchte den Namen der Pflegefamilie um sicher zu gehen, dass es dort auf Dauer bleiben kann.
  • Das Kind fühlt sich aufgrund massiver Ängste durch seinen Herkunftsnamen bedroht.
  • u.a.

Mögliche Gründe für das Kind, den Herkunftsnamen zu behalten:

  • Das Kind identifiziert sich mit dem Namen der Herkunftsfamilie (meist, wenn es schon älter war, als es in die Pflegefamilie kam).
  • Es gibt weitere Pflegekinder in der Pflegefamilie, die ebenfalls ihren "eigenen" Namen tragen.
  • Das Kind ist zwar das einzige Kind der Familie, aber die Pflegeeltern tragen keinen gemeinsamen Ehenamen (jeder hat "seinen" Namen).
  • Es gibt Geschwister in unterschiedlichen Pflegefamilien, die sich verbunden fühlen.
  • Das Kind und seine Pflegefamilie haben einfach kein Problem mit den unterschiedlichen Namen.
  • Das Kind wird auch mit seinem Herkunftsnamen von seinem Umfeld der Pflegefamilie zugehörig betrachtet.
  • u.a.

Stellungnahme des Jugendamtes

Natürlich ist es absolut notwendig, dass das Jugendamt bei seiner Stellungnahme für die Namensänderung größten Wert darauf legt, dass diese Änderung dem Wunsch des Kindes entspricht. Selbstverständlich müssen die Pflegeeltern dem Wunsch des Kindes zustimmen, sonst kann es zu keiner Namensänderung kommen.

Erleben der Pflegefamilie

Keiner von uns möchte, dass die Namensänderung "nur" einem Wunsch der Pflegeeltern entspricht – erlauben Sie mir jedoch einige Hinweise auf den Alltag von Pflegefamilien, die einen solchen Wunsch verständlicher machen könnten:

  1. Eine Pflegefamilie hatte das Kind einer Mörderin aufgenommen. Der Fall war durch die Presse gegangen. Die Pflegemutter wurde z.B. bei Arztbesuchen immer wieder mit diesem Namen angesprochen – sie empfand dies als extrem schrecklich. Das Kind selbst war noch zu klein, um mit seinem Namen eine Verbindung herzustellen, die Pflegemutter jedoch litt unter dem Namen des Kindes.
  2. Immer wieder passiert es, dass in Kindergarten und Schule Pflegekinder, die ausschließlich unter ihrem Herkunftsnamen geführt werden nicht der Pflegefamilie mit ihrem anderen Namen zugeordnet werden (können). So erhalten Pflegeeltern Einladungen mit den Namen der Herkunftseltern, werden mit deren Namen aufgerufen. Manche Eltern schlucken dies mit einem Kloß im Hals, um nicht noch mal erleben zu müssen, wie das Kind sich vor Peinlichkeit windet.
  3. Manche Pflegeeltern erleben, dass ihr Pflegekind immer wieder zeigt, dass es seinen Herkunftsnamen nicht tragen möchte: es zerreißt errungene Auszeichnungen z.B. bei den Bundesjugendspielen, es streicht mit dicken Filzstiften den Namen auf seinen Zeugnissen durch, es weigert sich, einen Antrag auf seinen Personalausweis zu stellen, es reagiert nicht wenn es mit seinem Herkunftsnamen angesprochen wird z.B. nach einem Unfall in einer Klinik, in der Schule. Die sorgeberechtigten verweigern eine Namensänderung, weil sie der Meinung ist, dass das Kind von den Pflegeeltern aufgeputscht wird.
  4. Eine Pflegefamilie erzählte mir eine Situation, die ich nachdenkenswert fand: Sie hatte ein Pflegekind aus dem gleichen Ort aufgenommen. Dieses Kind kann aus einer im Ort bekannten und umstrittenen Familie mit vielen Kindern. Das Jugendamt, die Schule, Ärzte - allen war diese Familie und ihre Probleme bekannt. Als der Junge nun eingeschult wurde erlebte er, dass er auf Grund seines Namens sofort in die Schublade dieser Familie gesteckt wurde – er hatte eigentlich keine Chance. Da wünschte er sich sehr dringend, den Namen der Pflegefamilie annehmen zu können.

Namensänderung nie - oder immer?

Wie in allen anderen Bereichen ist auch hier eine Ideologie fehl am Platze. Es kommt allein auf dieses Kind an. Es kommt darauf an, ob für dieses Kind eine Namensänderung förderlich ist.

Es kommt auch darauf an, genau auf die Lebenssituation zu schauen, nicht nur auf die Vergangenheit in der Herkunftsfamilie und die Gegenwart in der Pflegefamilie sondern auch auf die zukünftige Entwicklung des Kindes und seine Befindlichkeit in der Pflegefamilie. Und es kommt auf das Durchhaltevermögen der Pflegefamilie an. Es kommt darauf an, ob die Namensänderung auch ein Ausdruck der absoluten Verbindlichkeit der Pflegeeltern zu dem Pflegekind symbolisiert. Im Interview mit der Fachkraft aus einem Pflegekinderdienst wird deutlich, wie schrecklich sich ein Pflegekind fühlt, das trotz einer Namensänderung von seinen Pflegeeltern "abgegeben" wurde. Sie finden das Interview hier in dieser Magazinausgabe.

