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25.06.2014
Erfahrungsbericht

Luzie - schon ein Jahr in der Pflegefamilie

Luzie lebt nun schon fast ein Jahr in ihrer neuen Pflegefamilie. Fortsetzung eines Erfahrungsberichtes.

Themen:

Der Schulalltag ist eingekehrt und vormittags möchte Luzie gerne beschäftigt werden. Sie versucht weiterhin sich durch ihre Sprache verständlich zu machen. Sie ist nur wütend, wenn wir einiges nicht verstehen. Es ist so, als müssten wir eine “Zweitsprache“ für Luzie lernen. Als Pflegemutter ist man ja sehr lernfähig und so konnte ich übersetzen was Luzie so sagte. Langsam wurde es kälter und Luzie musste eine wärmere Jacke und eine Strumpfhose anziehen. Dies war wieder ein Grund lautstark zu protestieren. Langsam gewöhnte sie sich daran, dass sie auch Dinge tun musste, die sie ablehnte. Ich hatte immer Angst, dass die zarte Maus krank wurde.

Wir hatten jetzt im September viele Feierlichkeiten, an denen wir teilnehmen sollten und auch vorzubereiten hatten. Das konnte Luzie zuerst gar nicht einordnen. Immer viele fremde Menschen um uns herum. Da wir auf dem Lande leben, treffen sich bei Feierlichkeiten immer eine große Nachbarschaft. Unsere Nachbarn fanden unsere Luzie ganz reizend, unsere “Großen“ kannten sie ja schon. Luzie war ganz zurückhaltend und immer bei mir. Langsam gewöhnte sie sich an die vielen Leute, die wir trafen. Sie sortierte schon aus, wer mit ihr reden oder spielen durfte. Wollte sie etwas nicht, dann guckte sie wütend oder griff zu ihrer Stimmwaffe. Es wurde viel gelacht und erzählt.

Bei solchen Treffen wurde natürlich immer wieder über Pflegekinder gesprochen. Für einige absolut unvorstellbar ein “fremdes“ Kind anzunehmen und andere fanden es sehr herausfordernd sich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen. Luzie sog alles in sich auf, war dadurch aber ganz schön geschafft. Bei der Taufe unserer Nichte war ihr dann wohl alles zuviel. Sie war bockig, absolut quengelig. Ich dachte erst sie würde krank werden, aber sie war einfach überfordert. Luzie blieb dann bei unserer großen erwachsenen Tochter und wir genossen eine ruhige Stunden innerhalb unserer großen Familie. Das war auch einmal schön ohne Geschrei von unserem Liebling.

Dann kam unsere jährliche Fahrt nach Dankern mit unserer Pflegeelterngruppe. Luzie schlug sich ganz tapfer. Wieder fremde Menschen, eine fremde Umgebung, ein anderes Haus und ein neues Reisebett. Da aber viele Kinder mitfuhren, war sie für ihre Verhältnisse entspannt. Sie schlief nicht so gut und träumte laut. In den großen Spiel und Spaßhallen fühlte sie sich nicht so wohl. Dort war es ihr zu laut. Draußen fand sie, wie wir auch, alles viel ruhiger und nicht so hektisch. Das Grillen gefiel ihr da schon besser. Als wir wieder zu Hause waren, freute Luzie sich total und rannte nur herum. Sie umfasste die Beine von unserer großen Tochter und drückte sie. Unser großer Hund wurde geknuddelt und sie zog an seiner Rute. Sie war völlig aus dem Häuschen. Wir mussten alle herzhaft lachen, die kleine Maus machte so eine Hektik um ihre Freude zu zeigen. In der Nacht schlief sie sehr unruhig und träumte laut.

