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26.01.2022
Fachartikel

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Das deutsche Adoptionsrecht

Vorschriften zur Adoption im BGB, Formen der Adoption, Voraussetzungen für eine Adoption, Auslandsadoption. Gastartikel von anwalt.org

Ein Kind zu adoptieren ist ein großer Schritt im Leben eines Kindes und der Eltern. Dieser Vorgang verlangt allen Beteiligten viel ab, sowohl in bürokratischer als auch in emotionaler Hinsicht. Rund 4000 Kinder und Jugendliche werden in Deutschland jedes Jahr adoptiert. Bei rund der Hälfte dieser Adoptionen handelt es sich um Adoptionen durch die Stiefmutter oder den Stiefvater. Doch wie läuft ein Adoptionsverfahren eigentlich ab, welche rechtlichen Grundlagen liegen der Adoption zugrunde und welche Voraussetzungen müssen für eine Adoption erfüllt sein?

Vorschriften zur Adoption im BGB

Regelungen zum Adoptionsverfahren in Deutschland finden sich in den §§ 1741 bis 1772 BGB. Demnach ist die Adoption eines Minderjährigen dann zulässig, wenn diese dem Wohl des Kindes dient und die Entstehung eines "Eltern-Kind Verhältnisses" zwischen dem Kind und den Annehmenden zu erwarten ist. So steht es im § 1741 BGB. In der Regel ist es im Vorfeld einer Adoption notwendig, dass beide leiblichen Eltern in die Adoption einwilligen. Nur ausnahmsweise kann auf solch eine Einwilligung verzichtet werden. Beispielsweise dann, wenn das minderjährige Kind misshandelt oder vernachlässigt wurde. In diesem Fall kann die Einwilligung der leiblichen Eltern durch eine Entscheidung des Familiengerichts gemäß § 1748 BGB ersetzt werden. Damit die Kinder und Jugendlichen sich an ihre Adoptiveltern gewöhnen können, soll der eigentlichen Adoption eine angemessene Pflegezeit gemäß § 1750 BGB vorausgehen.

Der Öffentlichkeit bzw. unbeteiligten Personen dürfen die Umstände der jeweiligen Adoption übrigens nicht mitgeteilt werden. Dies fällt unter das sogenannte Adoptionsgeheimnis.

Welche verschiedenen Formen der Adoption gibt es?

Neben der Adoption Minderjähriger ist es in Deutschland auch möglich Volljährige zu adoptieren. Voraussetzung für solch eine Adoption ist eine "sittliche Rechtfertigung" sowie eine familiäre Bindung zwischen den Beteiligten. Stehen familiäre Motive im Mittelpunkt der Adoption, dann schaden Nebenmotive wie die Ersparnis von Erbschaftsteuer nicht.

Bei der Adoption Minderjähriger wird zwischen der sogenannten "Inkognito-Adoption", bei welcher die leiblichen Eltern nicht bekannt sind und auch nach der Adoption kein Kontakt zwischen ihnen und dem Kind bestehen soll und der sogenannten "halboffenen Adoption" unterschieden. Bei letzterer kennen die Kinder ihre leiblichen Eltern, da sie möglicherweise bereits einige Jahre bei ihnen gelebt haben. Eine weitere Adoptionsform, die "offene Adoption" zeichnet sich dadurch aus, dass die annehmenden und die leiblichen Eltern miteinander in Kontakt stehen.

Des Weiteren wird grundsätzlich zwischen der Inlandsoption und der Auslandsoption unterschieden.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Adoption erfüllt sein?

Es gibt verschiedene Voraussetzungen, die potentielle Adoptiveltern in Deutschland erfüllen müssen.

1. Alter

Will ein Ehepaar ein Kind adoptieren, muss der Annehmende mindestens 25 Jahre und der andere Ehepartner mindestens 21 Jahre alt sein. Zwar gibt es im Gesetz kein starres Mindestalter für eine Adoption, der Altersunterschied zum Adoptivkind soll aber laut Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter idealerweise nicht mehr als 40 Jahre betragen.

2. Familienstand

In Deutschland können Ehepaare, aber auch Einzelpersonen ein Kind adoptieren. Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften können nur dann adoptieren, wenn ihre Partnerschaft in eine Ehe umgewandelt wird. Eine Adoption eines Kindes durch gleichgeschlechtliche Ehegatten steht nichts im Wege. Zwar ist die Adoption durch Einzelpersonen grundsätzlich möglich, allerdings werden Ehegatten in der Regel von Adoptionsvermittlungsstellen bevorzugt.

3. Sonstige Voraussetzungen

Adoptionsbewerber werden durch eine Adoptionsvermittlungsstelle auf ihre Eignung hin überprüft. Dabei werden unter anderem Kriterien wie die Wohnverhältnisse, die Berufstätigkeit, die jeweiligen Erziehungsvorstellungen sowie die allgemeine psychologische Eignung der potentiellen Adoptiveltern unter die Lupe genommen.

Zudem wird im Vorfeld der Adoption auch die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnis und eines Gesundheitszeugnisses verlangt.

Die Auslandsadoption

Von einer Auslandsoption spricht man dann, wenn das Kind vor der Adoption in einem anderen Staat gelebt hat. Solch eine Adoption kann sowohl über eine staatlich anerkannte Vermittlungsstelle, als auch privat durchgeführt werden. Allerdings ist die Beteiligung einer deutschen Vermittlungsstelle in irgendeiner Art und Weise notwendig. Internationale Standards zum Wohle des Kindes müssen selbstverständlich auch bei einer Auslandsadoption eingehalten werden und werden durch die Auslandsvermittlungsstelle kontrolliert.

Eine Auslandsadoption kann grundsätzlich nur dann vorgenommen werden, wenn im Herkunftsland des Kindes keine geeignete Unterbringung zu finden ist.

Gastartikel von anwalt.org