Beteiligte an der Namensänderung

gemäß der Nr. 9 – 13 der NamensÄnderungsVerwaltungsverordnung:

  • Beteiligt am Namensänderungsverfahren sind die Personen, deren Namen geändert werden soll.
  • Beschränkt Geschäftsfähige, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, sind grundsätzlich auch persönlich zu hören.
  • Eltern minderjähriger Kinder sind, auch wenn sie nicht selbst an der Namensänderung teilnehmen oder als gesetzlicher Vertreter tätig werden, am Verfahren zu beteiligen. Für den Vater eines nichtehelichen Kindes gilt dies nur, wenn er dem Kind seinen Familiennamen erteilt hat und Vater und Kind noch den gleichen Familiennamen führen.
  • Soll ein Kind (z. B. Stiefkind, Pflegekind) durch die Änderung des Familiennamens namensmäßig in eine bestimmte Familie eingegliedert werden, so sind die
  • Familienangehörigen, die als Träger des beantragten Familiennamens dem Kind am nächsten stehen (z. B. Stiefvater, Pflegeeltern), am Verfahren zu.
  • Von der Anhörung eines Beteiligten kann abgesehen werden, wenn sein Aufenthalt unbekannt ist oder wenn er im Geltungsbereich des NamÄndG keinen gewöhnlichen Aufenthalt hat und eine Anhörung mit einem unverhältnismäßig hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden wäre

Das Verfahren ist ein Verwaltungsverfahren.
Alle Beteiligte sind beschwerdeberechtigt.

Schritte zur Einleitung einer Namensänderung

Das Kind, das seinen Namen geändert haben möchte, ist der Antragsteller. Da ein Kind jedoch Anträge nur durch seinen gesetzlichen Vertreter stellen kann, muss dieser also für das Kind den Antrag auf Namensänderung stellen. Gesetzlicher Vertreter eines Pflegekindes sind entweder die sorgeberechtigten leiblichen Eltern oder ein Vormund bzw. Pfleger.

Die sorgeberechtigten leiblichen Eltern können einen solchen Antrag unmittelbar beim zuständigen Ordnungsamt ihrer Kommune stellen. Ein Vormund muss sich vor der Antragstellung eine entsprechende Erlaubnis beim Familiengericht einholen. Erst wenn das Familiengericht ihm die Erlaubnis erteilt hat, kann er den Antrag auf Namensänderung beim Ordnungsamt der Kommune, in dem sein Mündel stellen, stellen.
Das Familiengericht muss zu dieser Frage das Kind anhören.

Für den Antrag müssen eine Vielzahl von Unterlagen beigebracht und dem Antrag hinzugefügt werden:

  • Staatsangehörigkeitsausweis oder Kopie des Passes oder Personalausweises bzw. Kinderausweis
  • Bescheinigung der Meldebehörde über den Wohnsitz oder Durchschlag der Meldebescheinigung
  • Geburtsurkunde oder beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch
  • Bei Änderung des Ehenamens die Heiratsurkunde
  • Bei Änderung des Namens von Personen über 14 Jahre Führungszeugnis
  • Einkommensnachweise (Lohn- oder Gehaltsabrechnungen, Arbeitslosengeldbescheid usw.)
  • Bei Antragstellung durch Vormund usw. Bestellung und Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes

Kosten des Verfahrens

Die Kosten des Verfahrens liegen zwischen 2.50 € und 1.022,00 €. Wird das Verfahren abgelehnt, kann das Ordnungsamt die Hälfte oder 2/3 der anfallenden Kosten erheben.
Der Antragsteller hat für die Kosten des Verfahrens aufzukommen.

Da der Vormund des Kindes hier in seiner Eigenschaft als gesetzlicher Vertreter des Kindes handelt, tritt hier die Frage auf, ob das Kind über geldliche Möglichkeiten verfügt um die Kosten des Antrages übernehmen zu können. Der Vormund selbst ist nicht verpflichtet, die Kosten zu tragen.
In einem zu dieser Frage geführten Verfahren wurde beschlossen, dass der Vormund – hier die Pflegeeltern – ebenfalls ein persönliches Interesse daran haben, dass das Kind den neuen Namen trägt und sie somit einen Teil der anstehenden Kosten zu tragen hätten.

In einem anderen Verfahren stellten die Pflegeeltern als Vormund ihres Pflegekindes einen Antrag auf Übernahme der Namensänderungskosten beim zuständigen Jugendamt. Nach längerer interner Ämterverhandlung einigte sich das Jugendamt mit dem Ordnungsamt darauf, dass das Ordnungsamt hier keine Kosten erstellen würde.
Die uns bisher bekannten Höhe der Kosten für eine Namensänderung eines Pflegekindes lagen zwischen 0 € und 250 €.

Änderung in öffentlichen Eintragungen

Es erfolgt eine Eintragung eines Randvermerks über die Namensänderung oder die Namensfeststellung im Geburtenbuch und im Familienbuch und eine Mitteilung an die Meldebehörde.