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01.08.2011
Fachartikel

Mögliche Perspektiven der Weiterentwicklung

Die Pflegekinderhilfe ist noch kein einheitlicher Bereich. Es gibt regionale Ungleichzeitigkeiten in der Entwicklung, beharrende lokale Traditionen und den persönlichen Eigensinn der Akteure. Alte Schichten und innovative Ansätze überlagern sich. Verschiedene Organisationsmodelle, die auch die ausschließliche Bindung der Pflegekinderhilfe an kommunale Träger zu überschreiten beginnen, konkurrieren miteinander, und unterschiedliche fachliche Orientierungen bleiben nebeneinander bestehen.

Die Pflegekinderhilfe ist noch kein einheitlicher Bereich. Es gibt regionale
Ungleichzeitigkeiten in der Entwicklung, beharrende lokale Traditionen und den persönlichen Eigensinn der Akteure. Alte Schichten und innovative Ansätze überlagern sich. Verschiedene Organisationsmodelle, die auch die ausschließliche Bindung der Pflegekinderhilfe an kommunale Träger zu überschreiten beginnen, konkurrieren miteinander, und unterschiedliche fachliche Orientierungen bleiben nebeneinander bestehen. Auch Pflegeeltern sind eine uneinheitliche Gruppe mit sich unterscheidenden Motiven für ihr Engagement und unterschiedlichen Kompetenzen geblieben, und Pflegekinder bilden eine heterogene Gruppe mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Stärken und Schwächen. Der Vielfalt gerecht zu werden, ohne die Richtung der Gesamtbewegung aus dem Blick zu verlieren, gehört zu den Zukunftsaufgaben. Differenzierungsformen sind letztlich Antworten auf die im jeweiligen
historischen Kontext neu gestellte Frage nach dem einem Kind adäquaten, seinem Wohl förderlichen Lebensort (was freilich auch immer mit wohl unvermeidlichen fiskalischen Interessen verquickt war und ist).

In der Gegenwart ist dies zu einer komplexen Aufgabe geworden: In der Moderne gibt es kaum noch standardisierbare Bedürfnisse, kein gültiges Normalitätskonzept, sondern eine sich ausdifferenzierende Vielfalt legitimer Interessen und eine Menge von individuellem Eigensinn. Eine moderne Jugendhilfe kommt nicht darum herum, diese Vielfalt als Merkmal individualisierter, entstrukturierter, traditionsverlorener Gesellschaften ernst zu nehmen und ihre Hilfen entsprechend zu organisieren.
Als Herausforderung an die Pflegekinderhilfe formuliert:
Sie muss sich auf diese Bedingung ihrer Existenz und Basis ihrer Legitimität besinnen und hieraus für das eigene organisatorische und fachliche Handeln Konsequenzen ziehen. Das Wichtigste wäre, die Vielfalt anzuerkennen, sie in eine Ordnung zu bringen und sich auf Standards zu einigen. Ohne die Abkoppelung der Pflegekinderhilfe vom Zufall des kommunalen Eigensinns und dem Zufall der kommunalen Finanzkraft ist dies nicht zu haben.
Verlässliche Qualität, interkommunale Vergleichbarkeit und die Vermeidung von Zuständigkeitsgerangel lässt sich nur über gesetzlich verbriefte Standardbildung erreichen. Dazu gehört es, Strukturen und Konzepte zu überwinden, die der Akzeptanz von Vielfalt widersprechen bzw. ihr nicht gerecht werden können.
Die Herausforderung an den Pflegekinderbereich und an die ihn verantwortende Kinder- und Jugendhilfepolitik ist es, ihre Organisationsmittel, ihre rechtlichen Prämissen, ihr Methodenrepertoire, ihre konzeptionellen Grundlagen und ihre Förder- und Unterstützungspolitik den tatsächlichen gesellschaftlichen Entwicklungen und den vielfältigen Lebensbedürfnissen von Kindern und Erwachsenen anzupassen. Vernünftige Lösungen in strukturierter Vielfalt sollte das Thema der Zukunft sein.

aus „Handbuch Pflegekinderhilfe“ S. 45/46

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