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20.04.2009
Fachartikel

Fachartikel: Die Hilflosigkeit bei traumatisierten Babys und Kleinkindern

Wie können Pädagogen früh und wiederholt traumatisierten kleinen Kindern helfen? von Dagmar Eckers

Auszug aus dem Artikel (Vortrag Bad Bentheim 28.05.2008)

Wenn wir uns mit der Traumatisierung von Babys und Kleinkindern befassen, müssen wir feststellen, dass diese Traumatisierung häufig durch die primären Bezugspersonen geschieht, also durch die Eltern. Das umfasst schwer wiegende Deprivation, Vernachlässigung, Misshandlung, emotionale und sexuelle Gewalt sowie das Erleben von Gewalt zwischen den Eltern.
Wenn die Mutter innerlich sehr geängstigt (traumatisiert) und/oder in ihrem Verhalten sehr ängstigend für das Kind ist (traumatisierend), wird beim Kleinkind gleichzeitig das Bindungssystem und das Verteidigungssystem aktiviert. Oft treten in schneller Abfolge Annäherungs- und Vermeidungsreaktionen beim Kind auf oder es erstarrt im Konflikt zwischen beiden Impulsen. In gewalttätigen und vernachlässigenden Familien gibt die Mutter dem Baby emotional (also implizit, ohne bewusste Steuerung!) gänzlich widersprüchliche Botschaften und kann es vor zusätzlicher Traumatisierung nicht schützen.
Zu den vier bekannten Bindungsstilen (sicher, ängstlich-vermeidend, ängstlich-unsicher und desorganisiert/desorientiert) hat man festgestellt, dass bei misshandelten einjährigen Kindern 82 % desorganisiert gebunden sind, bei nicht misshandelten Kindern nur 19 % (V. Carlson, Ciccletti, Barnett und Braunwald, 1989).
Anders als bei einzelnen traumatisierenden Erfahrungen sind die Konsequenzen bei Kleinkindern in chronisch traumatisierenden sozialen Beziehungen umfassender und für die Entwicklung der Kinder sehr tief greifend.

In dem Abschnitt 'Entwicklungstraumastörung' werden beschrieben:
  • Exposition
  • Subjektives Erleben
  • Ausgelöste Muster wiederholter Dysregulation als Reaktion auf Traumareize
  • Anhaltend veränderte Wahrnehmung und Erwartungen
  • Behinderung aller Funktionsbereiche

und als Hilfsmöglichkeiten:

  • Stärkung der Sicherheit
  • Stärkung der Impulskontrolle
  • Stärkung der Selbstwirksamkeit#
  • gute Körpererfahrungen.

Frau Eckers macht zum Schluss deutlich: "diese Korrekturen alter Erfahrungen und die Eröffnung neuer Bewältigungsstrategien sind wirksam auf dem Boden NEUER, SICHERER BINDUNGEN !".

Dagmar Eckers ist Dipl.-Psychologin und Kinder- und Jugendlichentherapeutin und tätig im Traumaforum Berlin

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