Sie sind hier

24.02.2019
Erfahrungsbericht

Pass, Einbürgerung, Pass

Erfahrungsbericht zur Einbürgerung eines Pflegekindes

Dieser Bericht der Pflegeeltern schildert den komplizierten Weg der Einbürgerung eines Pflegekindes, welches zwar in Deutschland geboren worden war, allerdings von einer griechischen Mutter.

Wir haben mit 11 Monaten ein griechisches Mädchen bei uns in der Familie zur Pflege aufgenommen.

Sie ist in Deutschland geboren und laut damaliger Geburtsurkunde wurde sie als Deutsche anerkannt. Nach ca. zwei Jahren wollten wir mit der Vormündin einen Personalausweis beantragen. Da erfuhren wir, dass unserer Pflegetochter ihre deutsche Staatsangehörigkeit wieder aberkannt worden war. Die Begründung dazu lautete: der leibliche Vater war nicht acht Jahre vor der Geburt ununterbrochen in Deutschland wohnhaft. Die Vormündin war von dieser Veränderung nicht informiert worden.

Nach Erkundigungen auf dem Ordnungsamt und bei der Ausländerbehörde hieß es, wenn unsere Pflegetochter acht Jahre alt wäre, könnten wir einen Einbürgerungs-Antrag stellen. Das wäre kein Problem, da Griechenland ja schließlich ein EU Land sei.

Also warteten wir, bis unsere Pflegetochter acht Jahre alt geworden war und holten uns beim Ordnungsamt einen 11-seitigen Einbürgerungsantrag. Zwischenzeitlich hatten wir die Personensorge übertragen bekommen.

Nachdem wir den Bogen ausgefüllt und auf dem Amt abgegeben hatten, erhielten wir ca. drei Monate später die erste Rechnung über € 191,--. Dazu kam die Mitteilung, dass erst nach Bezahlung der Rechnung der Antrag bearbeitet. würde

Weitere sechs Monate später erhielten wir nachfolgendes Schreiben.

Zur weiteren Bearbeitung ihres Antrages benötigen wir folgende Unterlagen:

1. griechisches Ausweisdokument (Reisepass) für Pflegetochter

2. beglaubigter Geburtenregisterausdruck für Pflegetochter

Zu 1.) wenden Sie sich bitte an das zuständige griechische Konsulat in Düsseldorf. Dort erfahren wir, welche Unterlagen für die Passbeantragung benötigt werden.

Zu 2.) wenden Sie sich an das Standesamt in dem Ort wo unsere Pflegetochter geboren ist.

Der beglaubigte Geburtenregisterausdruck wurde von uns bei dem hiesigen Amt beantragt und ein paar Tage später erhielten wir das Dokument mit der Post.

Die Einbürgerungsstelle hatte parallel geprüft, ob die leibliche Mutter ununterbrochen acht Jahre vor der Geburt unserer Pflegetochter in Deutschland lebte, da dies nicht aus der Akte ersichtlich war. Denn es reicht, wenn ein Elternteil ununterbrochen acht Jahre vor der Geburt in Deutschland lebt. Aber für die Mutter unserer Pflegetochter galt dies leider auch nicht.

Im Internet vereinbarten wir einen Termin zur Passbeantragung beim griechischen Konsulat und schilderten dort den Mitarbeitern, dass die leibliche Mutter gegenüber ihrem Kind gewalttätig gewesen war und dass das Amtsgericht ihr daraufhin das Sorgerecht für alle Kinder entzogen hatte.

Trotz Kenntnis des Sorgerechtsentzuges weigerten sich die zuständigen Mitarbeiter des Konsulates jedoch, ohne Mitwirkung der leiblichen Mutter einen Pass auszustellen. Der zuständige Mitarbeiter des Konsulates teilte uns mit, es gebe seiner Erfahrung nach erhebliche Verfahrensprobleme bei der Passbeschaffung nach griechischem Recht, wenn die leiblichen Eltern des Kindes der Passbeschaffung nicht zustimmten.

Daraufhin vereinbarten wir einen erneuten Termin, bei dem beide nicht sorgeberechtigten leiblichen Eltern unserer Pflegetochter ebenfalls anwesend waren, um das Verfahren wegen des erfolgten Hinweises durch das Konsulat nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Als einer der Konsulatsmitarbeiter jedoch noch einmal nachfragte, warum denn die leibliche Mutter eine andere Adresse als ihr Kind habe und warum ihr das Sorgerecht entzogen worden war, blockte die leibliche Mutter völlig ab und behauptete sinngemäß, die deutschen Behörden hätten ihr die Kinder einfach weggenommen. Sie erklärte, nicht mehr zur Zustimmung bzw. Mitwirkung an der Passbeschaffung ihrer Tochter bereit zu sein.

Daraufhin wurde der Konsulatstermin seitens des Konsulats abgebrochen und die Behörde erklärte, ohne Mitwirkung der leiblichen Mutter könne eine Passbeschaffung nach griechischem Recht nicht erfolgen.

Danach holten wir uns Hilfe bei einer Rechtsanwältin für Ausländerrecht mit einem Beratungshilfeschein vom Amtsgericht.

Die Rechtsanwältin forderte beim zuständigen Ausländeramt von unserer Pflegetochter die Akte an.

Sie schrieb das Ausländeramt an und erklärte, dass eine weitere Passbeschaffung unzumutbar sei. Es sei nach den beschriebenen Ereignissen zu erwarten, dass die leibliche Mutter unserer Pflegetochter der Passbeantragung weiterhin nicht zustimmen würde und somit die griechischen Behörden auch keinen Pass ausstellen werde.

Nach ein paar Wochen erhielten wir einen Anruf vom Ausländeramt. Wir wurden gebeten, mit unserer Pflegetochter vorbei zu kommen und ein Passbild für die Ausstellung eines Reiseausweises für Ausländer mitzubringen.

Wir fuhren zum Ausländeramt. Von unserer Pflegetochter wurden noch Fingerabdrücke gemacht und der Reiseausweis dann in Angriff genommen. Nach zwei Wochen konnten wir den Ausweis abholen.

Bei der Abholung bezahlten wir die Gebühren, damit die Unterlagen weiter geleitet werden konnten zum Einbürgerungsamt. Nach ca. vier Wochen wurden wir vom Einbürgerungsamt eingeladen, um die Einbürgerungsurkunde ab zu holen. Wir gaben den Reiseausweis für Ausländer ab und erhielten die Einbürgerungsurkunde.

Mit der Einbürgerungsurkunde konnten wir dann bei unserem Einwohnermeldeamt einen Personalausweis beantragen und bekamen ihn auch bald.

Wir haben es geschafft! Mittlerweile ist unsere Pflegetochter zehn Jahre alt. Zwei Jahre intensiver Kampf. Es hat sich aber gelohnt.

Das Ganze hat uns ca. 500 € gekostet, reine Antragskosten, Passbilder, Verwaltungsgebühren und Pässe.