Unser Träger kam wieder zu uns und freute sich über Luzies Entwicklung. Sie war Frau B. gegenüber aber immer sehr zurückhaltend. Ich hatte nun einen Termin für Luzie im SPZ bekommen. Der Vormund, unsere Sozialarbeiterin, Luzie und ich gingen gemeinsam zum Erstgespräch ins SPZ unserer Stadt. Alle Unterlagen vom SPZ aus Luzies Geburtsstadt lagen vor und Frau A. vom PKD berichtete, dass sie alle anderen Geschwister von Luzie betreut hat, wo sie lebten und welche Einschränkungen/ Behinderungen sie haben. Auch machte sie sehr deutlich das Luzies Herkunftsmutter dem Alkohol sehr zugesprochen hat. Vor Luzies Geburt wurde sie stark alkoholisiert ins Krankenhaus gebracht und zwei Geschwister von Luzie FAS haben. Es wurde vereinbart, dass Luzie zur Entwicklungsdiagnostik über eine längere Zeit im SPZ vorgestellt werden soll. Neue Termine wollte man mir zuschicken. Weiterhin fühlte ich mich durch das Jugendamt/ Sozialarbeiterin und dem Vormund gut betreut und beraten.

Nun ging es auf Weihnachten zu. Luzies erstes Weihnachten in unserer Familie. Die anderen Kinder waren schon sehr aufgeregt, weil das Christkind die Wunschzettel erst sehr kurz vor Weihnachten abgeholt hatte. Luzie spürte die Stimmung und war auch aufgeregt. Sie malten und schrieben für Luzie einen Wunschzettel. Angeblich wollte unsere Kleine ein Nintendo DS, einen Reiterhof von Playmobil und verschiedene andere nicht altersgemäße Dinge haben. Wir mussten schon schmunzeln über unsere lieben hilfsbereiten Kinder.

Eins unserer Mädels hat am 24. Dezember Geburtstag und wir feierten morgens erst den Geburtstag. Luzie fand es toll, dass alle da waren und sie half beim auspusten der Kerzen. Geschenke wurden aufgerissen und der Reiterhof von Playmobil wurde aufgebaut. Unsere beiden größeren bekamen schon ein schlechtes Gewissen, weil doch Luzie sich angeblich diesen Reiterhof gewünscht hat. Was ist, wenn das Christkind nun noch einen Reiterhof bringt? Bange Frage bis zur Bescherung. Endlich wurde es dunkler und der Nachmittag hatte begonnen. Die Bescherung sollte am frühen Abend stattfinden. Wir deckten alle festlich den Tisch und aßen zusammen. Die Kinder waren sehr aufgeregt und rutschten auf ihren Stühlen hin und her. Dann zogen sie ihre Jacken und Schuhe an und gingen mit Taschenlampen bewaffnet mit ihrem Papa vom Hof Richtung Wald. Sie suchten das Christkind. Nach kurzer Zeit, es war ja auch schon dunkel und unheimlich draußen, hörten sie eine Glocke klingeln und stürmten ins Haus. Luzie immer dabei und sie war fröhlich und gespannt, was nun passieren würde. Die Bescherung war für alle recht lustig, denn Luzie packte ganz langsam ihre Geschenke aus und wieder ein und dann wieder aus. Das Papier fand sie ganz toll. Der Puppenwagen wurde umfunktioniert in einen Pferdetransporter und sie brauchte sich nicht auf einen Nintendo zu freuen, denn den bekam ihr Bruder.

Am ersten Weihnachtstag sollte unsere ganze Familie kommen. Tanten; Onkel, Nichten und Neffen trafen zum Kaffeetrinken ein. Es wurde gesungen, viel gelacht und gegessen. Luzie war erst ganz gut gelaunt und hatte ihren Spaß, baute dann aber flott ab und wurde müde. So nahm ich sie auf den Arm und wir setzten uns gemütlich in einen Sessel und schauten den anderen beim Abräumen zu. Ihre Müdigkeit hatte auch etwas gutes für mich. Am zweiten Weihnachtstag waren wir ganz unter uns. Die Kinder spielten mit ihren Geschenken und Luzie war froh, dass alles ruhig ablief, genau so wie wir auch.

Sylvester wollten wir mit den Kindern allein verbringen. Wir spielten und aßen gemeinsam und brachten Luzie pünktlich ins Bett, damit sie alles so normal wie möglich empfinden konnte. Bei uns auf dem Hof wird nicht geknallt und der nächste Nachbar wohnt einige 100 Meter entfernt, somit wurde Luzie nicht durch Knaller geweckt. Dafür weckte sie uns wie immer früh morgens mit ihrer lieblichen Stimme.
Das neue Jahr hatte begonnen und wir sind gespannt, wie sich unsere Luzie und die nun schon “großen“ Kinder weiterhin entwickeln werden.

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